Die Jury des Possehl-Preises für Lübecker Kunst 2026 hat ihre Entscheidung getroffen: Aus insgesamt 14 eingereichten Projekten wurde das Lübecker Künstlerinnenkollektiv „die brachiale – Labor für Dialoge im Zwischenraum“ als Preisträgerin ausgewählt. Der mit 8.000 Euro dotierte Preis würdigt ihr Projekt „reflektieren – flanieren“, das sich auf innovative Weise mit dem Stadtraum und den gesellschaftlichen Entwicklungen in Lübeck auseinandersetzt.
„Die brachiale steht für eine zeitgemäße Form kollektiver künstlerischer Praxis. Ihre Arbeiten verbinden ästhetische Erfahrung mit gesellschaftlicher Relevanz und schaffen neue Zugänge zum öffentlichen Raum“, so die Jury in ihrer Entscheidung. Die Auszeichnung würdigt daher nicht nur das eingereichte Projekt, sondern zugleich das bisherige künstlerische Wirken der beiden Künstlerinnen Mirja Schellbach und Berit Kröner. O-Ton der Künstlerinnen: „Seit 5 Jahren haben wir mehrfach in der Lübecker Innenstadt Brachen und Leerstände mit Installationen und Ausstellungsformaten bespielt. Jetzt können wir mit Hilfe des Possehl-Preises direkt mit urbanen Interventionen in die offenen Zwischenräume der Altstadt gehen und den Dialog zwischen Kunst, Stadt und Menschen suchen. Das freut uns außerordentlich.“
Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der UNESCO-Welterbe-Auszeichnung der Hansestadt will das Kollektiv mit „reflektieren – flanieren“ einen künstlerischen Peilungs-Parcours durch die Stadt entwickeln. Das Projekt versteht sich als begehbarer Kommentar zu historischer Architektur, städtischem Wandel und den Fragen von Nutzung, Umnutzung und Leerstand im urbanen Raum. Ziel ist es, diese Themen gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie der Stadtverwaltung zu diskutieren und neue Perspektiven auf die Entwicklung der Innenstadt zu eröffnen.
In ihrer Begründung hebt die Jury hervor, dass „die brachiale“ seit Jahren wichtige Impulse für die Lübecker Kunstszene setzt. Mit partizipativen Projekten und künstlerischen Interventionen gelingt es dem Kollektiv, gesellschaftliche Prozesse sichtbar zu machen und Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Besonders gewürdigt wurden die konsequent ortsspezifische Arbeitsweise sowie das Verständnis von Kunst als Werkzeug der Stadtbeobachtung und Stadtentwicklung.
Die Jury würdigte darüber hinaus die hohe Qualität und Vielfalt der eingereichten Projekte. Besonders große Resonanz erzielte auch das Konzept „The Distance Between Us“ von Jule von Hertell, das sich in Form eines immersiven Audio-Video-Walks entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze in Schlutup mit Fragen von Erinnerung, Zugehörigkeit, Migration und gesellschaftlichen Grenzen auseinandersetzt. Ebenfalls bis in die Schlussrunde der Beratungen gelangte das Projekt „LICHT_SPIEL“ von Christian Egelhaaf, das Lübecks Architektur mittels Projektionen, Bewegung und Klang in neuartige Wahrnehmungsräume übersetzt und historische wie zeitgenössische Orte der Stadt künstlerisch interpretiert.
„Der Possehl-Preis für Lübecker Kunst ist ein sehr wichtiger Baustein unseres Engagements für die zeitgenössische Kunst in Lübeck. Er stärkt herausragende künstlerische Positionen vor Ort und verbindet sie zugleich mit dem Possehl-Preis für Internationale Kunst. Beide Preise tragen dazu bei, die Sichtbarkeit der zeitgenössischen Kunst weit über die Region hinaus zu erhöhen,“ so Prof. Dr. Wolfgang Sandberger, Vorsitzender der Possehl-Stiftung.
Weitere Informationen: www.possehl-kunstpreise.de

