Pat Metheny in der Lübecker MuK
Jazzgitarren-Legende ohne Starallüren

Seit über 50 Jahren ist er bereits im Geschäft und hat sich mit seiner filigranen wie virtuosen Art und Weise die verschiedensten Gitarren zu spielen einen legendären Ruf als Groß-Meister an seinem Instrument erarbeitet. Pat Metheny gilt nicht nur in der Jazzszene als eine Ausnahmeerscheinung. Dafür wirkte sein Auftreten bei seinem Konzert am Sonntagabend in der Musik- und Kongresshalle aber ausgesprochen bodenständig und bescheiden. Von Starallüren und exzentrischem Gehabe keine Spur.

Sein Bühnen-Outfit ist einfach: Blue Jeans, Karohemd und Turnschuhe. Dazu trägt der ewig jugendlich wirkende Gitarrenkünstler seit Jahren seine prächtige Wuschelkopffrisur und ein einnehmendes Lächeln. Pat Metheny erscheint irgendwie alterslos, dabei hat er die 70er Jahre auch schon erreicht.

Geboren 1954 in Lee´s Summit in Missouri/USA begann er bereits früh mit dem Musizieren. Als Achtjähriger versuchte er sich an der Trompete und wechselte mit 12 Jahren zur Gitarre, die er bei Wes Montgomery erlernte. Mit 14 gewann er seinen ersten Jazz-Wettbewerb und stieg bereits mit 16 Jahren bei den richtigen Jazz-Größen in Kansas-City mit auf die Bühne. Bereits als 18jähriger bekam er eine Professur als Gitarren-Dozent an der Universität von Miami. Und 20 Grammy-Verleihungen später steht seine Qualität als außergewöhnlicher Gitarrist völlig außer Frage. Im Laufe seiner Karriere hat er dementsprechend auch mit allen Größen der Jazz-Szene zusammen gespielt, Gary Burton, Jaco Pastorius, Herbie Hancock, Jan Garbarek, Eberhard Weber oder John Scofield, um nur einige zu nennen. Aber auch mit Folk- oder Pop-Musikern wie Joni Mitchell oder David Bowie hat er kollaboriert. Daneben hat Pat Metheny eine besondere Affinität zu brasilianischer Musik.

Dies wurde auch beim Konzert in Lübeck deutlich, wo er ein gut zwei-stündiges Set aus 50 Jahren präsentierte. Sein Stil und seine Kompositionen sind meist sehr melodiös, obwohl es sehr schwer fällt, sie in eine bestimmte Schublade zu packen. Es herrscht immer eine große Stilvielfalt in seinen Stücken und Arrangements, wie auch in den Improvisationen. Von ausladender Filmmusik über Latin-Jazz und Fusion zu klassischen Trio-Jazz-Standards, Jazz-Rock und experimentellen Stücken bis zu Free-Jazz reichte sein vorgetragenes Repertoire an eigenen Stücken. Pat Metheny ist dabei kein Mann der großen Worte, sondern lässt seine Gitarren sprechen.

Erst gegen Ende des Konzerts, als er seine 4-köpfige Begleit-Band vorstellte, erklärte er bescheiden, dass er und seine Mitstreiter (Chris Fishmann - Piano und Keyboards, Joe Dyson - Drums, Jermaine Paul - Bass und Leonard Patton - Percussion und Gesang ) heute sowohl Stücke von seiner aktuellen Scheibe (Side - Eye III+), wie aber auch von seiner allerersten Platte, die er vor 50 Jahren in Ludwigsburg aufgenommen hatte, präsentieren würden. Irgendwie schien er selbst überrascht, dass einige Stücke schon 50 Jahre auf dem Buckel haben, aber immer noch frisch und dynamisch rüberkamen.

Natürlich führt er als Bandleader seine Truppe an und dominiert mit seinem ausgefeiltem Gitarrenspiel die Stücke. Gleichzeitig stellt er sich auch bescheiden in den Hintergrund, um dem Bassisten Paul ein Solo zu ermöglichen. Aber vor allem mit dem Pianisten Chris Fishman versteht er sich musikalisch prächtig. Immer wieder werfen sie sich musikalische Bälle zu, die der jeweils andere für wunderbare Improvisationen aufnimmt. Dann darf sein Schlagzeuger Joe Dyson auch ein ausgiebiges Solo vortragen, bis Metheny dann mit einer elektrisch umgebauten Akustik-Gitarre grelle experimentelle Gitarren-Sounds aus der Free-Jazz-Abteilung beisteuert - total schräg! Aber der Großmeister beherrscht auch die leisen Töne, wie bei dem brasilianischen Stück, wo er sitzend mit der akustischen Gitarre Samba-Klänge erzeugt, während Leonard Patton ein wunderbares portugiesisches Lied singt. Ganz großes Kino, das mit Recht mit viel Applaus bedacht wurde.



Normalerweise spielt Metheny ja überwiegend im klassischen Trio mit Joe Dyson an den Drums und Chris Fishman am Piano, aber für die aktuelle Scheibe hat er sich bis zu 15 Leute zur Verstärkung geholt, sowie einen Chor. Bei seiner momentanen Tour durch Deutschland von Flensburg bis München verstärken also ein junger Bassist, wie Jermaine Paul und der wunderbare Sänger Leonard Patton seine Band. Wobei sich wieder einmal zeigt, dass Pat Metheny immer wieder junge Musiker entdeckt und fördert. Ohne dabei den großen Lehrmeister zu geben, sondern besonders talentierten Musikern die Möglichkeit eröffnet, ihre Fähigkeiten zu verbessern und zu präsentieren. Dementsprechend lobt er seine Mit-Musiker auch am Ende besonders und stellt sich selbst eher bescheiden an die Seite.

Ein außergewöhnlich authentisches Konzert mit insgesamt großartigen Musikern, denen man den Spaß am Spielen von Beginn an abnahm und das natürlich am Ende mit Standing Ovations und nicht enden wollendem Jubel verdient seinen Abschluss fand.


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