Foto: Stiftung 7. Dezember 1970

Willy Brandts Kniefall in Warschau
Gründungsfeier der Stiftung 7. Dezember 1970

„Stiftung zum 7. Dezember 1970“ heißt die neue Stiftung, die der Lübecker Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Rolf Grasse kurz vor seinem Tod ins Leben gerufen hat. Die Gründungsfeier wird am Mittwoch, den 7. Dezember 2016 um 19:30 Uhr in der Lübecker Kirche St. Aegidien stattfinden.

Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, an den Kniefall Willy Brandts in Warschau zu erinnern. Vor 46 Jahren fiel der damalige deutsche Bundeskanzler für alle politischen Beobachter völlig überraschend am Denkmal für die Helden des jüdischen Ghettoaufstands in Warschau auf die Knie. Der Kniefall Willy Brandts in Warschau veränderte die Welt und prägte den Stifter Rolf Grasse. Die Geste steht für Willy Brandts Ostpolitik und für die Bitte um Vergebung, ohne die Verständigung und Frieden nach Gewalt und Krieg nicht möglich sind.

Der Kniefall ist daher auch Symbol und Mahnung für den Umgang mit den Folgen von Krieg und Vertreibung heute. Für seine Friedenspolitik erhält Willy Brandt am 7.12.1970 in WarschauWilly Brandt am 7.12.1970 in WarschauWilly Brandt später den Friedensnobelpreis. Nach dem Willen des Stifters soll jährlich um dieses Datum herum (7. Dezember) in einer der vier Lübecker Innenstadtkirchen ein Konzert zur Erinnerung an dieses Ereignis stattfinden. Er hat die Stiftung mit 1.000.000 € ausgestattet. „Der Kniefall von Warschau war eine Geste der Weitsicht und ist für unsere Gesellschaft bis heute noch prägend“, sagt Birgit Grasse, die Stiftungsratsvorsitzende und Frau des Stifters. Sie verweist darauf, dass es seit mehr als 70 Jahren Frieden in Europa gebe, eine so lange Zeit wie niemals zuvor. Darum bezeichnet sie die Stiftung als eine Einrichtung für Frieden, Versöhnung und Freundschaft. Denn nach dem Willen des Stifters sollen auch Künstler aus dem Ausland bei den Konzerten auftreten, vor allem aus den Ländern, die unter dem Vernichtungskrieg des Hitler-Deutschlands gelitten haben.

Die Stiftung hat sich aber noch mehr vorgenommen. Sie will in Kooperation mit dem Willy-Brandt-Haus Lübeck auch junge Leute ansprechen, bei denen dieses Datum nicht mehr präsent ist. So sollen nicht nur Konzerte für junge Leute angeboten, sondern auch Schulen und besonders politisch interessierte junge Menschen in unterschiedliche Aktivitäten eingebunden werden. Die Stiftungsverantwortlichen planen über das Jahr verteilt unter anderem Vorträge, Ausstellungen oder auch Aktionen für und mit den Bürgerinnen und Bürgern Lübecks.

Birgit Grasse, StiftungsratsvorsitzendeBirgit Grasse, Stiftungsratsvorsitzende

„Ich wünsche mir, dass die Geste Willy Brandts eine Mahnung oder Vorbild für die Menschen oder Machthaber ist, die für Krieg und  Vertreibung in vielen Teilen der Welt verantwortlich sind und dadurch massiv die Menschenwürde missachten“, sagt Birgit Grasse. Auf diese Missstände will die „Stiftung zum 7. Dezember 1970“ mit ihren Aktivitäten als Friedens- und Freundschaftsstiftung immer wieder aufmerksam machen.

Zu der Gründungsfeier am 7. Dezember 2016 um 19:30 Uhr in der Kirche St. Aegidien zu Lübeck sind alle interessierten Lübeckerinnen und Lübecker eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Die Grußworte sprechen Bernd Saxe, Bürgermeister der Hansestadt Lübeck, und Björn Engholm, Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein a. D. Den musikalischen Rahmen bilden das Ensemble Amarcord – weltberühmtes Vokalensemble aus Leipzig und mehrfacher Echo-Preisträger – gemeinsam mit Eckhard Bürger – Leiter des Lübecker Bach-Chores, Kirchenmusiker an St. Aegidien, und Johannes Unger – Organist an St. Marien zu Lübeck. Nach der Veranstaltung bitten wir Sie zu einem Empfang mit Wein, kleinen Köstlichkeiten und regem Gedankenaustausch.

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