Gala-Veranstaltungsort Theater mit Baustelle Beckergrube

Theater Lübeck
Filmpreis-Gala der 67. Nordischen Filmtage

Nachdem man sich durch die Baustelle in der Beckergrube am Lübecker Theater gekämpft hatte, war alles wie fast immer.

Der Begrüßungssekt war kalt gestellt, die Kultur- und Politszene drängelte sich an der Fotografenwand, die Filmpreise wurden verteilt, der Bürgermeister verabschiedete mit einer Lobeshymne den zurücktretenden künstlerischen Leiter Thomas Hailer und der Shantychor Möwenschiet e.V. rockte den Saal und brachte das Publikum in Wallung. Soweit die Kurzfassung der Gala am Samstag Abend im Theater Lübeck.

Moderatorin Loretta Stern und das Sofia Oster-TrioModeratorin Loretta Stern und das Sofia Oster-Trio

Hier also mehr Details: Der Abend begann wie seit mehreren Jahren mit der Begrüßung durch die Moderatorin Loretta Stern, begleitet vom Sofia Oster-Trio. Bei der Preisverteilung begannen die Jüngsten. Die Kinderjury (11-13 Jahre) vergab ihren Preis an die dänische Regisseurin Natasha Arthy für ihren rebellischen Kinderfilm „Honey“. Die etwas ältere Jugendfilm-Jury (16-19 Jahre) verlieh den Jugendfilmpreis an Maria Ericsson für ihren Film „Kevlar Soul“ aus Schweden. Der offizielle Kinder- und Jugendfilmpreis der Gemeinnützigen ging an „Live A Little“ von Fanny Ovensen aus Schweden. Dann folgten die Kurzfilmpreise: Den Cinestarpreis erhielt Andrè Siegers (Deutschland) für seinen Streifen „Die Stimme des Ingenieurs“. Der baltische und nordische Kurzfilmpreis ging nach Finnland an Saarlotta Virri für den Kurzfilm mit dem längsten Titel: „Memories move like Distant Islands“.

Verdienter Gewinner des Dokumentarfilmpreises: David Borenstein (Dänemark) für 'Mr. Nobody Against Putin'Verdienter Gewinner des Dokumentarfilmpreises: David Borenstein (Dänemark) für 'Mr. Nobody Against Putin'

Völlig zurecht erhielt dann Regisseur David Borenstein (Dänemark) und sein Co-Regisseur und Hauptdarsteller Pavel Talankin (Russland) den Dokumentarfilmpreis von Verdi für den mutigen Film: „Mr. Nobody Against Putin“ plus Riesen-Applaus vom Publikum im Saal.

Dann ging es an die Spielfilmpreise. Gleich zweimal konnte die junge Regisseurin Gabriele Urbonaite aus Litauen den Backstein plus Preisgelder (insgesamt 12.500 Euro) einsacken für ihren Film „Renovation“, sowohl der Freundeskreis fand den Debütfilm am besten, als auch die Stifter des Kirchenpreises. Etwas überraschend für mich gewann der Schwarz-Weiß-Film, der zwar wunderbar gefilmt war, aber etwas sperrig daher kam: „Redoubt“ von John Skoog (Dänemark/Schweden) den Baltischen Filmpreis.

Publikumspreisträger-Regisseur Eirik Svensson für 'Safehouse' war per Video aus dem Krankenhaus zugeschaltetPublikumspreisträger-Regisseur Eirik Svensson für 'Safehouse' war per Video aus dem Krankenhaus zugeschaltet

Fehlt noch der älteste Filmpreis, der Publikumspreis, der charmant von Altstar Siw Malmquist vergeben wurde an den realen und spannenden Film „Safe House“ von Erik Svensson (Norwegen), der in der Zentralafrikanischen Republik während des Bürgerkrieges im Jahr 2013 spielt.

Und natürlich wartete alles auf den Hauptpreis, den NDR-Preis, der mit 12.500 Euro am höchsten dotierte Preis. Er ging ebenfalls an einen Debütfilm: „Second Victims“ von Zinnini Elkington aus Dänemark. Dabei geht es um eine Ärztin, die einen fatalen Fehler bei einer Diagnose macht.

Der Hauptspielfilmpreis vom NDR ging nach Dänemark an Zinnini Elkington für 'Second Victims'Der Hauptspielfilmpreis vom NDR ging nach Dänemark an Zinnini Elkington für 'Second Victims'

Zwischendurch wurde es aber wieder besonders feierlich, denn Bürgermeister Lindenau verabschiedete den künstlerischen Leiter der Nordischen Filmtage, Thomas Hailer nach fünf Jahren im Amt mit einer Rede voller intimer Inhalte und ganz viel Lob für dessen Arbeit. Sichtlich gerührt nahm Hailer ebenfalls einen typischen Lübecker Backstein als Abschiedsgeschenk in Empfang, konnte sich einer kleinen Spitze gegen die Lübecker Bürgerschaft aber nicht verkneifen. Angesichts der geplanten Einsparung von 50.000 Euro für den Etat der Filmtage sagte er: „Kultur ist das, was uns zusammenhält und das, was wir zur Zeit dringend brauchen“. Gleichzeitig sprach er seinen Dank an das beste Publikum der Welt bei den Filmtagen aus.

Der Shanty-Chor 'Möwenschiet' rockt den Saal mit 'Bananaboat'Der Shanty-Chor 'Möwenschiet' rockt den Saal mit 'Bananaboat'

Gleichzeitig wurde die designierte Nachfolgerin in seinem Amt auf der Bühne begrüßt: Hannah Reifgast, die bis dato für die Young Audience-Sektion als Kuratorin zuständig war. Sie übernimmt 2026 die Stelle von Thomas Hailer. Der wurde dann auch noch standesgemäß mit dem Lied „In Lübeck sagt man tschüs“ vom Shanty-Chor Möwenschiet e.V. verabschiedet. Die gesangstarken Herren hatten schon für eine wunderbare musikalische Pausen-Untermalung der Filmgala gesorgt, als sie mit „Bananaboat“ von Harry Belafonte den Saal rockten und das Publikum richtig in Wallung brachten.

Danach folgte die übliche Schlacht am vegetarischen Büfett und am Tresen bis spät in die Nacht. Holger Kistenmacher freut sich schon jetzt auf die 68. Filmtage zu Lübeck.


Fotos: (c) Holger Kistenmacher

Holger Kistenmacher
Holger Kistenmacher
Jahrgang 1956, freischaffender Journalist seit gut 25 Jahren, studierter Realschullehrer, praktizierender psychosozialer Betreuer, ambitionierter Fotograf und Kulturschreiber mit den Fachgebieten: Moderne Gegenwartskunst, Literatur, Musik zwischen Jazz und Rock, Nordische Filme, Moderner Tanz. Weltenbummler und Reisejournalist.

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