Weihnachten kommt schneller als man denkt!
Aber „Morgen kommt Salut Salon“ - mit ihrem Weihnachtsprogramm

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Bedauerlich, auch „Salut Salon“, das Quartett, das den Salon, das mondäne Gesellschaftszimmer, im Namen führt, konnte diesmal (17. Dezember 2015) nicht in der guten Stube der MuK agieren, sondern musste die Intimität eines Salons in der Rotunde herstellen. Doch die gab sich wieder brav.

Ihre Bühne war gerade so groß, das Temperament der vier Damen und Oscars, ihres einzigen männlichen Begleiters, zu erdulden. Nicht zum ersten Male waren sie hier in Lübeck, die zwei waschechten Hamburger Deerns, die der Kern der kleinen Truppe sind. Sie, Angelika Bachmann und Iris Siegfried, hatten schon im Schulorchester als 10-jährige Geigerinnen am gleichen Konzertmeisterpult nebeneinander gesessen und Klassik mit ihrer Lachlust aufgelockert. Später erspielten sie sich eine Reihe von Preisen und studierten ihr Instrument professionell. Und dann gründeten sie so um 2000 „Salut Salon“ als Quartett, zunächst in wechselnder Besetzung. Aber seit 2008 ist die in Tübingen geborene Cellistin Sonja Lena Schmid fest dabei und die Pianistin Anne-Monika von Twardowski, in Durban (Südafrika) geboren. Beide studierten sie unter anderem auch in Lübeck.

Und Oscar? Der hat es – schon zahlenmäßig und dann bei so viel Frauenpower  schwer, bei gleich vier Damen standfest zu bleiben und ein Bein auf den Boden zu bekommen. Glühend verehrt er sie, weil sie ihm Leben und Anmut geben, denn sie haben ihn voll in der Hand. Als Sohn eines Hamburger Puppenmachers blieb er im Milieu und erlernte das Puppenspiel, wie der Internetauftritt seiner Mitspielerinnen verrät. Diesmal durfte er nur zweimal glänzen, einmal mit der reizvollen Pianistin auf der Klavierbank, und das bei Liszts Liebestraum! Wer kann es ihm verdenken, wenn seine Hand versehentlich bei der Dame unter dem Rock landet? Seinen zweiten Einsatz dann als Bassvirtuose am Cello absolvierte er auf dem Flügel, wo er wahre Größe erreichte.

Gemeinhin wird die Besetzung von „Salut Salon“ als Klavierquartett eingeordnet. Aber sie bringen weit mehr. In ihrem aktuellen Weihnachtsprogramm Morgen kommt Salut Salon – Weihnachten im Quartett sind Akkordeon, Daumenklavier, Melodica, Xylophon, Blockflöten im Quartett, unterschiedliche Gitarren, Gong und neben der singenden Säge auch der Damen wohliger mehrstimmiger Gesang eingebaut.

Es ist nicht einfach zu formulieren, was sie eigentlich da auf der Bühne treiben. Sagen wir es so: Sie machen eine Show, die auf klassischer Musik basiert, diese aber tüchtig durch die Mangel dreht. Denn sie beherrschen nicht nur exzellent ihre Instrumente und bieten Kompositionen von Corelli oder Bach, von Dvořák oder Tschaikowsky, von Debussy oder de Falla niveauvoll dar. Gleich mit mehreren Kompositionen war Astor Piazzolla dabei, dessen melancholisch tiefgründige Melodik und mitreißende Rhythmik dem unbändigen Temperament des Quartetts besonders liegt. So ebnen sie mit ihrer Begeisterung einem breiten Publikum den Weg zum ernsteren Musikgenre. Sie, die ihr ganzes Programm auswendig musizieren, leben die Musik miteinander und durchmischen ihre Virtuosität mit Spaß. Daneben ironisieren sie leere Posen und bloßes Tongeklingel wie etwa in Ernst von Dohnányis Orchestervariationen über Morgen kommt der Weihnachtsmann, auch dieses von ihnen selbst für ihr Instrumentarium arrangiert.

Der Abend war nie langatmig. Weihnachtslieder wie Entre le bœuf et l'âne gris oder Maria durch ein Dornwald ging, gescheite Persiflagen auf Weihnachten, das immer schneller kommt als gedacht, auf dahinschmelzende Schneemänner oder die Volksmusik bringen Lacher oder nachdenkliche Momente, bringen Humor und Tiefe. Das war zumeist vortrefflich auskalkuliert, auch darin, dass sie ihre für sie typische Artistik in diesem Programm nur kurz durchblicken ließen und es sich als „Geschenk“ für die Zugabe aufsparten.

Sie entließen in der Rotunde der MuK ein begeistertes Publikum, nicht ohne noch einmal auf ihre Engagements für Kinder hinzuweisen, hier und in Bolivien. Immerhin wurden sie dafür mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Foto: Salut Salon, (c) Andre Reinke

Arndt Voß
Aufgewachsen in Neumünster, in Lübeck seit 1959. Studium in Kiel und Hamburg (Musik- und Literaturwissenschaft). Ständige Mitarbeit an den Lübeckischen Blättern von 1974 bis 2014, Berichte und Kritiken darüber hinaus in einigen anderen Organen. Schwerpunktthemen: Musiktheater, Schauspiel, Konzerte.
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