Joy Denalane, Foto: (c) Styler Photography

SHMF 2019
Vom Hip-Hop zum Soul – Joy Denalane

Helga RottmannVon

Zu Beginn des Konzerts hatte man kurz das Gefühl, im falschen Film zu sein. Wusste man doch, dass Joy Denalane ursprünglich aus der Hip-Hop-Bewegung gekommen war. Denn Miki Kekenj (Violine) und sein Begleiter gestalten getragene Töne. Dennoch sind die Zuhörer angenehm berührt, weil die Musik einfach gut ist.

Unter Applaus erscheint danach die Sängerin Joy Denalane. In ihrer Begrüßung darf natürlich das Bekenntnis, Lübeck sei eine so schöne Stadt nicht fehlen. Im eigentlichen "Soulful Classic"-Programm stellt sie zuerst das "Hologramm" vor. Die Denalane wechselt vom Soul mitunter selbst zum Sprechgesang und verrät auf sehr gefühlvolle Art, dass sie den Himmel berühren kann.

Dass draußen der Regen aufs Dach prasselt, erhöht das Gefühl, hier geborgen zu sein. Der Arrangeur einiger Lieder, Miki Kekenj, in dessen Hand ebenfalls die Konzeption des Programmablaufs liegt, flachst nebenbei mit Joy Denalane über das Wetter und andere Begebenheiten.

Als die Denalane und der professionelle Violonist Kekenj beschlossen haben, gemeinsam zu musizieren, muss das ein Glücksmoment gewesen sein, denn MIKIs Takeover! Ensemble hat mit Max Dommers (Kontrabass), Markus Beul (Violoncello), Marlies Klumpenaar (Klarinette) und Maryana Brodskaya (Klavier) ein Ensemble vorzuweisen, das auch von anderen Künstlern sehr gerne gebucht wird. Auch das Rheingau Musik Festival und das Mosel Musikfestival Trier begrüßen sie als willkommene Gäste.

Kekenj und Denalane verstehen sich auf jeden Fall außerordentlich gut, sie werfen sich in der Unterhaltung nur so die Bälle zu. Ihr Lieblingslied "Ich weiß" berührt genauso wie der Song "Elli Lou", den sie für ihre Nichte geschrieben hat. Ihre Haarpracht, mit der sie unentwegt beschäftigt ist, verrät nicht, ob das eine Angewohnheit von ihr ist oder ob ein Friseur auf den Plan gerufen werden müsste. Ausdrucksstark fordert sie "Geh`jetzt". Sie beherrscht die leisen Töne genauso glaubhaft, als wenn sie aus „voller Röhre“ singt.

Auch ihr Ehemann, der im Publikum sitzt, der Musiker Max Herre, den sie 1999 über den gemeinsam gesungenen Song "Mit dir" kennen gelernt hat, freut sich mit ihr, als am Schluss der Veranstaltung neben Standing Ovations Marzipan und Blumen als Lübecker Dankeschön anzusehen sind.

Helga Rottmann
Helga Rottmann
Immer wieder musste der Großvater dem Kind "Kennst Du das Land, wo die Zitronen blüh'n" aus "Mignon" vorsingen. Das zielte auf ein Gesangsstudium. Dennoch der Wechsel zur schreibenden Zunft. 15 Jahre Kultur-Redakteurin bei einem Lübecker Blatt. Schreibt seit 2012 für "unser Lübeck". Schwerpunktthemen: Oper, Operette, Musical, SHMF.
Weitere Artikel

Kommentar schreiben
Wir freuen uns über konstruktive Kommentare, die die Nettiquette beachten. Unsere Autoren schreiben ehrenamtlich für "unser Lübeck". Bitte schreiben Sie nur, was Sie dem Gegenüber auch ins Gesicht sagen würden. Für ein kultiviertes Internet!

Unsere Kommentare werden moderiert! Wir bitten um Verständnis, dass wir Kommentare löschen oder nicht freischalten, die werblichen, strafbaren, beleidigenden oder anderweitig inakzeptablen Inhalts sind.