Für gewöhnlich lädt der NDR seine Gäste zu (äußerst hörenswerten) Doppelkonzerten ins Rolf-Liebermann-Studio in die Oberstraße ein. Zum 80. Geburtstag von Joachim Kühn musste es aber ein paar Nummern größer sein. Stefan Gerdes und sein Team nutzten am 15. Mai 2024 die Elbphilharmonie, um einem der bedeutendsten deutschen Jazzmusiker von internationalem Rang eine große Bühne zu bereiten.
Zwei ganz besondere Musikwerke hatte das siebente Konzert der Lübecker Philharmoniker auf dem Programm (5. und 6. Mai 24), das eine ein klassisches Klavierkonzert, das andere eine romantische Sinfonie. Von beidem gibt es viele, auch herausragend schöne. Dennoch sticht die Verbindung gerade dieser beiden Werke hervor, weil beide ganz besondere Beispiele ihrer Art waren.
Jazz-Liebhaber rund um Lübeck kennen natürlich das traditionelle JazzBaltica-Festival in Timmendorf und das Lübecker TraveJazz-Festival, aber langsam aber sicher etabliert sich ein weiteres wunderbares Jazz-Festival in der Hansestadt: Das kleine Jazz-Festival im Kolosseum. Dieses Jahr bereits in der 4. Auflage hat sich das musikalische Kleinod der Jazz-Musik, wunderbar organisiert vom Schlagzeuger der Band Triologue, Olaf Koep, mittlerweile wie selbständig in den jährlichen Konzert-Kalender der Jazz-Liebhaber der Hansestadt festgesetzt.
Ein sehr erlesenes sollte das siebte Konzert der Elbphilharmoniker werden, eines, das „Musikalische Facetten des Sterbens“ (so im Programmheft) versprach. Aber: der fein kalkulierte Aufbau im Programmablauf fiel dem Umstand zum Opfer, dass krankheitsbedingt der Dirigent kurzfristig absagen musste.
Zum Einstieg in das Internationale Musikfest Hamburg gab es im Großen Saal der berühmten Elphiharmonie Ende April ein umjubeltes Filmkonzert der Symphoniker Hamburgs mit einem Meisterwerk der Filmgeschichte. Mit „ Der große Diktator“ hatte Charlie Chaplin 1940 nicht nur eine legendäre Satire über Adolf Hitler und den Nationalsozialismus geschaffen, sondern auch seinen ersten Tonfilm erstellt. Gleichzeitig war der Film auch ein allgemeines Manifest gegen Krieg und Totalitarismus. Dementsprechend passte dieses klassische Meisterwerk auch hervorragend in die Eröffnungswoche des Internationalen Musikfests Hamburg, das unter dem Motto „Krieg und Frieden“ steht.
Bei seinem sechsten Konzert lockte das NDR Elbphilharmonie Orchester ein paar mehr Besucher in die MuK. Drei relativ kurze Kompositionen wurden dabei in einem Programm präsentiert, das nach ganz klassischer Art gestrickt war. Ein poetisches Werk eröffnete, ein Konzert folgte, sogar wie zumeist eines für das Klavier, und im zweiten Teil beschloss eine frühromantische Sinfonie einen klangschönen Abend. Was wollte ein Publikum mehr, da zudem ein furioser Dirigent am Pult stand. Es war Omer Meir Wellber.
Der mittlerweile 80jährige Altmeister der deutschen Rockmusik hat es immer noch drauf, wie man bei seinem Konzert in der Lübecker MuK bestaunen konnte.
Hans Hölzel begann seine Karriere in Österreich mit dem Underground-Titel „Ganz Wien ist auf Heroin“. Dann will sein Manager Horst Bork ihn im Zuge der Neuen deutschen Welle mit „Der Kommissar“ größer machen als Reinhold Fendrich. Aber Falco, wie der exzentrische Künstler von nun an nur noch genannt werden will, hat Größeres im Sinn. Er will ein österreichischer Weltstar werden.
Die Lübecker Philharmoniker sind mit ihrem 6. Sinfoniekonzert auf ein großes Publikumsinteresse gestoßen. Ihr Angebot war Edvard Griegs vollständige Schauspiel-Musik zu Henrik Ibsens „Peer Gynt“.
Schon bei der Vorstellung des Abendprogramms vom Sonntagabend (17.03.24) wunderte sich Andrè Heller, der Leiter des diesjährigen Reflektorprogramms über die volle Elbphilharmonie (ausverkauft!): Er frage sich, ob das Publikum wüßte, auf was es sich einlasse heute Abend?