Dirigent Otto Tausk und Fazil Say, Foto: (c) Hildegard Przybyla

SHMF 2025
Fazil Say erobert Lübeck mit seiner Musik aus Vorderasien im Sturm

Der Komponist und Pianist Fazil Say ist nicht nur ein bedeutender klassischer Musiker der Türkei, sondern mit seinen Kompositionen auch ein Grenzgänger zwischen Europa und dem Nahen Osten. Er ist der diesjährige Porträtkünstler des SHMF und gleichzeitig ist seine Heimatstadt Istanbul zum Schwerpunkt des Festivals erkoren worden.

Das vergangene Konzert wird seinem Namen "Musikalische Höhenflüge" mehr als gerecht. Eingebettet in zwei Werke türkischen Ursprungs gibt die NDR Radiophilharmonie Hannover Robert Schumanns "Klavierkonzert a-moll" mit Fazil Say als Solisten. Er spielt dieses sogenannte Herzstück der europäischen Romantik zwischen Leiden und Hoffnungen mit beseeltem Ausdruck von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Seine Gefühle zeigt er dabei in Mimik und Gestik mit lebhaften Körperbewegungen.

Dirigent Otto Tausk und Fazil Say, Foto: (c) Hildegard PrzybylaDirigent Otto Tausk und Fazil Say, Foto: (c) Hildegard Przybyla

Als Zugabe gibt Fazil Say in vollem Gegensatz zur vorherigen Romantik eine persönliche Improvisation mit eher düsteren Klängen. Um dunkel drohende Töne noch zu verstärken, dämpft er die mit den Tasten angespielten Saiten des Flügels, indem er mit der linken Hand in den Flügel greift. So entstehen einfache Melodien wie auch abstrakt ausdrucksvolle Jazzklänge.

Zum absoluten Höhenflug hebt das Orchester nach der Pause mit der "Mesopotamia" genannten Sinfonie Nr. 2 des Komponisten Fazil Say an. Die Radiophilharmonie mit ihrem Dirigenten Otto Tausk ist erprobt in orientalischen Klängen. Das Orchester ist groß besetzt, bestückt mit zusätzlichen Perkussionsinstrumenten aller Art. Der Komponist selbst bleibt an seinem Klavier im Hintergrund. Zudem befindet sich am linken Rand der Bühne engelgleich in weiß gekleidet Carolina Eyck mit ihrem elektronischen Instrument namens Theremin. Als weitere Experten für dieses Konzert kommen Cagatay Akyol mit der Bass-Blockflöte und Bülent Eycil mit der Bass-Querflöte hinzu. Diese beiden türkischen Musiker führen in die ethnischen Klangwelten Vorderasiens ein.

Der diesjährige Porträtkünstler des SHMF - Fazil Say, Foto: (c) Hildegard PrzybylaDer diesjährige Porträtkünstler des SHMF - Fazil Say, Foto: (c) Hildegard Przybyla

Das zehnsätzige Stück beschreibt Geschichten aus dem Zweistromland Mesopotamien. Je nach Thema auf dem Land oder an den beiden Flüssen Tigris und Euphrat klingt es plätschernd melodisch. Sodann wallen kriegerische Töne mit Bläsern und Trommeln auf. Akustisch werden Kugelgewitter zum Thema des Satzes "Vom Krieg" aufgefahren. Die bedrohlichen Elemente werden von Marsch-Rhythmen unterstrichen. Insgesamt will Fazil Say in seiner eigenen Musiksprache das jahrtausend alte Drama von Gewalt und Krieg in Verbindung mit Kultur und Geschichte darstellen.

Sein Wunsch nach Frieden soll in der abschließenden Ballade mit harmonischen Streichertönen und elektronischem Theremin-Surren erfüllt werden. Es ist der harmonische Abschluss eines überwältigenden Werks voller drastischer Töne. Das Publikum ist ergriffen und voller Respekt vor dieser musikalischen Höchstleistung. Der Applaus hält lange an.


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