Nein, sagt Siw Malmkvist, einfach so wegschlafen nachts, das möchte sie nicht, man würde ja alles verpassen. Und dann, nach wie vor fasziniert vom Unvorstellbaren: „Dass das Sterben so schnell geht, einfach so, Peng!, das war mir wohl noch nie durch den Kopf gegangen.“
Bis zum Schlaganfall 2005. Ein relativ leichter, und es ging dann alles gut. Operation, die Sprache kam zurück, dann das Singen, die Bühne; demnächst wird Siw Malmvist 90. Ab Anfang 20 zählte die Schwedin mit Gitte Haenning und Wencke Myhre zu den beliebtesten Schlagerstars in D#land – „Liebe wie im Rosengarten“ (dt. Coverversion des US-Lynn-Anderson-Hits „Rose Garden“), „Der Wein ist gut“, vor allem „Liebeskummer lohnt sich nicht“ von 1964. In ihrer schwedischen Heimat war sie schon seit 1955 jemand, nahm ca. 800 Lieder in ungefähr 7 Sprachen auf und hatte insgesamt 40 Singles in den Top-Ten. Ihr Erfolg in D'land lag nicht zuletzt an ihrer natürlichen und ganz undeutsch unverkrampften Art, war kess, so sagte man damals. Und sie konnte singen, vielseitig und kraftvoll, beinah unkenntlich anders etwa beim ernsten „Stand On Your Own“ z.B. aus dem Musical „Nine“, eine Art Chanson/R&B-Hybride im '80er Sound.
Siw Malmkvist, Foto: (c) Stina Gardell
Das Bildmaterial der Doku stammt zum großen Teil von Malmkvist selbst, Aufnahmen, die sie seit ihrem 24. Lebensjahr selbst machte und macht, an denen entlang der Film ihr Leben erzählt, durchaus auch sogenannte andere Zeiten aus der Nähe vermittelt.
Zusammen mit Archivmaterial und Schnipseln ist „My Life As Siw“ - und darum heißt er so – nicht die für Popstar-Dokus zwischen Udo Jürgens und Led Zeppelin übliche, weihrauchige Aneinanderreihung von Clips und Fan-Materialien geworden. Sondern – sonst hieße er vielleicht „Life Of Siw“ – ein Film über das Leben einer Frau, deren Name auch Marke war, die zum Singen auf die Arbeit ging und mal schnell alles liegen lassen konnte, wenn es um die Liebe außerhalb von Schlagertexten ging. Die ihre unprätentiöse Ausstrahlung aus einer Kindheit mit vielen Geschwistern und wenig Geld nicht verloren hat und neulich mal mit ex-Abba Benny Andersson im Studio war. Und sich bei aktuellen inszenierten TV-Zufallsaufnahmen beim Spaziergang noch immer so professionell natürlich durch den Park bewegen kann, wie sie's mal gelernt hat. Oh, ein Blatt!


