Das Kasper-Ensemble steckt in der Krise. Die alten Stücke laufen nicht mehr, das Publikum bleibt aus, und Kasper selbst wirkt wie jemand, der nicht versteht, warum die Welt plötzlich anders tickt als früher. Er ist nicht böse. Er ist nicht dumm. Er will einfach nicht. Veränderung ist nichts für Kasper. Und Beziehungsarbeit erst recht nicht.
Gretel sieht das anders. Gretel sieht eigentlich alles anders – und hält nebenbei das gesamte Ensemble zusammen, ohne dass es jemand merkt. Ihr Vorschlag: Ein neues Stück. Reißerisch, zeitgemäß, für Erwachsene. „Fifty Shades…" liegt auf dem Tisch. Kasper blockt ab. Und damit nimmt die Geschichte ihren Lauf.
Gretel macht sich auf den Weg in die Unterwelt. Zum Teufel – der natürlich ein Pritschenstudio betreibt und sofort weiß, wie er helfen kann. Zu Hause beginnen währenddessen Räuber, Seppel und Krokodil die Revolte, weil Frauenfiguren fehlen und der Laden ohne Gretel schneller zerfällt, als Kasper „Nein" sagen kann. Und die Großmutter? Dement, ängstlich, und auf der Bühne lautstark auf der Suche nach dem deutschen Mutterkuchen und einfachen Wahrheiten, die sie schützen sollen. Man kennt das. Man lacht. Und dann sitzt es.
Denn darum geht es bei „Fifty Shades of Gretel" eigentlich: Was passiert mit einer Kunstform, die nicht mehr gefragt ist? Was passiert mit Menschen, die sich nicht verändern wollen – oder können? Und wer hält den Laden eigentlich am Laufen, solange die anderen streiten? René Linkes Text ist reißerisch, politisch inkorrekt und auf erotischen Abwegen – aber darunter liegt eine Komödie mit echtem Biss. Das Potpourri deutscher Prototypen prallt aufs 21. Jahrhundert, und das mit einer Wucht, die man von Kasper so nicht erwartet hätte.
Bestseller für Erwachsene. Kein Stück für Kinder. Zwei Abende, eine klare Empfehlung.
Freitag, 14. August 2026, 19:30 Uhr – Tickets
Samstag, 15. August 2026, 19:30 Uhr – Tickets
KOLK 17 Figurentheater & Museum · Kolk 14, 23552 Lübeck
Weitere Infos unter www.kolk17.de

