Freund*innen des klassischen Balletts und des zeitgenössischen Tanzes haben es in Lübeck nicht leicht, ihrem speziellen Kunstgenuss zu frönen. Denn schon vor vielen, vielen Jahren musste das Lübecker Theater seine Ballett-Sparte aus finanziellen Gründen schließen. Seitdem ist der Tanzfreund oder die Ballettfreundin darauf angewiesen, das jährliche Gastspiel des Ballett Kiel heranzusehnen, die in Kooperation mit den Lübeckern jeweils für einige Auftritte in die Hansestadt kommen.
Das Ensemble von „TanzOrtNord“ nimmt den Begriff „artificial“ wörtlich und interpretiert Kunstwerke. Das neue zeitgenössische Tanz-Projekt ist zugleich die Einweihung des „Tanzforums“ in St. Jürgen mit Proben- und Kursraum, Bühne und Gästezimmern.
Vor eineinhalb Monaten hatte das Theater Lübeck mit einer neuen Sicht auf Richard Wagners „Tristan und Isolde“ einen großen Erfolg. Jetzt wurde aus der mittelalterlichen Geschichte von der stürmischen Liebschaft des irischen Helden Tristan und der Cornwall-Prinzessin Isolde (auch Iseut oder Isôt) ein spannendes Bühnen-Experiment, indem dem expansiven romantischen Musikdrama ein weltliches Oratorium des 20. Jahrhunderts entgegengestellt wurde. Es ist des in Genf geborenen Frank Martins (1890-1974) wenig bekanntes „Le vin herbé“, auf deutschsprachigen Bühnen „Der Zaubertrank“ genannt.
Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin beschäftigte sich wie im vergangenen Herbst die Opernhäuser in Karlsruhe und Meiningen mit einer vergessenen Oper, die nach fast 120 Jahren plötzlich wieder hoch im Kurs steht. Es ist „Strandrecht“ (englischer Titel „The Wreckers“), das dritte und bedeutendste von Ethel Smyths (1858-1944) sechs Bühnenwerken.
Wird Richard Wagners „Tristan und Isolde“ irgendwo inszeniert, wird diese „Handlung in drei Akten“ mit großem Interesse verfolgt. Auch Lübecks Opernhaus war zur Premiere am 2. Februar 2025 wieder voll besetzt. Der grandiose Schlussapplaus bestätigte dann, dass dieses Bühnenwerk Wagners das meist bewunderte ist, vor allem, wenn es so sehenswert wie hörenswert dargeboten wird.
Schwerin lockt wieder einmal mit dem Besonderen. Zu finden ist es in der M*Halle, in der einst die Schweriner Volkszeitung gedruckt wurde. Das ist zudem ein beziehungsreicher Ort, dessen Aura wunderbar zu der jüngsten Inszenierung von Toshio Hosokawas zweiter Oper „Hanjo“ passt, bei der eine Zeitungsannonce Schicksal spielt.
Im Theater läuft Georg Friedrich Händels „Semele“. Sie ist als „Oper“ angekündigt, aber als eine „nach Art eines Oratoriums“. Ja, was nun? Sucht man Hilfe in Monografien, wird sie schon mal eine „Halb-Oper“ (RM) genannt, was aktueller Jargon zu „einzigartiger Hybrid“ wandelt, so zu finden im Programmheft.
Es wäre merkwürdig, wenn Johann Strauß‘ „Die Fledermaus“ in Kiel beim Publikum nicht ankäme. Gleich wie sie inszeniert ist, retrospektiv als Operette, das Verwirrspiel betonend als Musikkomödie oder bunt und aufgepeppt in der Art eines Musicals, das Premierenpublikum geht dort in aller Regel beflissen mit dem um, was ihm geboten wird. Besonders in den hinteren Reihen des Parterres wird lautstark und mitreißend applaudiert.
„Bitte vergesst uns nicht! Keine Vergebung – niemals!“ Das sind im KZ Ausschwitz die letzten Worte Katjas, Lehrerin war sie in Smolensk. Gerade ertönte ihre Lagernummer aus dem Lautsprecher. Alle wissen: es ist der Befehl zum Marsch zur Vergasung. Die letzten Worte ruft sie denen zu, die noch warten müssen, oder soll man sagen, noch „dürfen“?
Franz Lehárs weltbekannte Operette „Die Lustige Witwe“ gehört nun einmal in das Repertoire der häufig inszenierten Werke eines Stadttheaters, zu denen auch das Haus an der Beckergrube gehört. In diesem Jahrtausend ist es nach einer Aufführung im Jahre 2002 und einer zweiten 2011 nun das dritte Mal, dass die „Lustige Witwe“ einstudiert wurde. Mit ihrer Premiere am 7. September 2024 wurde gleichzeitig im Musiktheater die Saison 24/25 eröffnet.