War das Publikum zur Eröffnung der diesjährigen Werft-Open-Air-Saison beim Auftritt des eher biederen Deutsch-Popper Mark Forster familienfreundlich und Teenager-lastig, so kamen die Fans der geballten Live-Power und lautstarken, derben Punk-Attitude jedoch eher aus der älteren Wacken-Fraktion mit Metall-Kutten und Punk-Klamotten.
Waren doch zum Doppel-Konzert der Altvorderen der Crossover- und Punkrock-Garde Deutschlands die H-Blockx und Donots am Start. Das Rockereignis der Saison voller Emotionen und echter Freundschaft, laut, ehrlich und voller Herzblut.Die H-Blockx aus Münster waren viele Jahre weg vom Fenster, obwohl sie seit über 30 Jahren mit ihrem energiegeladenen Crossover die Hitparaden dominierten. Nach 2012 hatten sie sich zurückgezogen und keine neuen Platten mehr produziert.
Der Sänger Henning Wehland erzählte im Konzert sehr ehrlich von seiner Depression und der realen Gefahr einer Alkoholabhängigkeit. Jetzt sei er seit 5 Jahren trocken und es gehe ihm wieder gut. Besonders die persönliche Freundschaft zu den Donots aus Ibbenbühren habe dafür gesorgt, dass sie wieder eine neue Scheibe produziert haben. Auf deren Label erschien im Frühjahr 2026 dann auch mit „Filling the Blank“ die lange von den Fans herbei gesehnte, neue Platte. Also war auch die Idee einer gemeinsamen Tour durch Deutschland schnell geboren.
Dementsprechend eröffneten die Recken der H-Blockx in ihren sportlichen Outfits ihre rasante Show mit „Straight Outta Nowhere“ von der neuen Scheibe und gelenkigem Posing von Bassist Stefan Hinz. Gleich 5 Stücke vom neuen Album wurden präsentiert, wobei besonders „Desperado“ lauthals mitgesungen wurde von den begeisterten Fans. Dazu gab es einen bunten Strauß ihrer fettesten Hits aus den vergangenen Jahrzehnten wie: „Rising High, Countdown to Insanity, Move, Revolution, Can’t get enough oder Leave me alone“. Den Schlusspunkt ihres Gigs mit Jubelstürmen, Kreistänzen und geschwungenen Händen setzte das wunderbare Cover vom Jonny Cash-Klassiker „Ring of Fire“.
Umbaupause und Auffrischung der Alkohol-Reserven verkürzten die Zeit zum Auftritt der Donots, die noch einen riesigen Vorhang mit dem Band-Logo hochzogen. Zum Intro „Heute ist ein guter Tag“ - einem Kommentar zum Weltuntergang, fiel der Vorhang und die scheinbar kaum älter gewordenen Donots stürmten die Bühne. Sänger Ingo Knollmann vollführte gewagte Spreizsprünge und schien teilweise über der Bühne zu fliegen. Sein Bruder an der Gitarre, natürlich ebenfalls voll tätowiert, poste auf einer Box und ließ die Gitarre hinter dem Rücken heulen.
Richtig los ging es mit „Auf sie mit Gebrüll“, was ernst gemeint war und tatsächlich so rüberkam. Seit über 30 Jahren Bandgeschichte haben die Herren aus Ibbenbüren mit ihrem Mix aus Punkrock und Alternativ die Republik musikalisch aufgemischt. Und natürlich sind die Knollmann-Brüder auch für ihre frechen Zwischentexte berühmt. So erklärte Ingo gleich’ zu Beginn, wie geil er die Location Gollan-Werft fand, die er sofort besetzen und okkupieren wollte.
Auf die Frage wo denn die Besitzer Gollan so wären, erkannte der Gitarrist die Besitzer hoch oben auf einer Treppe am Werft-Gebäude. Sie wurden gegrüßt und ihnen wurde bekannt gegen, dass die Donots das Gelände jetzt übernehmen würden. Doch Chef Thilo Gollan zeigte sich kulant und erschien drei Stücke später mit einer Ladung Jägermeister auf der Bühne und zeigte sich großzügig. Unter dem Jubel der Fans wurde der Kräuterschnaps sogleich verköstigt, obwohl Ingo Knollmann eigentlich betonte, dass er normalerweise erst nach der Show trinken würde. Aber nützt ja nix! Weg damit! Und die meisten Fans prosteten mit.
Dann gab es eine geballte Ladung der derbsten Punk-Rocknummern, wie die alten Hits: „Wake the Dogs, Calling, Kaputt, What ever happened to the 80s oder Stop the clocks“. Und natürlich durfte auch die übliche Tour mitten ins Publikum nicht fehlen. Gemeinsam mit einer Palme stürzte sich Sänger Ingo Knollmann unters Volk und wurde von den Fans auf Händen getragen. Mit „Problem kein Problem“ und „We’re not gonna take it“ lief die Show dann weiter ziemlich aus dem Ruder.
Während einige Herren, durch zu frühes Vorglühen schon bereits zu Beginn des Konzerts so stramm waren, dass sie von ihren Kumpels aus der Menge geführt werden mussten, hatten die meisten Fans noch genügend Standfestigkeit zum Tanzen, Pogo-Springen und Moshen. Dann war aber mit „So long“ tatsächlich Schluss und ein echt derber, ehrlicher, lautstarker Rockabend der Extra-Klasse fand sein Ende. Gerne mehr davon in Zukunft.
Fotos: (c) Holger Kistenmacher

