Mathias Edenborn (Anatoly Sergievsky, The Russian) und Melanie Gebhard (Florence Vassy), Foto: (c) Alexandra Ruppert

Schleswig-Holstein Musik Festival 2026
Musical "Chess" als konzertante Aufführung beim SHMF

Auf üppig besetzter Bühne triumphiert Nicolas Fink, der langjährige Leiter des Festivalchors und Dirigent des Orchesters "The Danish Philharmonic", mit der Konzertversion des Musicals Chess.

Wie schon in den Vorjahren gestaltet der Festivalchor eines der SHMF-Abschlusskonzerte, und es ist seit 2022 der Dirigent Nicolas Fink, der den Chor aus über 90 Sängerinnen und Sängern zusammenfügt und leitet. Normalerweise hat sich der Chor bisher mit romantischer Sinfonik wie bekannten Requiems, Messen oder Operngala befasst. In diesem Jahr wagt sich der Leiter mit seinem Chor an etwas Rockiges und Poppiges heran und es ist ein voller Erfolg! Das Musical der beiden ABBA-Komponisten Benny Andersson und Björn Ulvaeus wird hier konzertant aufgeführt. Statt großer Schauspiel-Inszenierung stehen sechs Solisten mit dem Chor und Orchester im Mittelpunkt.

Schleswig-Holstein Festivalchor und The Danish Philharmonic unter Leitung von Nicolas Fink, Melanie Gebhard (Florence Vassy) und Mathias Edenborn (Anatoly Sergievsky, The Russian), Foto: (c) Alexandra RuppertSchleswig-Holstein Festivalchor und The Danish Philharmonic unter Leitung von Nicolas Fink, Melanie Gebhard (Florence Vassy) und Mathias Edenborn (Anatoly Sergievsky, The Russian), Foto: (c) Alexandra Ruppert

Chess spiegelt die rivalisierenden Gegner des Kalten Krieges Amerika und Russland wider. Im Grunde ist das Thema bis heute aktuell geblieben. Zwei Schachspieler aus den beiden gegensätzlichen Lagern treffen aufeinander. Den Schachfiguren gleich sind die Farben auf schwarz und weiß verteilt, schwarz ist der Russe (Anatoly Sergievsky), gesungen von Mathias Edenborn und weiß der Amerikaner (Freddie Trumper), gesungen von Henrik Wager. Zwischen ihnen steht die zwischen den Herzen wechselnde Dame Florence Vassy, gesungen von Melanie Gebhard.

Gesungen wird auf englisch. Damit das Publikum die Geschichte gut verfolgen kann, läuft über der Bühne der übersetzte Text. Dies ist sehr hilfreich, denn die Sänger und die Sängerin sind wörtlich nicht immer gut verständlich. Bei voller Lautstärke aus Chor und Orchester wird mancher Sänger zunächst übertönt. Die Musik begeistert heute wie damals, die konzertante Aufführung lässt nichts vermissen. Im Gegenteil, allein der Chor fasziniert in großer Weise und kann mit dem Orchester in zwei Zwischenstücken ohne Solisten eine wohltuende Harmonie entfalten. Nicht hinweg zu denken ist der berühmte Song One Night in Bangkok, wunderbar interpretiert von dem "Amerikaner" Henrik Wager, unterstützt unter anderem von der zwanglos ins Orchester integrierten Rock-Formation mit Schlagzeug und E-Gitarren.

Lisa Antoni (Svetlana Sergievsky), Foto: (c) Alexandra RuppertLisa Antoni (Svetlana Sergievsky), Foto: (c) Alexandra Ruppert

Das Duell zweier Schachprofis nimmt weiter seinen Lauf, nicht nur auf der politischen Ebene, sondern auch in den zeitlosen Themen zwischenmenschlicher Probleme. Etliche allgemeine Lebensweisheiten werden preisgegeben und ausführlich besungen. Am Ende bleibt das Bild des Schachbretts, Schwarz und Weiß, scheinbar klare Regeln, aber: Gefühle lassen sich nicht planen. Chess will sagen, dass hinter allen politischen Systemen, Ideologien und Machtkämpfen Menschen mit Sehnsüchten, Gefühlen und Hoffnungen stehen. Diese Botschaft haben die Musiker mit ihrem charismatischen Dirigenten stimmlich und schauspielerisch genial umgesetzt. Chapeau!!


Fotos: (c) Alexandra Ruppert


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