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Winni Schaak

Einer der spannendsten Bildhauer Deutschlands lebt in Lübeck, genauer: in Schlutup. Winni Schaak schuf über 20 Plastiken für den öffentlichen Raum, stellte in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland aus. Diverse angesehene Auszeichnungen erhielt Schaak für seine Werke. Es lohnt, sich mit seiner Kunst einmal genauer auseinanderzusetzen.

Schaak erschafft mit seiner Metallbildhauerei eine sehr eigene Formensprache. Sein bevorzugtes Material ist der Cortenstahl. Ein Blick in seine Werkstatt und in den Ausstellungsraum zeigt, wie vielseitig Winni Schaak hinsichtlich Größe und Formvariation ist. Es ist eine geradezu konstruktive Formensprache, die einen beim Betrachten schnell fasziniert. Schlicht, aber raffiniert. Streng, und gleichzeitig verspielt. Geradlinig oder in schlichter Bogenführung, doch auch eigenwillig aus dem Lot, wie die 2015 entstandene Skulptur „Aus dem Lot gekippt“.

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Wellen, die in ihrer Bewegung mehr als eingefroren wirken, fordern das betrachtende Auge zu Bewegung und Ruhefindung gleichermaßen heraus. Ein 150 Zentimeter hoher, 3 Meter langer und 35 Zentimeter tiefer „Wellenlauf“ steht seit 2012 auf dem Marktplatz von Schlutup. Winni Schaak beweist besonders in diesem Werk sein Gespür für eine ungewohnte Linien- und Dimensionensprache. Diese bewegliche Skulptur kreierte der Künstler im Wissenschaftsjahr 2012 zu dem Themenkomplex Nautik/Optik. Der „Wellenlauf“ ist drehbar, kann in Bewegung gebracht werden. Dazu das Material: der präzise bearbeitete, gerostete Stahl mit besonderer Farbnuance und Haptik, nun der Witterung ausgesetzt, aber nur langsam weiterrostend.

Nichts an seinen Werken überlässt Winni Schaak dem Zufall. Ausgangsmaterial Stahl oder Bronze beherrscht der Künstler: „Meine Arbeit ist ganz konkret, ich lass da nichts Zufälliges geschehen“, betont Schaak. Aus technisch perfekten Schweißkonstruktionen werden faszinierende, spannungsreiche Skulpturen geschaffen.

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Der gelernte Schmied erklärt: „Der Reiz liegt für mich darin, das Material so zu verändern, wie ich es haben will.“ Jeder Bildhauer habe seine Nische hinsichtlich der Techniken, erläutert Schaak: „Unterschiedliche Stile unterscheiden sich wie Pinselstriche beim Malen.“ Insbesondere die Oberflächenbehandlung des Stahls ist bei Schaak sehr originär, ein Resultat jahrelanger Erfahrung. Diese spezielle Behandlung der Stahloberfläche hat sich Schaak über Jahre erarbeitet, es ist sein künstlerisches Geheimnis.

Winni Schaak, geboren 1957, stammt aus Kropp (Kreis Schleswig-Flensburg). 1984/85 ging er als Schmied auf Wanderschaft, 1985 wurde er Schmiede- und Schlossermeister. Es folgte das Studium der Bildhauerei bei Wolfgang Bier in Aachen, das er 1990 mit einem Diplom in Objektdesign abschloss. 1990 bis 1991 unternahm Schaak eine Studienreise nach Indonesien und Australien. Eine Auswahl seiner Preise und Auszeichnungen: 1991 Erster Preis Surfers Paradise/AUS; 1992 Zweiter Preis, Torsi, Elfenbeinmuseum Erbach; 2001 Dritter Preis, Schaf-Lamm-Widder, Westerhever/Eiderstedt; 2002 Preisträger, Galerie auf dem Wasser, Schlei/Schleswig und 2003 Sonderedition-Jahresgabe-Lichtwarkgesellschaft, Hamburg.

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Seit 2008 lebt und arbeitet Winni Schaak in Lübeck-Schlutup. Zusammen mit dem Maler und Grafiker Volker Große und der Kunsthistorikerin Petra Severin gründeten Winni Schaak und seine Frau Andrea Finke-Schaak den Schlutuper Kulturfrühling, um im Ort kulturelle Akzente zu setzen. „Wir wollen den Stadtteil interessanter machen“, sagt Winni Schaak über sein jährlich stattfindendes Projekt, das jeweils im Schaakhaus mit einer Ausstellung eröffnet wird.

Grundlage in Winni Schaaks Arbeiten ist die geometrische Form. Beispielsweise die Grundform des Kubus oder des Quaders wird hinsichtlich Kantenführung und Proportionen stark variiert, Sehgewohnheiten werden irrregeführt. Man fühlt sich mitunter zu einem perspektivischen Spiel herausgefordert: Gerade Kanten werden gebogenen Linien entgegengesetzt, Flächen – plan oder auch gewölbt – korrelieren mit Körper und lassen die relativ schmal gearbeiteten Plastiken mitunter voluminöser wirken, als sie sind. Manche Werke erinnern an statische Gebäude, manche irgendwie an Wesen, die aus der geometrischen Urform heraus geboren sind und nun ihr Dasein behaupten.

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Reizvoll ist vor allem das Wechselspiel in der Betrachtung, wenn Dreidimensionales plötzlich zweidimensional wirkt – und umgekehrt. Es gehe ihm auch um Verwandtschaften in der Formsprache, mit denen er Variationen ausloten könne, sagt Schaak über seine Arbeiten: „Ich arbeite in kleinen Schritten. Wenn ich etwas sehe und beobachte, überlege ich, ob es auch isoliert eine Berechtigung haben könnte. Und dann probiere ich es aus.“ Die Reduzierung spiele eine große Rolle, erläutert der Künstler. Gerade in seinen sogenannten „Kopfkartons“ überraschen die Durchbrüche. Zu Beginn dieser Werkreihe der Kopfkartons waren die Durchbrüche noch gerade, erst so nach und nach begann Schaak mit den Veränderungen im Kleinen. Die Skulpturen und Aussparungen werden gekippt, verzerrt, in verschiedener Ausprägung variiert. Durch die Platzierungen der Aussparungen – mittig oder versetzt –, wird das Spielerische beim Betrachten potenziert, ohne dem Kunstwerk die Seriosität abzusprechen.

Abstrakt oder eher realistisch oder gar figurativ; kompakt oder durchbrochen oder durch einen Spalt geteilt – die Ausprägungen der Formensprache ist in Schaaks Werk erstaunlich variantenreich. „Hausungen“, „Spalt“, „Zahnung“ oder schlicht „Fächer“ sind Werke von ganz anderer Charakteristik als die Kopfkartons. Teilweise wie gewachsene, metallene Monolithen wirken sie, kompakt und fest gefügt. Andere Werke wiederum fallen durch die Einschnitte auf, die dem Monumentalen die Wucht nehmen. Allen ähnlich ist die Herausforderung an den Betrachter, sich auf das Spiel und die Variation der Formen einzulassen und deren Wandelbarkeit wahrzunehmen. Ob monumental oder im Kleinformat – in allen Werken Schaaks spricht heraus: Der Anspruch an die Form, ihre Wandelbarkeit, ihre Herausforderung. Und zweifellos für den Betrachter: Ihre Erlebbarkeit.

www.winnischaak.de

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Fotos: Susanne Birck