In der Musik- und Kongresshalle Lübeck feiert eines der weltbesten Orchester, das Mahler Chamber Orchestra, mit dem Pianisten Daniil Trifonov am Flügel einen höchst bemerkenswerten Konzertabend.
Auf dem Programm stehen das Brahms Klavierkonzert Nr. 1 in d-Moll sowie Dvoraks Sinfonie Nr. 8 in g-Dur. Für beide Stücke ist das Mahler Chamber Orchestra unter Leitung des britischen Ehrendirigenten Daniel Harting optimal prädestiniert, denn zum einen hat der Dirigent Harting dieses Orchester maßgeblich mitgeprägt und zum anderen hat der Weltstar Trifonov bereits zahlreiche Auftritte und Aufnahmen mit diesem Orchester gefeiert.
Das Mahler Chamber Orchestra unter Leitung von Daniel Harting in der Lübecker MuK, Foto: Hildegard Przybyla
Abgewendet vom Dirigenten und Orchester lässt Trifonov die Einleitung des Klavierkonzertes im ersten Satz über sich ergehen, mit verschlossenen Augen völlig konzentriert und ich sich gekehrt. Ohne Sicht- und Blickkontakt beginnt Trifonov punktgenau zu spielen, so unsichtbar wie sensibel ist er mit dem Dirigenten und Orchester verwachsen. Er fühlt sich konzentriert in die Komposition ein, bis auch er kraftvoll ins Maestoso eingreift. Mal beugt er sich tief in die Tasten und dann wieder stemmt er sich in voller Größe mit höchstem Nachdruck in die Klaviatur. Das Orchester versteht die teils eigenwilligen Interpretationen und weiß ihn gekonnt zu meistern, ein bestens eingespieltes Team.
Im weichen Adagio spielt er die weichen Töne unfehlbar, in meist aufrechter Haltung den Gefühlen Brahms nachspürend, der diesen Satz seiner Förderin und Freundin Clara Schumann gewidmet haben soll. In den kurzen Spielpausen sinkt er dem Publikum zugewandt nach vorn gebeugt immer wieder in sich zusammen, wartend auf den Moment, in dem er wieder einsetzen darf.
Dirigent Daniel Harting in der Lübecker MuK, Foto: Hildegard Przybyla
Das Rondo im Schlusssatz feiern Trifonov und das Orchester gekonnt akzentuiert, untrennbar vereint sowohl in den ruhigen Tempi wie auch in den Kadenzen. Das Publikum ist hingerissen und applaudiert spontan stehend. Es wird mit zwei außergewöhnlichen Zugaben belohnt, einer südamerikanisch-karibischen Eigenkomposition sowie einem Samba in seinem Stil. Gerade in diesen beiden Stücken wächst er über sich hinaus, spielt losgelöst und entspannt nach dem vorherigen Konzertprogramm seine eigene Kür. Grandios!
Die Sinfonie von Dvorak ist vor allem ihrer volkstümlichen Melodien wegen sehr beliebt. Sie stammen aus seiner böhmischen Heimat und werden von dem Komponisten frei in seine Themen mit eingearbeitet. Es entstehen tschechische Landschaften, alte Burgen und Tanzfeste mit böhmischem Bauerntanz und verträumten Walzerklängen. Der Dirigent führt seine Musiker klar durch die wechselnden Bilder, ohne allzu volkstümlich zu werden. Dem Orchester ist eine unbändige Spielfreude anzumerken, dabei vor allem immer aufmerksam im gegenseitigen Zuhören. Nicht zu Unrecht hat die französische Zeitung ´Le Monde´ schon einmal behauptet, dies sei ´das beste Orchester der Welt´. Das lässt sich an diesem Abend bestätigen.

