Selten haben Wünsche zu einem Geburtstag so ein klangvolles Gepräge wie die, die Stefan Vladar sich zu seinem 60. erfüllte. Gleich beide (!) Klavierkonzerte von Johannes Brahms wollte er an einem Abend zu Gehör bringen – als Pianist. Das ist nicht nur eine Aufgabe von großer Bedeutung für sich selbst, es ist gleichzeitig ein Geschenk für das Publikum einer Musikstadt, von der man wohl sagen darf, sie ist „die“ Musikstadt des Nordens.
Draußen herrschte typisch norddeutsches Schmuddelwetter mit Nieselregen und 5 Grad Temperatur in Travemünde. Aber im festlichen Konzertsaal unter dem Kronenleuchter im Atlantic Grand Hotel war ein wahrlich international besetztes Welt-Orchester versammelt, um das Publikum auf afrikanische Temperaturen zu bringen.
Zum 15. Mal und leider vermutlich auch zum letzten Mal fand am Wochenende das wunderbare Überjazz-Musikfestival rund um Jazz und Artverwandtem zwischen HipHop, Soul, R&B, Ambient und allerlei avantgardistischen Experimenten statt.
Warum sollte man nicht einmal in die ehrwürdige Reihe der Sinfoniekonzerte ein Programm einfügen, das einen ungewohnten Zuschnitt hat? Mit Filmmusik hatten es jetzt die Lübecker Philharmoniker versucht und einen großen Erfolg gehabt. Sie ist „eigentlich“ in vielen Momenten oder Szenen dem ähnlich, was Orchester- oder Bühnenmusik anstreben. Alle wollen für Handlungen sensibilisieren oder sie dramatisieren. Ähnlich sind sie sich und doch wieder ganz anders.
Seit gut 30 Jahren ist der charismatische Sänger und Musiker Jan Plewka die Stimme der Independent-Rockband Selig, ein absoluter Symphatie-Träger und vielseitiger Künstler. Denn seit Jahren spielt er in diversen anderen Konstellationen und Kollektiven, zum Beispiel in der „Schwarz-Roten Heilsarmee mit Rio-Reiser-Abenden oder „Ton, Steine und Scherben“-Revuen, sowie gemeinsam mit seinem Gitarristen-Kumpel Marco Schmedtje. Viele der abendfüllenden Programme hat er in besonderen Inszenierungen in Hamburg auf Kampnagel auf die Bühne gebracht, wie auch am letzten Freitag, als er seine neue Scheibe dort vorgestellt hat.
Unter dem Titel "Klassik meets Pop" erwarten die bunt gemischten Gäste in der MuK ein Konzert mit Klängen von klassischen Komponisten sowie Mixes aus Jazz, Pop, Rock und Soul von der stadtbekannten Coverband Max & Friends. Erwartungsfroh ist man vorsichtig auch auf eine Verschmelzung, ein Crossover, der verschiedenen Stilrichtungen eingestellt. Nichts dergleichen passiert.
Ein großartiges Programm der eher nachdenklichen Art hatte der NDR den Besuchern zur Saisoneröffnung angeboten. Und es hinterließ, der Beifall verriet es, ein stark beeindrucktes Publikum. Das gilt sowohl für den eher ruhigen und spätromantischen Anfang als auch für den hochdramatischen zweiten Teil mit seiner neueren, expressiven Tonsprache. Bei beiden war Tod und Vergänglichkeit das gemeinsame Thema.
Die neue Saison der Lübecker Philharmoniker begann mit zwei sehr gegensätzlich wirkenden Kompositionen. Dabei war nicht einmal die Spanne der Entstehungszeit der Grund für diese Aussage, obwohl sie berechtigt wäre. Immerhin betrug sie eineinhalb Jahrhunderte, eine Zeit, die durch große stilistische Änderungen gekennzeichnet war.
Der Eröffnungsabend des diesjährigen Travejazz-Festivals im Schuppen 6 begann mit dem „Kleinsten Orchester der Welt“, wie sich das Duo Sendecki & Spiegel selbst humorvoll nennen. Dabei sind die beiden exzellenten Jazzmusiker seit Jahren weltweit erfolgreich und absolute Schwergewichte der europäischen Jazzszene.
Zum absoluten Finale des diesjährigen Festivals gibt Fazil Say jeweils einen anspruchsvollen Konzertabend in Hamburg und Flensburg. In der Elbphilharmonie mutet er sich zwei energiegeladene Stücke als Klaviersolist zu, das Klavierkonzert G-Dur von Maurice Ravel und die Rhapsody in Blue von George Gershwin.