Die Neujahrskonzerte der Lübecker Philharmoniker haben eine jahrzehntelange Tradition, sind wohl zugleich die bestbesuchten Veranstaltungen, die das Orchester bietet, sind auch deshalb in mancherlei Hinsicht unverzichtbar.
Es sind schon großartige Erlebnisse, an denen die Lübecker in ihrer Konzerthalle teilhaben können, die sie liebevoll zu „MuK“ verstümmelten. Im Abstand von nur etwas mehr als einer Woche lösten zwei sinfonische Raritäten große Begeisterung aus. Beides waren monumentale, nahezu 100 Musiker erfordernde Schöpfungen, die zudem in ihrer ungewöhnlichen Klangvielfalt mitreißend präsentiert wurden.
Das zweite Saisonkonzert des NDR in Lübecks MuK stach in vielerlei Hinsicht aus bekannter Konzertroutine heraus. Zum einen waren zwei Werke angekündigt, die wohl kaum einer der Besucher wirklich kannte, da beide in Programmen kaum einmal verzeichnet sind. Der Grund ist einfach: Es sind Kompositionen, die ein großes Maß an instrumentalem Können fordern, nicht nur vom Solisten, auch vom Orchester, das zudem ungewöhnlich üppig besetzt sein muss.
Wenn der Chefinitiator und Leiter des "Sinfonischen Blasorchesters Ratekau" Christoph Liedtke ruft, kommen die besten Gospelchöre aus der Lübecker Umgebung wie "Meerklang" aus Niendorf/Ostsee und "Spirit of Joy" aus Bad Schwartau und bilden mit dem eigens von Kantor Nathanael Kläs aufgestellten Projektchor einen gigantischen Klangkörper von zusammen 220 begeisterten Sängerinnen und Sängern.
Selten haben Wünsche zu einem Geburtstag so ein klangvolles Gepräge wie die, die Stefan Vladar sich zu seinem 60. erfüllte. Gleich beide (!) Klavierkonzerte von Johannes Brahms wollte er an einem Abend zu Gehör bringen – als Pianist. Das ist nicht nur eine Aufgabe von großer Bedeutung für sich selbst, es ist gleichzeitig ein Geschenk für das Publikum einer Musikstadt, von der man wohl sagen darf, sie ist „die“ Musikstadt des Nordens.
Draußen herrschte typisch norddeutsches Schmuddelwetter mit Nieselregen und 5 Grad Temperatur in Travemünde. Aber im festlichen Konzertsaal unter dem Kronenleuchter im Atlantic Grand Hotel war ein wahrlich international besetztes Welt-Orchester versammelt, um das Publikum auf afrikanische Temperaturen zu bringen.
Zum 15. Mal und leider vermutlich auch zum letzten Mal fand am Wochenende das wunderbare Überjazz-Musikfestival rund um Jazz und Artverwandtem zwischen HipHop, Soul, R&B, Ambient und allerlei avantgardistischen Experimenten statt.
Warum sollte man nicht einmal in die ehrwürdige Reihe der Sinfoniekonzerte ein Programm einfügen, das einen ungewohnten Zuschnitt hat? Mit Filmmusik hatten es jetzt die Lübecker Philharmoniker versucht und einen großen Erfolg gehabt. Sie ist „eigentlich“ in vielen Momenten oder Szenen dem ähnlich, was Orchester- oder Bühnenmusik anstreben. Alle wollen für Handlungen sensibilisieren oder sie dramatisieren. Ähnlich sind sie sich und doch wieder ganz anders.
Seit gut 30 Jahren ist der charismatische Sänger und Musiker Jan Plewka die Stimme der Independent-Rockband Selig, ein absoluter Symphatie-Träger und vielseitiger Künstler. Denn seit Jahren spielt er in diversen anderen Konstellationen und Kollektiven, zum Beispiel in der „Schwarz-Roten Heilsarmee mit Rio-Reiser-Abenden oder „Ton, Steine und Scherben“-Revuen, sowie gemeinsam mit seinem Gitarristen-Kumpel Marco Schmedtje. Viele der abendfüllenden Programme hat er in besonderen Inszenierungen in Hamburg auf Kampnagel auf die Bühne gebracht, wie auch am letzten Freitag, als er seine neue Scheibe dort vorgestellt hat.
Unter dem Titel "Klassik meets Pop" erwarten die bunt gemischten Gäste in der MuK ein Konzert mit Klängen von klassischen Komponisten sowie Mixes aus Jazz, Pop, Rock und Soul von der stadtbekannten Coverband Max & Friends. Erwartungsfroh ist man vorsichtig auch auf eine Verschmelzung, ein Crossover, der verschiedenen Stilrichtungen eingestellt. Nichts dergleichen passiert.