Danger Dan

SHMF 2022
Danger Dan - Ein Musiker mit Haltung und Humor

Holger KistenmacherVon

Schon bei der Ankündigung des abendlichen Gast-Stars beim Open-Air vor ausverkauften Haus (rund 1.500 Zuschauer) in der Gollan-Kulturwerft wurde deutlich, dass der Auftritt etwas besonderes wird. Ein Rapper, gar Punk-Musiker beim klassischen Schleswig-Holstein Musik Festival hatte es bis dato nicht gegeben.

Auch für den Musiker selbst, der Sänger Danger Dan, hauptsächlich bekannt als Mitglied der Rap-Combo Antilopen-Gang, war dieser Auftritt einmalig. Er sei äußerst dankbar, dass er dieses Jahr sowohl beim größten Punk-Festival in Deutschland, als auch beim wichtigsten Klassik-Festival dabei sein darf.
Launig begrüsst er sein Publikum und erklärt: „Ich bin Daniel und denke, dass es mit 39 Jahren doch etwas peinlich ist, sich immer noch mit Danger Dan vorzustellen“. Dann erklärt er erstmal die Regeln bei einem Konzert von ihm: „Ich akzeptiere keine Rassisten, Sexisten, Homophobe, Neonazis, Corona-Leugner und ähnliche Idioten“. Wer sich zu denen zähle, solle doch bitte gehen, ansonsten würden diese rausgeworfen. Bei der Frage, wer dabei helfen wolle, meldete sich die große Mehrheit des Publikums unter Jubel.

Ausverkauftes Konzert in der Kulturwerft GollanAusverkauftes Konzert in der Kulturwerft Gollan

Dann legt er mit seinen ersten, wunderbar kritischen, aber auch lustigen Liedern los. Dabei geht es um Impf-Gegner, Allu-Köppe, Faschisten und andere Querdenker. Humorvoll karikiert er die Menschen, die Nudeln und Klopapier horten im gleichnamigen Stück, wo er sich die Gesangs-Arbeit mit den Fans teilt: Er singt jeweils Nudeln, während das Publikum lautstark Klopapier skandiert. Es folgen ein weiteres „Corona-Lied“ und der Song „Mordmethoden“, für das er leider nach einem persönlichen Aufruf im Netz keine neuen Beispiele gepostet bekam, sondern hauptsächlich Morddrohungen von Neo-Nazis.

Fast alle Stücke des Abends stammen von seinem Soloalbum, welches er zu Corona-Zeiten geschrieben habe, um die Konzert-freie Zeit mit seiner Antilopen-Gang in Berlin zu überbrücken. Eigentlich sei er kein besonders guter Pianist und könne auch keine Noten lesen, aber dass die Scheibe so durch die Decke gegangen sei, habe ihn selbst total überrascht. Mit „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ hatte er im letzten Jahr einen sehr erfolgreichen Überraschungs-Erfolg hingelegt, woraus jetzt auch die gleichnamige Tour entstanden ist.

Danger DanDanger Dan

Dann folgt ein Lied über sein ehemaliges Gymnasium in Aachen, wo er rausgeschmissen wurde. Ein gerappter Aufruf zu Aufmüpfigkeit, Widerstand und Selbstbewusstsein. Dafür erzählt er von einem Interview mit der TAZ, indem er seinem ehemaligen Lehrer, Herrn Schleifer bestätigte, dass der ganz o.k. sei. Allerdings sei die Nummer nicht bei allen damaligen Lehrern gut angekommen.

