Das Konzert wirft große Schatten voraus, Honoratioren aller Couleur aus Wirtschaft, Politik und Stadt drängen sich in den ersten Reihen des Parketts in der MuK. Darunter insbesondere Vertreter der Sparkassen-Finanzgruppe Schleswig-Holstein mit ihrem Präsidenten, Oliver Stolz, der sich für den Preis und das Konzert verantwortlich zeigt.
Schließlich geschieht dies zum 25. Mal bei dem vor 41 Jahren gegründeten Festival und ausgerechnet die diesjährige Preisträgerin - erst zum achten Mal eine Frau - die Französin Lucienne Renaudin Vary, hat das große Glück, dass die Sparkassen-Finanzgruppe das Preisgeld zum Jubiläum einmalig auf 20.000 € verdoppelt.
Lucienne Renaudin Vary
Natürlich darf der Ministerpräsident Daniel Günther nicht fehlen. Er hält in seiner gewohnt launigen Art die Eröffnungsansprache vor den rund 1.800 Gästen. Er hebt die außergewöhnliche Offenheit der Preisträgerin für die unterschiedlichen Musik-Genres zwischen Klassik und Jazz hervor. Sie vermag diese Stile - nicht zuletzt im Sinne Leonard Bernsteins - improvisierend zusammenzuführen und empfiehlt sich damit geradezu für diesen Preis.
Das eigentliche Konzert beginnt mit dem Trompetenkonzert Es-Dur von Joseph Hayden. Begleitet wird die Preisträgerin von dem jungen norddeutschen Kammerorchester "ensemble reflektor" unter der Leitung des in Simbabwe geborenen Dirigenten Vimbayi Kaziboni. Bei Betreten der Bühne dieser kleinen und zarten Künstlerin neben dem überraschend riesigen Dirigenten mochte manch einer glauben, er könnte sie wie eine Feder zum Pult tragen. Musikalisch sind beide gleichberechtigt stark.
Solistin Lucienne Renaudin Vary und Dirigent Vimbayi Kaziboni
Mühelos setzt sie ihre Trompete ein und ebenso gefühlvoll wird sie von dem Dirigenten mit seinem Orchester unterstützt. Eine leichte Nervosität kann die Künstlerin mit ihren gerade 27 Jahren vor der zu ihrer Ehre aufgefahrenen großen Kulisse nicht verbergen. Erst in dem darauffolgenden Stück, einer eigens für Trompete und Orchester arrangierten Fassung von George Gershwins Ein Amerikaner in Paris blüht sie vollends auf und zeigt ihr ganzes Können bei tänzelnden Bewegungen, für sie typisch natürlich barfuß.
Im Anschluss folgt die Preisvergabe im Beisein mehrerer Jurymitglieder, darunter zwei Töchtern des Namensgebers für diesen Award: Jamie und Nina Bernstein-Simmons. Der Intendant des SHMF, Dr. Christian Kuhnt, selbst auch Jurymitglied, nennt die Künstlerin schwärmend gar "Göttin aus Frankreich". Das scheint angesichts des relativ unscheinbaren Auftretens im blassgrünen Kleid mit ungeordneter Frisur ein wenig übertrieben. Um so mehr zählt die außergewöhnliche Mehrfachbegabung für Klassik, Jazz und auch Tango. Die Künstlerin bedankt sich mit einer von ihr arrangierten kleinen Zugabe Somewhere over the Rainbow.
Lucienne Renaudin Vary und Dirigent Vimbayi Kaziboni
Nach der Pause bildet Ludwig van Beethovens 7. Sinfonie in A-Dur den Abschluss des Programms. Die wohlbekannten Melodien, insbesondere im Presto, 3. Satz, lassen das Publikum dahinschmelzen. Der feinfühlig dirigierende Kaziboni führt seine Musiker durch alle energiegeladenen Klippen. Sie lächeln und wippen oder nicken im melodischen Takt, ihre Freude ist unverkennbar. Dieses vielseitige, junge Orchester ist eine großartige Entdeckung und wird hoffentlich noch oft zu hören sein. Das Publikum applaudiert hingerissen unter lauten Jubelrufen.
Fotos: (c) Felix König









