Ksenija Sidorova in der Elbphilharmonie

Schleswig-Holstein Musik Festival 2026
Uraufführung in der Elbphilharmonie vor ausverkauftem Haus

Das große SHMF feiert seine Eröffnung nicht nur mit den traditionellen Doppelkonzerten in der Lübecker Muk, sondern gibt gleichzeitig am selben Wochenende eine sensationelle Uraufführung in der Elbphilharmonie Hamburg mit Ksenija Sidorova und ihrem Akkordeon.

Sie ist die diesjährige SHMF-Porträtkünstlerin und wird mit neun unterschiedlichen Programmen über das Land verteilt in achtzehn Konzerten auftreten. Aus Lettland mit russischen Wurzeln stammend lebt sie aktuell mit ihrer Familie auf Sizilien. Ksenija Sidorova interpretiert Werke aus über drei Jahrhunderten, setzt sich dabei vor allem aber leidenschaftlich für Neue Musik und damit die Erweiterung des Akkordeon-Repertoires ein.

Dr. Christian Kuhnt, Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF)Dr. Christian Kuhnt, Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF)

So präsentiert sie an diesem Abend erstmals das eigens für sie von Fazil Say komponierte Werk "Konzert für Akkordeon und Orchster" vor öffentlichem Publikum. Fazil Say, dem Festival als letztjähriger Poträtkünstler bekannt, ist ein visionärer Klangartist mit Nähe zum Jazz. Er hat, allein zugeschnitten auf diese Künstlerin, etwas einzigartig Neues geschaffen.

Begleitet wird sie von der Robert-Schumann-Philharmonie aus Chemnitz, einem renommierten traditionsreichen Orchester, das hier im Norden noch nicht so bekannt ist. Völlig zu Unrecht, wie es mit seiner außergewöhnlich hohen Qualität unter seinem Dirigenten Benjamin Reiners beweist.

Ksenija Sidorova, Dirigent Benjamin Reiners und die Robert-Schumann-PhilharmonikerKsenija Sidorova, Dirigent Benjamin Reiners und die Robert-Schumann-Philharmoniker

Ksenija Sidorova beginnt in zart aus dem Akkordeon gehauchten Tönen zu einem mehrminütigen Solo. Erst als sie dem Dirigenten den Einsatz gibt, fällt das Orchester mit ein und scheint sie zunächst übertönen zu wollen. Aber energisch mit vollem Ausdruck weiß das Akkordeon, sich zu einem gleichberechtigten Zusammenspiel durchzusetzen. Im zweiten Satz wird das Stück etwas melodiöser, die Künstlerin kann ihrem Instrument alle Klangfarben entlocken. Nach dem imposanten Schlussakkord dieses Sets applaudiert das begeisterte Publikum spontan. In einem modernen Konzert wie diesem wird mit dem - völlig berechtigten - Beifall nicht bis zum Schluss gewartet.

Im dritten Satz lässt der Komponist orientalische wie auch andere traditionelle Musik abstrahiert zu kleinen Liedern zusammenfließen. Sidorova vermag ihrem Instrument alle Klangfacetten zu entlocken, sei es auf den Tasten oder zwischendurch auch klopfend auf dem Holzrahmen wie auf einem Schlagzeug. Immer ist sie versunken in die Musik, mit dem Akkordeon ganz bei sich.



Leidenschaftlich bis zum Schluss gibt die Künstlerin dem Konzert eine intensive Strahlkraft, immer perfekt unterstützt von dem Chemnitzer Orchester, dass sich spätestens hier einen Namen gemacht hat.

Als Zugabe spielt Ksenija Sidorova ein Stück von Sergey Voitenkos "Revelation" - sehnsuchtsvoll passend zum Charakter des Akkordeons. Unter frenetischem Applaus wird sie verabschiedet.

Umrahmt wird das Programm von einer eher unbekannten Konzertouvertüre des schwedischen Komponisten Wilhelm Stenhammar sowie der Sinfonie Nr. 8 von Franz Schubert, genannt "Die Große". Hier zeigt die Robert-Schumann-Philharmonie unter Leitung Ihres Generalmusikdirektors Benjamin Reiners noch einmal ihre herausragenden Qualitäten. Eine klangvolle Sinfonie, deren Melodien so mancher mitsummen möchte.


Fotos: Hildegard Przybyla


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