Omar Sosa, Foto: (c) Tom Ehrlich

SHMF 2019
Afro-Cubanische Nacht mit Omar Sosa

Hildegard PrzybylaVon

Wenn im Libeskind Auditorium von Lüneburg ein Freigeist wie Omar Sosa mit der NDR Bigband auftritt, dann ist absolut alles schräg. Das Gebäude sprengt mit seinen unregelmäßigen Winkeln und schiefen Linien außen wie innen alle konventionellen Vorstellungen. Omar Sosa fühlte sich hier mit seinem alle Kontinente und Musikstile überspringenden Afro-Karibik-Jazz ausgesprochen wohl.

Geboren auf Cuba (1965) wuchs er in der Stadt Camagüey zunächst mit klassischer Musik und einer Ausbildung als Perkussionist auf. Das Klavierspiel machte er sich autodidaktisch zu eigen und blieb dabei. Er komponiert eigenwillige Mischungen aus cubanischer Musik mit deren afrikanischen Wurzeln sowie Jazz- und sonstigen Musikelementen aus aller Welt. Bestens bekannt ist er als Solist in kleineren Ensembles. Vor einigen Jahren tat er sich mit der NDR Bigband zusammen und entwickelte mit diesen norddeutschen Musikern das als CD erschienene Projekt "es:sensual". Mit der ersten Ausgabe dieser Gemeinschaftsproduktion traten die Musiker bereits 2006 bei der JazzBaltica in Niendorf auf. Mit der nunmehr fertiggestellten Fortsetzung von "es:sensual" kam Omar Sosa zum diesjährigen SHMF in den von Libeskind entworfenen Hörsaal nach Lüneburg.

Zusammen mit der Bigband betrat er ohne großes Aufhebens die Bühne und setzte sich bescheiden an seine Pianos am linken Bühnenrand. Auffallend war an ihm zunächst das rituell weiße Gewand mit weißer Mütze, stark im Kontrast zu den einheitlich schwarz gekleideten Musikern der Bigband. Er ist Anhänger der in Cuba weit verbreiteten synkretistischen Religion Santeria, die sich dort während der Sklavenzeit aus einer westafrikanischen Religion unter Vermischung mit katholischen Heiligen gebildet hat. Getreu seiner spirituellen Heimat standen neben seinen Pianos während des Konzertes eine Kultfigur sowie eine brennende Kerze, mit der er am Schluss auch die Bühne verließ, eine sphärische Lichtgestalt wie die eines Hexenmeisters oder Gurus.

Omar Sosa, Foto: Hildegard PrzybylaOmar Sosa, Foto: Hildegard PrzybylaDas erste Solo übernahm ein Bandmitglied und auch anschließend wechselten sich brilliante Solisten der Bigband formvollendet ab. Omar Sosa blieb die Rolle, karibisch-cubanische Rhythmen durchblitzen zu lassen, bis auch er seine Soli fand. Beeindruckend vermochte er gleichzeitig am Klavier mit der rechten und am E-Klavier mit der linken Hand zu spielen. Die Ansagen kamen nuschelig aus dem Mikrofon, um so deutlicher sprach die Musik. Salsa, Bolero, Merengue, Soul, Funk und Hip-Hop mischten sich über karibischen Klangteppichen. Hervorzuheben sind folgende Titel aus dem neuen Album "es:sensual": "Cha Cha Du Nord", das Omar Sosa mit voller enthusiastischer Energie spielt, "Reposo", "L 3 Zero", "My Three Notes" sowie "Sad Meeting".

Die typischsten und damit schönsten zwei Stücke gab der Künstler nach der Pause. Er spielte, jazzte und groovte allein mit einem Bassisten und zwei Schlagzeugern, die sich mit ihm feurige Bälle zuwarfen. Hier konnte er ohne die dann wieder dazu kommende Bigband ganz er selbst sein und seinen spirituell-cubanischen Zauber voll ausbreiten. Seine persönliche Devise lautete: "Jazz ist Freiheit!". Zum krönenden Abschluss animierte er das ohnehin begeisterte Publikum zum Mitsingen und Tanzen.

Hildegard Przybyla
Hildegard Przybyla
Rechtsanwältin, lebt in Ostholstein. Schreibt seit 2010 für "unser Lübeck". Schwerpunkte: Gesellschaftliches Leben in und um Lübeck, Konzerte und Theater.
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