Foto: (c) Daniel Breidt

JazzBaltica on tour
4 Wheel Drive

Hildegard PrzybylaVon

Jetzt in der Weihnachtszeit wartete JazzBaltica mit einem außergewöhnlichen Konzert im Deutschen Haus von Flensburg auf. Mit dem schwedischen Posaunisten und Sänger Nils Landgren, dem Jazzpianisten Michael Wollny, dem Bassisten Lars Danielsson sowie dem Schlagzeuger Wolfgang Haffner formierten sich vier Einzelkünstler zu einer neuen Supergroup namens 4 Wheel Drive.

Sie gaben im Frühjahr 2019 ihre erste CD unter diesem Namen heraus und touren seitdem fleißig durch die Bundesrepublik. Der mit Vierrad-Antrieb zu übersetzende Name ist dabei Programm. Alle vier Musiker agieren gleichberechtigt miteinander, sie inspirieren sich gegenseitig und reißen einander mit. Mal ist der eine Taktgeber und mal der andere. Abwechselnd kann jeder einzelne eigene Kompositionen vorstellen, die sodann hochmotiviert vom gesamten Quartett aufgegriffen werden.

Poligon, oder Sechzehn wie Michael Wollny seine Eigenkomposition in Reminiszenz an den quälenden Weisheitszahn dieser Nummer früher nannte, fordert zunächst vom Bassisten Danielsson eine konzentrierte Solo-Höchstleistung, bevor die übrigen furios in das Geschehen eingreifen. Der eigenwillige Titel von Nils Landgren lautet "Le chat sur le toit", lautmalerisch intoniert von seiner katzenjammernden Posaune mit Bandbegleitung. Der Drummer Wolfgang Haffner hat zwei bunte (Kinder-)Schlagwerkzeuge aus Spanien mitgebracht, die er als Lobito (Wölfchen) auf seinem Körper sowie dem Kopf seines Mitspielers Lars Danielsson erklingen lässt. Dieser wiederum gibt seine eigens für diese Formation geschriebene Komposition "4 Wheel Drive" zum besten und kann sich dabei auf die unbändige Spielfreude seiner Kollegen verlassen.

Grundlegend haben die vier Musiker sich aber auch zusammengetan, um vier ihrer poppigen Lieblingskomponisten zu verjazzen und ihnen damit ein Denkmal zu setzen: Paul McCartney, Billy Joel, Phil Collins und Sting. Sie haben sich die Coverversionen förmlich auf den Leib geschnitten und machen Titel wie "She`s Always a Woman", "Lady Madonna", "Another Day in Paradise" "If You Love Somebody Set Them Free" zu einzigartigen Klangerlebnissen.

Nils Landgren wechselt jeweils von seiner Posaune zum Mikrofon und haucht die Texte mit der ihm eigenen Inbrunst. Michael Wollny als einer der besten Jazzpianisten sorgt sowohl für einfühlsame Momente als auch absolutes Tastenfeuer, das ihn selbst kaum auf dem Stuhl hält. Für den Klassiker Lady Madonna haben die Jazzer eine genial gebremste Version gefunden.

Das Deutsche Haus in Flensburg mit etwa 1.450 Plätzen war ausverkauft. Die einhellig begeisterten Jazzfans jubelten bis zur letzten Zugabe. Es steht zu erwarten, dass von diesem Ausnahme-Quartett noch einiges andere poppig Neue zu hören sein wird.

Hildegard Przybyla
Hildegard Przybyla
Rechtsanwältin, lebt in Ostholstein. Schreibt seit 2010 für "unser Lübeck". Schwerpunkte: Gesellschaftliches Leben in und um Lübeck, Konzerte und Theater.
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