Weiter geht es mit „Freiheit“ und einem längeren Diskurs bezüglich Kunstfreiheit. Natürlich sei es einfach, bei Böhmermann auf dem Sofa darüber zu philosophieren, aber in der Nazi-Zeit wurde die Kunst verboten, verbrannt und ermordet. Ausführlich erklärt er sein Engagement für Lieder aus der Zeit von 1933 - 45, einer Zeit, wo die Gestapo Listen mit verbotenen Liedern führte. Diese seien in unserem „hässlichen Land“ noch heute meist verschollen. „Aber ein Lied von Hans Drach, der ins Exil gedrängt wurde, hat überlebt und wurde von ihm gefunden: „Mein Vater wird gesucht“. Er erzählt aus der Sicht eines Jungen, dass sein Vater von den Nazis gejagt, gefangen und ermordet wurde. Die hatten zwar behauptet, er hätte sich selbst erhängt in der Zelle, dem Kind sei aber klar gewesen, dass die Gestapo seinen Vater umgebracht hatte. Ein sehr trauriges, aber wichtiges Lied, welches vom „Jonathan Heck-Quartett“ neu interpretiert wurde, die er damit auf die Bühne bittet. Das vierköpfige Streich-Quartett überzeugt sofort mit der Instrumentalnummer und begleitet Danger Dan für den Rest des Abends auf der Bühne.

Jonathan Heck Streicher-QuartettJonathan Heck Streicher-Quartett

Gemeinsam musizieren sie das „Öl-Sardinen-Lied“ und „Ein paar auf`s Maul“, in dem es um Sextouristen in Thailand geht, denen von Penelope Cruz ordentlich was auf die Fresse gehört. Überhaupt nimmt der äußerst ehrliche und authentische Sänger in seinen Texten kein Blatt vor den Mund. In seinen teilweise sehr ausschweifenden, aber immer sehr humorigen Zwischentexten nimmt er viele aufs Korn,(u.a. die AfD, Neo-Nazis und Corona-Wutbürger). Er erzählt aus seinem Leben und nimmt sich dabei selbst auf die Schippe, wie bei „Private Altersvorsorge“. Auch habe er nach zehn Jahren Berlin selbst eine Psychotherapie gemacht, was er allen sehr empfehlen könne. Nach Jahren mit viel Drogen, Sex und Alkohol tut ein Nachdenken unter vertrauensvoller Anleitung einfach gut.

Und dann folgt natürlich noch der Titel-gebende Song des Konzert und der Solo-Scheibe über die Kunstfreiheit, die vom Publikum lauthals mitgesungen und gefeiert wird. Darin singt er: Uber jede Anzeige, die er bekomme, werde eine Flasche Sekt geöffnet. So wird es ihm auch ergangen sein, als Ken Jebsen, ein führender Corona-Leugner ihn verklagen wollte, den Prozeß aber verlor und satte 24.000 Euro Prozesskosten bezahlen musste. Die Fans freuen sich mit und erklatschen dann noch drei Zugaben. Wobei das letzte Stück eine Premiere für die Musiker bedeute, wie Danger Dan erklärt. Er habe zwar gehört, dass das SHMF mit Brahms einen besonderen Schwerpunkt habe, er kenne den aber gar nicht. Dafür haben sie als letztes Stück einen Song einer Punk-Band ausgewählt und einstudiert. Es handelt sich um ein super Sauflied von der Knochenfabrik: „Filmriss“, und ab geht die Luzie.

Danger Dan und das Jonathan Heck QuartettDanger Dan und das Jonathan Heck Quartett

Artig bedanken sich am Ende die glücklichen Musiker beim wunderbaren Publikum und erhalten dafür noch ein Sechser-Pack Bier. Als Rausschmeisser für den Abend wird dann auch noch der alte Gassenhauer von Paul Kuhn: „Geben sie dem Mann am Klavier noch ein Bier“, eingespielt, während die Fans in die laue Nacht verschwinden. Vielleicht auch auf ein gekühltes Blondes.

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Fotos: (c) Holger Kistenmacher

Holger Kistenmacher
Holger Kistenmacher
Jahrgang 1956, freischaffender Journalist seit gut 25 Jahren, studierter Realschullehrer, praktizierender psychosozialer Betreuer, ambitionierter Fotograf und Kulturschreiber mit den Fachgebieten: Moderne Gegenwartskunst, Literatur, Musik zwischen Jazz und Rock, Nordische Filme, Moderner Tanz. Weltenbummler und Reisejournalist.
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