Harfenist Xavier de Maistre und Dirigent Ryan Bancroft

Schleswig-Holstein Musik Festival 2026
Konzert der Superlative mit Harfe und den Royal Stockholm Philharmonics

Einer der schönsten Höhepunkte dieses Festivals mit dem Städteschwerpunkt Stockholm offenbart sich am letzten Sonntag in der Musik- und Kongresshalle Lübeck. Das Royal Stockholm Philharmonic Orchestra kommt in großer Besetzung mit seinem aktuellen Chefdirigenten Ryan Bancroft.

Es begleitet in genialer Weise zunächst den ausgewiesenen Meister an der Harfe, Xavier de Maistre, um nach der Pause die atemberaubende Sinfonie Nr. 7 des hierzulande relativ unbekannten Stockholmer Komponisten Allan Pettersson aufzuführen.

Harfenist Xavier de Maistre und das Royal Stockholm Philharmonic OrchestraHarfenist Xavier de Maistre und das Royal Stockholm Philharmonic Orchestra

Nach der Ouvertüre aus Felix Mendelssohns Sommernachtstraum folgt das mit Spannung erwartete Harfenkonzert von Reinhold Gliere, einem deutsch-ukrainisch-russischen Komponisten. Sein Stil kann als nationalromantisch mit folkloristischen Wendungen bezeichnet werden. Das Harfenkonzert op.74 eröffnet diesem Instrument eine herausragende Stellung, geht es doch im allgemeinen Orchesterklang mit seinen zarten Klängen meist etwas unter. Ganz anders kann der Harfenist Xavier de Maistre in diesem Stück die starken Seiten der Harfe zeigen. Zupackend kraftvoll greift er in die Saiten, lässt romantische Weisen erklingen und spielt mit sichtbarer Freude die folkloristischen Lieder aus. Niemals wird er dabei vom Orchester überstimmt. Der herausragend versierte Dirigent Ryan Bancroft weiß seine Philharmoniker - bei Bedarf auch unter höherem Körpereinsatz - klar zu führen und breitet einen für die Harfe harmonischen Klangteppich aus, immer im gegenseitigen Blickkontakt.

Harfenist Xavier de Maistre und Dirigent Ryan BancroftHarfenist Xavier de Maistre und Dirigent Ryan Bancroft

Einen zusätzlichen Beweis seines Könnens gibt de Maistre mit seiner Solo-Zugabe. Er spielt einen temperamentvollen spanischen Tanz von Manuel de Falla. Auch das ist wie alles andere mit der Harfe allein möglich.

Ein absolutes Glanzlicht folgt an diesem Abend nach der Pause. Das renommierte Royal Stockholm Philharmonic Orchestra bringt ein beachtenswert großes Werk aus seiner Heimatstadt mit: Allan Petterssons Sinfonie Nr. 7, deren Uraufführung 1968 durch eben dieses Orchester erfolgte. Pettersson ist einer der bedeutendsten Komponisten Schwedens im 20. Jahrhundert mit auffällig eigenem, modernen Stil. So nimmt diese kraftvolle Sinfonie über knapp eine Stunde hinweg ihren Lauf. Beginnend mit dystopisch aufbrausenden Klangwellen wird der Konzertsaal kräftig durchgeschüttelt. Nicht enden wollende Gewittertöne aus allen Instrumenten, vorherrschend der Tuba und den acht Kontrabässen. In unablässigen Schubwellen schraubt sich das Orchester in immer dichtere, dann weiter auch schrillere Tiefen und Höhen.

Harfenist Xavier de MaistreHarfenist Xavier de Maistre

Es stellen sich Assoziationen zu schnell stampfenden Fertigungsmaschinen der Metallindustie ein. Die hoch fiependen Geigen ähneln dabei Zerspanungsgeräuschen mit schrillem Funkenflug. Trotz alledem wird dieser "Krach" nicht als unangenehm empfunden, sondern eher als große Offenbarung. Angekommen auf den hochgetürmten Gipfeln fällt die Musik weich übergehend in Pianissimo-Töne zurück. Hält sich dort phantasiereich kurz auf und baut nach zirpend schrillem Einsatz aller Geigen mit neuer Kraft eine weitere energiegeladene Spannung auf. Dieses Wechselspiel wiederholt sich in mehreren Nuancen und endet schließlich mit langsam ausgehauchten Klängen. Der Dirigent fordert im Ausharren seiner letzten Bewegung eine wohltuend besinnliche Minute des Stillstands ein. Erst dann darf der Applaus des Publikums einfallen.

Dank gilt dem künstlerischen Leiter des Festivals Frank Siebert, der diese Sinfonie mit den Stockholmer Philharmonikern nach Lübeck geholt hat. Ein besonderes Glanzstück mit den für diese Sinfonie so prädestinierten Philharmonikern aus Stockholm. Der Dirigent geht förmlich darin auf, es ist eine seiner Lieblingssinfonien. Christian Kuhnt, der Intendant des Festivals, meint eingangs, jeder, dem es nicht gefalle, solle es sich ein zweites Mal anhören. Dies gilt umso mehr auch für jeden Liebhaber dieses Stücks als absolutes MUSS!

Fotos: (c) Hildegard Przybyla


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