Musikalisches Weihnachtsmenü
Dreierlei vom Elektronischen

Sabine VierusVon

Wer sich oder anderen zu Weihnachten gerne musikalische Präsente überreichen möchte, könnte aufgrund der reichhaltigen Auswahl vielleicht überfordert sein. Gern möchte ich etwas Licht ins Dunkel bringen und habe einmal ein kleines Menü mit Musik aus der Elektropop-Sparte zusammengestellt. Ich wünsche Ihnen einen guten Appetit!

Vorspeise: Empire of the Sun – Two Vines

Das australische Duo besteht aus Luke Steele und Nicholas „Nick“ Littlemore, die sich jeweils aus verschiedenen Bands mit unterschiedlichen musikalischen Richtungen im Jahr 2007 zusammenfanden. Bereits We are the people, das erste Werk, das 2008 veröffentlicht wurde, fand in den Charts seinen Platz in den australischen Hitlisten und wurde auch international umgehend bekannt. Den großen Durchbruch verdankten die beiden jedoch der Verwendung des gleichnamigen Songs für eine Autofirma 2009 und einer Telekommunikationsfirma in 2010. Die Single stieg danach sofort wieder in den Charts ein. Download und Verkauf der CD brachte diesem Platz eins sowie den Platinstatus ein. Auch das Album konnte wieder hohe Verkäufe erzielen. Nach Ice on the Dune, das hinter dem Erfolg des ersten Werkes zurückblieb, kommt nun Two Vines (zwei Ranken) heraus. Hiermit lassen die beiden es nun wieder grüner werden und das zuvor produzierte Eis schmelzen.

Die musikalische und bunte Zeitreise startet unmittelbar mit Song Nummer eins Before. Und es wird einem in der Tat warm, durch die harmonischen Stimmen sowie einen Gitarren- und teilweise bombastischen Synthesizer-lastigen Sound. Diese Atmosphäre zieht sich während des Zuhörens durch das gesamte Album. Die Songs sind fast durchgehend tanzbar und lassen Vergleiche zu Bands der 80er aufkommen. Es scheint, als hätten Human League bei Digital Life oder Fleetwood Mac bei First Crush vorbeigeschaut. Letztere finden sich durch Lindsey Buckingham, Sänger und Songschreiber bei Fleetwood Mac auf To her Door wieder. Buckingham schrieb diesen Song mit und lieh diesem auch seine Stimme und Gitarrenbegleitung. Dieses Stück rutscht, im Gegensatz zu den anderen Songs, nur minimal am Kitsch vorbei. Ebenso vertreten ist die Band „Blackstar“, David Bowies Band, die Way To Go mit produzierten und den Song dem Anfang diesen Jahres verstorbenen Bowie widmeten. Den Schlusspunkt bildet Welcome to my life, das im gleichen Rhythmus das Album beendet, wie es startet.

Wer sich auf diese Zeitreise begibt, wird Spaß haben, sich an die 80er Jahre erinnern zu lassen oder diese neu zu entdecken. Ich freue mich, dass dieses musikalische Zeitalter auch im Jahr 2016 weiterlebt. Mir macht dies definitiv Appetit auf mehr.

Empire of the Sun: Two Vines, EMI (Universal Music), 28. Oktober 2016

Hauptgang: Moby & The Void Pacific Choir – These systems are failing

D er gebürtige Amerikaner ist Sänger, Komponist, DJ, Autor und Fotograf. Seit 1992 veröffentlicht er Alben, die immer einmal wieder musikalisch unterschiedlich gefärbt sind. Spätestens seit Why does my heart feel so bad dürften die meisten Musik-affinen Menschen mit seinem Namen etwas anfangen können. Moby ist gesellschaftskritisch und setzt sich für Umwelt und die Rechte der Tiere ein. Mit diesem Album kehrt er zurück zu seinen elektronischen Wurzeln und setzt seine scheinbar aufgestaute Wut musikalisch um. Einen Song wie Why does my heart feel so bad sucht man auf diesem Album vergebens. Tracks wie And it hurts oder Are you lost in the world like me? sind geprägt von schnellen, harten Beats und kreischenden Gitarren, die an die Musik der 80er Jahre erinnern. Es gibt New Wave-, Industria-, Synthie Pop- und Punk-Elemente. Der Künstler scheint unzufrieden mit der Welt, aber noch nicht in Lösungen unterwegs zu sein. Seine düsteren und eher destruktiven Fotos im Booklet unterstreichen diese Wut zusätzlich.

Nach fast 36 Minuten und neun lauten, krachenden Songs ist das Werk quasi von hundert auf null zu Ende und eine fast greifbare Stille kehrt ein. Ich bin derzeit etwas ratlos – mir liegt These systems are failing noch schwer im Magen und ich brauche wohl etwas Zeit, um diesen Gang zu verdauen.

Moby & The Void Pacific Choir: These systems are failing, Embassy Of Music (Warner), 14. Oktober 2016

Dessert: DePhazz – Prankster Bride

 Mit DePhazz (Destination Phuture JAZZ) gibt es als letzten Gang nun noch Elektro mit anderen musikalischen Einflüssen. DePhazz mixen Jazz-, Lounge- und Trip Hop-Elemente und das inzwischen seit fast 20 Jahren. Die Combo setzte sich seit ihrer Gründung im Jahr 1997 immer wieder aus neuen Mitgliedern zusammen. Als harter Kern sind hier aber sicher Karl Frierson, Pat Appleton und Pit Baumgartner zu nennen. Die deutsche Gruppe ist auf zahlreichen Lounge-Samplern mit ihren gefälligen Songs vertreten. Ihre Erfolge verzeichnen sie vorwiegend in Osteuropa, wie z. B. in Rumänien.

Album Nummer vierzehn namens Prankster Bride reiht sich musikalisch in die Riege der Vorgänger ein. Groovige Tracks laden zum Tanzen ein und verbreiten eine angenehme Stimmung. Zum Verschnaufen bleibt hier auch Zeit, denn loungige und langsame Töne sind hier ebenfalls zu hören. Mir gefallen die etwas weniger jazzigen Songs, wie z. B. Invisible to myself, das durch ein sanft gespieltes Saxophon und Elektrogitarren begleitet wird oder auch Down Waterloo und I sing mit deren leichten Reggaerhythmen. Langeweile kommt hier nicht auf, es macht einfach Spaß zuzuhören und Urlaubsstimmung zu verspüren.

DePhazz laden zum Entspannen und Genießen ein. Hierzu passt ein schmackhaftes Getränk nach Wahl. Danach würde ich empfehlen, sich einfach zurücklehnen und das abwechslungsreiche Menü entspannt ausklingen zu lassen.

DePhazz: Prankster Bride, Phazz-A-Delic (Alive), 4. November 2016

Sabine Vierus
Sabine Vierus
Jahrgang 1971, in Lübeck geboren, gelernte Kauffrau, ihre Leidenschaften sind Musik und Fotografie. Seit 2015 schreibt sie für "unser Lübeck".
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