Cellistin Alisa Weilerstein und Dirigent Alan Gilbert mit den Elbphilharmonikern in der Lübecker MuK, Foto: Hildegard Przybyla

3. NDR-Sinfoniekonzert der Elbphilharmoniker
Mit Benjamin Britten und Johannes Brahms aus der Düsternis zum Licht

Der aktuelle Chefdirigent Alan Gilbert dirigiert in Lübeck zwei gegensätzliche Werke: zunächst von Britten die Sinfonie für Violoncello und nach der Pause die Sinfonie Nr. 2 von Brahms. Das Publikum in der nahezu voll besetzten MuK nimmt beides mit großem Interesse auf. Ganz überraschend und bisher ungewöhnlich sind unter den Zuhörern circa 60 Kinder zwischen geschätzt acht und zehn Jahren, meist begleitet von den Eltern.

Vor dem Konzert verbreiten sie in der Rotunde eine wohltuend frische Geräuschkulisse, vergleichbar mit dem Stimmengewirr auf dem Schulhof oder dem Spielplatz. So viel Jugend tut gut, sie scheinen als Konzertklassen gut vorbereitet zu sein und genießen beide Stücke im Saal mucksmäuschenstill, bis sie ihrer Energie beim Applaudieren wieder freien Lauf lassen können.

Alisa Weilerstein, Foto: Hildegard PrzybylaAlisa Weilerstein, Foto: Hildegard PrzybylaGerade die Sinfonie von Benjamin Britten ist ein eher finsteres, kompliziertes, anstrengendes Werk, nicht nur für die Solistin und das Orchester, sondern auch für das Publikum. Die renommierte Cellistin Alisa Weilerstein meistert die sperrigen meist aggressiven Momente mit Bravour, immer in Abstimmung mit dem Dirigenten. Sie spielt auswendig und wartet die wenigen leisen und sanften Episoden des Orchesters ab. Diese Cellosinfonie Benjamin Brittens rührt auf. Sie lässt den Gemütszustand des Komponisten erahnen, der traumatisiert durch den zweiten Weltkrieg ein weiteres Musizieren nicht für möglich gehalten hat.

Trauermarsch, Schüsse und zerbrechliche Streicherklänge geben die zunächst aussichtslose Sphäre von Trauer und Vorwürfen wider und münden in einem mächtigen Crescendo der Blechbläser. Die hoch konzentrierte Solistin setzt diesem Höhepunkt eine aufgeregte Cello-Kadenz hinzu, um sogleich nahtlos allmählich mit weichen Motiven wieder Hoffnungsschimmer und Zuversicht zu setzen. So endet die als ´Harter Brocken´ verschriene Sinfonie Brittens berührend versöhnlich. Die Cellistin erntet tobenden Applaus und bedankt sich mit einem hierzu passenden phantasiereichen Solo.

Die NDR-Elbphilharmoniker unter Leitung von Alan Gilbert, Foto: Hildegard PrzybylaDie NDR-Elbphilharmoniker unter Leitung von Alan Gilbert, Foto: Hildegard Przybyla

Die allseits und mit Recht so beliebte 2. Sinfonie von Johannes Brahms verwöhnt mit melodischen Weisen. Das in voller Stärke besetzte Orchester kann hier auftrumpfen. Thema und Motiv der einzelnen Sätze wiederholen sich ohrwurmartig, geben sie doch auch unverkennbare Ähnlichkeiten zu Brahms berühmtem Wiegenlied ´Guten Abend, gute Nacht´ oder seinem Klavierlied ´Es liebt sich so lieblich im Lenze´ wider. Das Orchester beendet die unbeschwert fröhliche Sinfonie mit schmetterndem Hörnerklang.


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