Sol Gabetta, Foto: Franco Ricciardiello/Wikipedia

SHMF-Eröffnungskonzert in der Lübecker MuK mit Sol Gabetta und Christoph Eschenbach
Helle Begeisterung und stürmischer Beifall

Hildegard PrzybylaVon

Mit Beginn des Sommers und der allerorten anstehenden Sommerpause legt das Schleswig-Holstein Musik Festival erst richtig los. Innerhalb der kommenden zwei Monate finden verteilt im ganzen Land 202 Konzerte in Sälen, Kirchen, Scheunen und sonstigen Hallen statt.

Eröffnet wird der große Reigen traditionell in der Lübecker MuK von dem NDR Elbphilharmonie Orchester, in diesem Jahr geleitet von dem allseits hoch geschätzten Maestro Christoph Eschenbach. Der Abend begann mit Robert Schumann, als Komponist Schwerpunkt dieses Festivals. An sage und schreibe 80 Konzerten sind seine Werke in diesem Sommer beteiligt. Er hat unglaubliche Lieder und Konzerte komponiert, tat sich jedoch schwer mit der Verfasssung von Opern. Aus "Genoveva" , der einzigen Oper, die er vollendet hat, wurde die Ouvertüre gegeben. Eschenbach lotste die engagierten Elbphilharmoniker meisterhaft durch die sperrigen Passagen des Stückes.

Christoph Eschenbach, Foto: Olaf MalzahnChristoph Eschenbach, Foto: Olaf Malzahn

Als erstes Hauptwerk folgte das Cellokonzert von Edward Elgar mit der international gefeierten Solistin Sol Gabetta. Die Argentinierin konnte ihre Hauptrolle voll ausspielen, während das sensibel geleitete Orchester wachsam zurücktrat. Das noch während des Ersten Weltkrieges komponierte Stück birgt düstere, bedrohliche Passagen, die von der außergewöhnlich begabten Cellistin anmutig bewältigt werden. Sol Gabetta wird schon seit Jahren vom SHMF-Publikum verehrt und erntete auch hier stürmischen Beifall. An diesem Abend bedankte sie sich mit einer großzügigen Zugabe. Gemeinsam mit dem Orchester unter Begleitung zweier Harfen gab sie das kurze Stück "Sospiri" (übersetzt Seufzer), ebenfalls von Edward Elgar. Diese Zugabe schien der eigentliche Höhepunkt zu sein. Nicht zuletzt erwähnenswert ist auch die äußere Erscheinung der Künstlerin mit ihrem rasant ausgeschnittenen Abendkleid.

Sol Gabetta beim Signieren in der MuK, Juli 2018, Foto: Hildegard PrzybylaSol Gabetta beim Signieren in der MuK, Juli 2018, Foto: Hildegard PrzybylaMit der opulenten "Symphonie fantastique" von Hector Berlioz ging es nach der Pause weiter. Der Komponist vertonte in diesem Werk seine Träume von einem ausschweifenden Leben voller Freud und auch Leid bis hin zum Höllensabbat und Jüngsten Gericht. Christoph Eschenbach schwelgte mit den bestens aufspielenden Philharmonikern durch alle fünf Sätze. Den zweiten Satz, den Ball, begleitete er auf dem Podium tanzend im Walzertakt. Auch die Landszene im dritten Satz klang noch fröhlich melodiös, bis die Totenglocken den Tod und das tragische Ende einläuteten. Das voll ausverkaufte Haus war hell begeistert.

Das nächste SHMF-Konzert findet bereits am 3. Juli mit dem Jazz-Trio Brad Mehldau in der MuK statt, gefolgt von dem Balthasar-Neumann-Chor und -Ensemble mit geistlichen Stücken von Schubert und Schumann am 5. Juli sowie Sabine Meyer als SHMF-Porträtkünstlerin am 9. Juli, ebenfalls in der MuK, jeweils 20 Uhr.

Titelfoto: Sol Gabetta 2014, Foto: Franco Ricciardiello/Wikipedia

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Fotos: (c) Olaf Malzahn

Hildegard Przybyla
Hildegard Przybyla
Rechtsanwältin, lebt in Ostholstein. Schreibt seit 2010 für "unser Lübeck". Schwerpunkte: Gesellschaftliches Leben in und um Lübeck, Konzerte und Theater.
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