Maria Kulikovska und Uleg Vinnichenko (Skulpturen), Artem Volokitin (Malereien), Foto: (c) Jörg Wohlfromm

NordArt 2021
Der Ukrainische Pavillon und „Die Grenzen der Realität”

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Ergänzend zu dem Artikel von Holger Kistenmacher „Auf nach Büdelsdorf zur NordArt“ vom 3. August 2021, sei der Ukrainische Pavillon erwähnt, der sich der zeitgenössischen Kunst des Landes widmet. Mit farbenfrohen Formen, pulsierender Kreativität und Phantasie beeindruckt das Land am östlichen Rande Europas die internationale Kunstszene.

Kuratiert von Evgen Karas und Darina Momot aus Kiew werden 22 Exponate von ukrainischen Künstlern präsentiert. Als Ausstellungstitel wählten die Kuratoren "Die Grenzen der Realität". Der geheimnisvolle und rätselhafte Titel skizziert das ambivalente Verhältnis von aktueller Politik und zeitgenössischer Kunst, einer Kunst ohne staatliche oder gesellschaftliche Reglementierung. Eine schwierige Gratwanderung, denn die Abkehr vom gewohnten Sozialistischen Realismus der post-sowjetischen Ära, hin zu einer neuen, westlich orientierten Kunst, vollzieht sich nur langsam in der Gesellschaft.

Unvergessen für die derzeitige Avantgarde sind die Kunstschaffenden des beginnenden 20. Jahrhunderts wie Kasimir Malewitsch, Ilja Repin und viele andere. In deren Tradition sieht sich Vasyl Bazhay, der als Pionier der modernen ukrainischen Kunst gilt, sowohl in der nonfigurativen Abstraktion als auch in Installation und Performance. Er liebt monumentale Formen, starke Farbaufträge, breite Pinselstriche sowie eine Vielschichtigkeit der Farben.

Vasyl Bazhay, Foto: (c) Jörg WohlfrommVasyl Bazhay, Foto: (c) Jörg Wohlfromm

Artem Volokitins fast hyperrealistische Ölmalerei, ist der traditionellen Technik eines konventionellen Realismus verpflichtet. Im Ukrainischen Pavillon sind seine bekannten und international erfolgreichen Werke „Triumph“ und „After Image“ ausgestellt. Beeindruckend sind die Arbeiten von Andriy Savchuks aus gefärbtem Holz und Plastik. Zu sehen ist sein Objekt „Game Over“. Ein Triptychon aus MDF-Holz, Acryl und Polyurethan, dessen einfache geometrische Formen von intensiver Farbigkeit gekennzeichnet sind.

Mykola Malyshkos Skulpturen dagegen verbinden die Ästhetik verschiedener künstlerischer Stile und Strömungen. Er schafft Objekte, die sich an Meisterwerken von Alexander Archipenko und Ernst Barlach orientieren, fügt aber dieser Gemeinsamkeit eine nationale Note hinzu: Seine Arbeiten sind mehr als Skulpturen, sie sind mobile Konstruktionen, Kunst-Objekte und postmoderne Installationen.

„Beim Erschaffen meiner umfangreichen Kompositionen kombiniere ich den Minimalismus einfacher geometrischer Formen mit Kontrastfarben und steigere so die emotionale Wahrnehmung der Betrachter:innen. Diese Art abstrakter Skulptur aus Holz und Acryl hat mir zu neuen visuellen Mitteln in einem traditionellen Medium verholfen und damit zur Synthese meiner Leidenschaft für Impressionismus, Pointillismus und Op Art“, kommentiert der 29 Jährige Nazar Symotiuk seine Arbeiten, wie die „Farbige Autobahnen, 2018, Diptychon, MDF-Holz, Acryl, Polyurethan“.

Anastasiia Podervianska, Foto: (c) Jörg WohlfrommAnastasiia Podervianska, Foto: (c) Jörg Wohlfromm

Anastasiia Podervianskas handgefertigte Textilpaneele wirken im ersten Moment irritierend. Kinderkleidung, Gebrauchsgegenstände, anatomische Themen sind kombiniert zu rätselhaften Applikationen: zu Todessymbolen, welche die Erinnerungen und Erfahrungen eines Lebens charakterisieren. "Handgestickte, kitschige Servietten, verrückte Leinwände, Kombinationen aus Unvereinbarem begeistern mich. Ich spiele mit all diesen Dingen und lasse mich von ihnen in hohem Maße inspirieren", so die Künstlerin.

Nicht alle 22 Künstler können hier vorgestellt werde. Das würde den Rahmen des Artikels sprengen. Ein Grund, selbst zur NordArt nach Büdelsdorf zu fahren, sich die attraktive ukrainische Kunst anzuschauen und darüber nachzudenken.

Ein weiteres Highlight auf der NordArt ist das Kunstprojekt "A4 ballpoint", der weltweit größten Sammlung von Kugelschreiberzeichnungen auf A4-Büropapier. Triviale Gegenstände, wie Kugelschreiber und Büropapier, avancieren hier zu einem außergewöhnlichen Kunstprojekt. Seit 2006 haben mehr als 1000 Künstler diese Kuriosität von etwa 7000 Zeichnungen zusammengetragen. Jährlich kommen Tausende von Arbeiten hinzu, sodass inzwischen das Kaminsky Studio in Kiew als Projektpartner verantwortlich zeichnet. Nur eine kleine Auswahl dieser Bilder ist im ukrainischen Pavillon präsent.

Die NordArt 2021 ist bis zum 10. Oktober zu besichtigen.
Kunstwerk Carlshütte, Vorwerksallee 3, 24782 Büdelsdorf, Germany.
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags (inkl. Feiertage), 11-19 Uhr, montags geschlossen (inkl. Feiertage)
www.nord-art.de

Ein Rundgang durch die Welt der internationalen Kunst mit mehr als 1000 Werken: Auf nach Büdelsdorf zur NordArt

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