Susanne Birck und Inger Nilsson

58. Nordische Filmtage
Interview mit Inger Nilsson

Susanne BirckVon

Dieser Begegnung mit Inger Nilsson fieberte ich mit besonderer Freude entgegen. Pippi Langstrumpf, die Heldin meiner Kindheit! Wie für viele, viele andere kleine und große Kinder auch. Oh, was haben mich meine Freunde und Bekannten beneidet, dass ich Inger Nilsson interviewen würde!

Immer noch werden die Filme aus den 1970ern im TV gezeigt, konservieren ein Stückchen unsere Kindheitsträume von der heilen Welt im beschaulichen Schweden, wo solch Geschichten wie die von Astrid Lindgren möglich sind. Und auch ich liebe es, an manchem Samstagmorgen zusammen mit Pippi, Annika und Tommy wieder und wieder die alten Abenteuer zu erleben.

Bereits vor Jahren sah ich ein Interview mit Inger Nilsson, in welchem sie von ihrem Kampf gegen das Pippi-Langstrumpf-Image erzählte und es in ihrer Heimat so schwer hat, als ernsthafte Schauspielerin akzeptiert zu werden. Im Gespräch mit ihr bestätigte sie diese immer noch anhaltende Tendenz. Nichtsdestotrotz begegnete Inger Nilsson mir mit einer Fröhlichkeit und Offenheit, die ansteckend war. Sie ist in diesem Jahr Jury-Mitglied der NDR-Jury, die bei den Nordischen Filmtagen Lübeck den Hauptpreis verleihen wird.

Susanne Birck: Frau Nilsson, herzlich willkommen in Lübeck. Waren Sie zuvor schon einmal bei den Nordischen Filmtagen?

Inger Nilsson: Nein, dies ist das erste Mal. Und es ist eine so schöne Atmosphäre, das habe ich ja gar nicht erwartet! Dass hier so viele filmbegeisterte Menschen sind, die sogar am helllichten Tag ins Kino gehen, erstaunt mich wirklich.

S. B.: Wie kam es dazu, dass Sie Mitglied der NDR Jury wurden?

Inger Nilsson: Das müssen Sie wohl jemanden vom NDR fragen. Eines Tages wurde ich gefragt, und nun bin ich dabei. Es macht großen Spaß!

Inger Nilsson und Susanne BirckInger Nilsson und Susanne Birck

S.B.: In Deutschland sind Sie ja immer noch sehr populär als Pippi Langstrumpf. Aber seit 2007 sind Sie auch sehr bekannt und anerkannt als Ewa Svensson in “Der Kommissar und das Meer”, der ZDF-TV-Produktion. Viele Menschen sehen diese Serie unter anderem wegen Ihnen, weil Sie immer noch so beliebt in Deutschland sind. Vor Jahren habe ich im Fernsehen ein Interview mit Ihnen gesehen, in dem Sie darüber erzählt haben, wie schwierig es für Sie ist, in Schweden als erwachsene Schauspielerin wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Wie ist es mittlerweile – akzeptieren die Schweden Sie nun?

Inger Nilsson: Das kann ich gar nicht so einfach beantworten. Leider bin ich nicht an so vielen Produktionen beteiligt, die in Schweden bedeutsam sind. Es braucht etwa vier bis fünf gute Filme, bis man sich als ernst zu nehmende Schauspielerin in Schweden etabliert hat. Ich würde sehr gern mehr in Filmen spielen. Ich bin aber ja als Theaterschauspielerin viel unterwegs und arbeite im Moment viel in Stockholm am Theater. 

S. B.: Sie spielen die Gerichtsmedizinerin Ewa Svensson in der Serie „Der Kommissar und das Meer“.

Inger Nilsson: Ja, und ich freue mich sehr, dass diese Serie in Deutschland so gut läuft! Am Sonntag wird ja die aktuelle Folge hier bei den Filmtagen zu sehen sein. Ich freue mich schon darauf!

S. B.: Wird die Serie auch im schwedischen Fernsehen ausgestrahlt?

Inger NilssonInger Nilsson

Inger Nilsson: Die ersten acht, neun Folgen schon. Das Problem ist, dass wir die Aufnahmen bilingual machen, das heißt, die deutschen Schauspieler sprechen ihren Part auf Deutsch. Das musste immer synchronisiert werden, und das mögen die Schweden nicht, das sind sie nicht gewohnt. Eine andere Möglichkeit wäre, die deutschen Parts mit schwedischen Untertiteln zu versehen – das würde noch weniger funktionieren. Leider wurde also die Serie bei uns abgesetzt.

S. B.: Haben Ewa Svensson und Sie etwas gemein?

Inger Nilsson: Nein, ich finde nicht. Es ist ja auch keine tragende Rolle in der Serie. Man erfährt kaum etwas über das Privatleben der Gerichtsmedizinerin. Das Spannende an der Schauspielerei ist aber ja auch, dass man in Rollen hineinschlüpfen kann, die gar nichts mit einem selber zu tun haben.

S. B.: Ist das Ihre Motivation in Ihrem Beruf als Schauspielerin? Gibt es bestimmte Werte, die für Sie in der Ausübung Ihres Berufs eine Rolle spielen?

Inger Nilsson: Ich mag es sehr, Geschichten zu erzählen, oder vielmehr, ein Teil einer erzählten Geschichte zu sein. Menschen lieben und brauchen Geschichten. Ich mag es, Menschen mit Geschichten zu unterhalten, gute Gedankenanstöße zu geben. Ja, und darüber hinaus denke ich, es ist gar nicht so wichtig, welche Projekte man macht, ob es große oder anerkannte Produktionen sind. Mir ist es wichtiger, mit den richtigInger NilssonInger Nilssonen Menschen zur richtigen Zeit, also in einem guten Umfeld, Projekte zu gestalten. Ich meine damit, mit welchem Regisseur ich zusammen arbeite, wie wir uns unter Kollegen verstehen, wie die Arbeitsatmosphäre ist. Das ist für mich, für mein Wohlbefinden in meiner Arbeit wichtig.

S. B.: Wie sieht Ihr Leben zurzeit aus?

Inger Nilsson: Ich lebe seit 20 Jahren in Stockholm und lebe gern dort. Hauptsächlich beschäftige ich mich natürlich mit meinen Aufträgen am Theater. Zurzeit arbeite ich bei einer besonderen Produktion mit - mit viel Gesang.

S. B.: Gibt es etwas, was Sie Ihren deutschen Fans gern sagen möchten?

Inger Nilsson: Ich freue mich so sehr, dass ich hier in Deutschland Fans habe, die auch diese Rolle, die ich in Der Kommissar und das Meer spiele, mögen. Ich hoffe sehr, dass Sie weiterhin Freude an der Serie haben werden.

S. B.: Frau Nilsson, ich danke Ihnen sehr für das freundliche Gespräch.

(Das Interview wurde am 4. November 2016 während der Nordischen Filmtage Lübeck geführt.)

Fotos: Maria Doll

Susanne Birck
Susanne Birck
Jahrgang 1969, nennt Lübeck seit 2003 ihre Wahlheimat. Die studierte Kulturwissenschaftlerin ist als Kulturjournalistin schreibend und fotografierend in der Stadt unterwegs. Schwerpunktthemen für Unser Lübeck: Filmkritiken, Interviews, Bildende Kunst.
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