Martin Grubignger, Foto: (c) Simon Pauly

SHMF im "Sommer der Möglichkeiten"
Martin Grubingers "Drums on Wheels"

Hildegard PrzybylaVon

Im Sommer der Möglichkeiten des eigentlich abgesagten SHMF tourte das österreichische Urgestein aller Schlagzeuger, Martin Grubinger, mit zwei hochgerüsteten Trucks durch ganz Schleswig Holstein. Trotz coronabedingt widriger Umstände blieb er dem Festival und seiner ständig wachsenden Fangemeinde treu.

Die aktuelle Situation hat ihn sogar auf die grandiose Idee gebracht, so viele seiner Schlaginstrumente wie möglich fest verschraubt auf zwei großen Trucks, genannt Percussive Planet Racing Team, zu installieren. So ist er jederzeit und an jedem beliebigen Ort ohne zeitraubende Aufbauarbeiten und Raumprobleme spielbereit. Während der Konzerte stehen die Trucks so nah hintereinander, dass sie eine Gesamtbühne ergeben.

Innerhalb einer Woche trat Martin Grubinger zu mehr als fünfzehn Truck-Konzerten an täglich wechselnden Spielorten von Flensburg bis Norderstedt auf. Auch in Lübeck machte er halt und gab im Außenhof der Kulturwerft Gollan zwei ausverkaufte Konzerte. Jeweils 500 Zuhörer nahmen auf den Doppelsitzen Platz, mal in der prallen Sonne, mal in der lauschigen Abendstimmung. Begleitet wurde Martin Grubinger von zwei weiteren Schlagzeugern, Slavik Stakhov und Richard Putz.

Martin Grubinger auf der Kulturwerft Gollan, Foto: Hildegard PrzybylaMartin Grubinger auf der Kulturwerft Gollan, Foto: Hildegard Przybyla

Der aktuellen Situation entsprechend, durfte jedes Konzert nur eine Stunde dauern. Also fasste Martin Grubinger sich kurz und locker in der Begrüßung, stellte sein Programm knapp vor und legte los. Beginnend mit einem rasanten Percussion-Einmarsch folgten nahezu übergangslos die angesagten Titel. Effektvoll schnelle Rhythmen wechselten sich mit weicheren Balladen auf Vibraphon und Marimba ab. Wie immer ist Martin Grubinger für neue und überraschende Stücke bekannt. So spielte er mit seinen zwei Kollegen ein gewaltiges Werk von Johannes Maria Staud mit dem Titel Epicentre Part 3 Txalaparta, indem alle drei ein riesiges Marimbaphon gleichzeitig mit übergroßen, neonleuchtenden Sticks bearbeiteten. Das war nicht nur klanglich sehr eindrucksvoll, es setzte auch die Größenverhältnisse der Truck-Bühne zu den Instrumenten und Musikern besonders in Szene.

Kulturwerft Gollan, Foto: (c) Hildegard PrzybylaKulturwerft Gollan, Foto: (c) Hildegard PrzybylaSehr gefühlvoll spielte Martin Grubinger das Solostück 13 Drums von Maki Ishii - auch einer Schostakowitsch-Bearbeitung von Jesse Sieff gab er eine eigene Note mit abwechselnd klarem wie virtuosem Trommeln gegenüber den Streicherklängen vom Band. Als Ausnahme-Highlight zwischendurch gab Grubinger sich als Pantomimen-Schlagzeuger im Stück Bad Touch von dem US-Amerikaner Casey Cangelosi. Unglaublich, wie effektvoll virtuos er seine neonfarbenen Schlegel in stummer Höchstgeschwindigkeit völlig synchron zu den sphärischen Klangen vom Synthesizer wirbeln lassen konnte. Das war meisterhaft.

Ohne Pause und ohne Zwischenmoderation spielten die Musiker zügig innerhalb der vorgegebenen Zeit durch. Die Zeit verging wie im Flug. Der Abschied fiel den Besuchern nach so langer vorheriger Abstinenz recht schwer. Zum Trost gab es zwei virtuose Zugaben und die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen.

Hildegard Przybyla
Hildegard Przybyla
Rechtsanwältin, lebt in Ostholstein. Schreibt seit 2010 für "unser Lübeck". Schwerpunkte: Gesellschaftliches Leben in und um Lübeck, Konzerte und Theater.
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