Was passiert, wenn die Stühle aus der rustikalen Kulturwerft Gollan mit ihrem wunderbaren Industrial-Chic ausgeräumt werden und eine Party- und Tanz-freudige Menge die Halle stürmt, konnte man am Freitag zum Auftakt des Werft-Sommers erleben. Angepasst zum Themenschwerpunkt Istanbul des Schleswig-Holstein Musik Festivals eroberte das Kolektif Istanbul die Bühne, die Herzen und die Beine des erwartungsvollen Publikums.
Das wichtigste Konzert des diesjährigen Classical Beat Festivals in Travemünde stand ganz im Zeichen von „Mama Africa“, Miriam Makeba, der großartigen Jazz-Sängerin aus Südafrika, die gleichzeitig als Aktivistin gegen die Apartheid in ihrem Land bekannt wurde.
Wenn Sie von der Mühlenstraße kommend durch das Fegefeuer (für Nicht-Lübecker*innen: So heißt diese Gasse wirklich) gehen, erreichen Sie direkt das Paradies, einen Anbau des Doms zu Lübeck. Durch dieses betraten die ungefähr 900 Besucher*innen die im Jahr 1173 gegründete Backsteinkirche, in Vorfreude auf ein ganz besonderes Vokal-Konzert, vielleicht mit einer Fortführung paradiesischer Zustände.
Alljährlich, mittlerweile zum 24. Mal, wird ein herausragender junger Künstler mit der Verleihung des SHMF-Preises geehrt. Die Sparkassen-Finanzgruppe stiftet den mit 10.000 € dotierten Leonard Bernstein Award. Die Wahl auf die Preisträger hat in fast allen Fällen zu Erfolgen auf den großen Bühnen der Welt geführt.
Der Violinist Daniel Hope ist ganz eng verwachsen mit dem SHMF. Alljährlich gibt er einige Konzerte, vor zwei Jahren zu seinem 50. Geburtstag waren es insgesamt sogar genau 50 an der Zahl. In diesem Jahr feiert das Festival selbst seinen 40. Geburtstag und Daniel Hope gratuliert mit einer tänzerisch bewegenden Reise durch vier Jahrhunderte.
Das Eröffnungskonzert des diesjährigen Classical Beat Festivals war in mehrfacher Hinsicht ein mutiges Unterfangen: Allein die Planung des Konzerts unter freiem Himmel im wunderbaren Garten des Atlantic Hotels mit Blick auf die blaue Ostsee war angesichts des wechselhaften Wetters gewagt.
Das war es nun. Neun Konzerte hatten die Lübecker Philharmoniker in der MuK gegeben, alle mit bemerkenswerten inneren Bezügen. Auch dieses, der Abschluss der Saison 24/25, machte keine Ausnahme. Oder war es gar ein Höhepunkt in der Reihe, einer, der dem Zuhörer die Kraft der Musik mit allen Sinnen erfahren ließ?
Die JazzBaltica ist vorbei: „So viele tolle Momente, internationale Sounds und Lebensfreude – JazzBaltica war wieder ein Fest!“ schwärmte Nils Landgren, der künstlerische Leiter, zum Abschluss und nahm sich zuvor die Zeit, beim offiziell vorletzten Konzert etwas länger im Hintergrund stehend zu lauschen.
Das Quartett von und mit der Pianistin Shuteen Erdenebaatar macht an diesem Nachmittag mit Nils Kugelmann am Bass, dem sensationellen Jungstar Jakob Manz und mit Amir Bresler am Schlagzeug den Anfang.