Susanna Mälkki, Foto: (c) Simon Fowler

SHMF 2019
Spitzenorchester aus Bayern brilliert mit der finnischen Dirigentin Susanna Mälkki

Hildegard PrzybylaVon

Das SHMF leistet sich und gönnt seinen Anhängern immer wieder auch ganz speziell herausragende Künstler. Ein solch besonderer Leckerbissen war das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks kürzlich in der Lübecker MuK, dirigiert von der weltweit gefragten Susanna Mälkki.

Sie sprang ein für Mariss Jansons, den erkrankten Chefdirigenten dieses Orchesters. Dabei klang ihr Auftreten alles andere als das einer Ersatzfrau, sie schuf in geradezu vollkommener Einheit mit den Musikern zwei Sinfonie-Interpretationen, die - zugleich energisch und dennoch weich - nur mit einem erstklassigen Orchester wie dem des Bayerischen Rundfunks möglich sind.

Gegeben wurden Ludwig van Beethovens 2. Sinfonie und die 5. von Dmitri Schostakowitsch. Die Werke entstanden im Abstand von 140 Jahren und spiegeln den jeweiligen Zeitgeist wider, jedes auf seine Weise dem gesellschaftlichen Umbruch geschuldet. Während Beeethoven sich in Fortentwicklung von Mozart und Haydn für ein breites Publikum einsetzen wollte und damit schon Kritik erntete, ging es bei Schostakowitsch nach revolutionären Gesellschaftsumbrüchen um das nackte Überleben in der Welt des stalinistischen Terrors. Beides vermochte Susanna Mälkki in dieser Gegensätzlichkeit mit dem Orchester darzustellen.

Stringent elegant führte sie das Orchester mit klaren Gesten und Bewegungen von weichen Melodien zu ruppigen Klängen und wieder zurück. Mit Beethovens 2. Sinfonie begann sie gemäßigt zart und entwickelte im häufigen Wechsel von piano auf forte ein schnelles Tempo, das sich im Schlusssatz noch steigerte.

Susanna Mälkki und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Foto: Hildegard PrzybylaSusanna Mälkki und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Foto: Hildegard Przybyla

Mit der 5. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch konnte Susanna Mälkki die Qualitäten des Orchesters voll auskosten. Die extremen Stimmungswechsel von fröhlich ausgelassener Volksmusik zu harten - Systemkritik ausdrückenden - Dissonanzen gelang ihr hervorragend. Imposant fungierte immer wieder starkes Pauken- und Blechspiel dazwischen. Im letzten Satz ließ sie alle Instrumente kraftvoll aufschreien. Den Schlusspunkt setzten knallende Pauken- und Blechschläge.

Das Publikum jubelte begeistert mit zigfachen Bravo-Rufen und stehenden Ovationen. Es bekam eine temperamentvolle Zugabe aus dem Schostakowitsch-Thema, auch dies eine atemberaubende Glanzleistung.

Ein derartiges Orchester sucht seinesgleichen. Eben dieses Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks eröffnete 1986 unter dem Dirigat von Leonard Bernstein in der Ostseehalle das erste Schleswig-Holstein Musik Festival überhaupt. Vor 7.000 Besuchern führte es damals "Die Schöpfung" von Joseph Haydn auf.

Auch wenn vom damaligen Orchester nur noch zwei Musiker dazu gehören, ist es nach wie vor eines der international bedeutendsten. Die Dirigentin Susanna Mälkki ist es sowieso.

Hildegard Przybyla
Hildegard Przybyla
Rechtsanwältin, lebt in Ostholstein. Schreibt seit 2010 für "unser Lübeck". Schwerpunkte: Gesellschaftliches Leben in und um Lübeck, Konzerte und Theater.
Weitere Artikel

Kommentar schreiben
Wir freuen uns über konstruktive Kommentare, die die Nettiquette beachten. Unsere Autoren schreiben ehrenamtlich für "unser Lübeck". Bitte schreiben Sie nur, was Sie dem Gegenüber auch ins Gesicht sagen würden. Für ein kultiviertes Internet!

Unsere Kommentare werden moderiert! Wir bitten um Verständnis, dass wir Kommentare löschen oder nicht freischalten, die werblichen, strafbaren, beleidigenden oder anderweitig inakzeptablen Inhalts sind.