Die Unsterblichen, Foto: SFI

58. Nordische Filmtage
"Die Unsterblichen"

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Mit seinem dritten, an Jugendliche ab 14 gerichteten Spielfilm Die Unsterblichen (S: Odödliga, E: Eternal Summer) lässt der schwedische Regisseur Andreas Öhman die Zuschauer mit sehr zwiespältigen Gefühlen zurück. Angelehnt an den Klassiker Bonnie and Clyde zeigt der Film zwar sehr gute Schauspielleistungen, aber dafür eine schwache Story, Längen und eine fragwürdige Botschaft.

Nach ein paar kurzen turbulenten Wirrungen begegnen sich der mutterlos aufgewachsene und beziehungsunfähige Isak und die als Adoptivkind in ordentlichen Verhältnissen aufgewachsene Em in einer etwas irren Situation und fahren kurzentschlossen nach Nordschweden, um ein Cello für Ems Schwester Felicia zu stehlen. Während das Pärchen nicht nur zueinander findet und dabei beginnt, die Tour mit Raubüberfällen zu finanzieren, zeigen Zwischenschnitte, wie Felicia sich durch Ems bisheriges Leben forscht, wobei die Tagebuchausschnitte als Filmsequenzen gespielt werden.

In diesen filmerisch interessant umgesetzten Abschnitten zeigen sich so manche Abgründe auf, die Em als völlig haltlose, verantwortungslose, selbstsüchtige Person zeigen, die aber im Inneren sensibel und verletzlich ist. Dass sie mit 8 adoptiert wurde, wird erst durch die im späten Filmverlauf abgelegte "Beichte" des Vaters gegenüber Felica bekannt, Em wurde also als eigene Tochter aufgezogen. Spätestens nachdem Em einen Hausbesitzer, der sie in seinem Haus stellt, ermordet hat, hätte man schon gerne gewusst, warum sie so ist. Irgendwelche, in einem Nebensatz erwähnten "schlimmen Sachen", die sie als Kleinkind durchgemacht haben soll, werden jedenfalls nicht weiter ausgeführt und sind als Aufhänger für eine Bonny-and-Clyde-Karriere ziemlich mau und weit hergeholt.

Filmszene aus die Unsterblichen, Foto (c) Andreas ÖhmanFilmszene aus die Unsterblichen, Foto (c) Andreas Öhman

Gänzlich aus dem Lot gerät die Story dadurch, dass Iask und Em mit ihrem fingierten Tod mal wieder ohne Konsequenzen - so wie schon in ihrem ganzen bisherigen Leben - davon kommen. Ob dieses Happy-End den von den Filmmachern vermuteten Wünschen der angepeilten Zielgruppe (empfohlen ab 14) geschuldet ist, bleibt genauso offen, wie die Frage, ob die Botschaft wirklich diese sein soll: Mach, was du willst, füge Anderen Schaden zu - so lange du jung und cool bist, geht das in Ordnung. Im Zweifel ist halt die Gesellschaft schuld.

Die Unsterblichen/Odödliga/Eternal Summer
Schweden 2015
Regie: Andreas Öhman
Darsteller: Madeleine Martin, Filip Berg, Torkel Petersson, Fanny Ketter 

Marvin
Schreibt seit 2009 für "unser Lübeck". Schwerpunkt: Film (Nordische Filmtage) und Konzerte.
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