Die „Zählenden Krähen“, die Alternativ-Folk-Rocker aus den USA sind ein Phänomen: Kaum einer kennt den Bandnamen, aber fast alle können die klassischen Welt-Hits der Band wie „Mr. Jones“ oder „Omaha“ mitsingen. Dabei gibt es die Counting Crows bereits seit über 30 Jahren mit Plattenverkaufszahlen von mehr als 20 Millionen Exemplaren.
Gegründet vom charismatischen Sänger Adam Duritz und seinem Kumpel, dem Gitarristen David Bryson 1991 in San Francisco, hatte die Band bereits mit ihrem Debütalbum „August and Everything After“ von 1993 weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt und mit „Mr. Jones“ den klassischen Über-Hit produziert. Richtig bekannt wurden einige Titel der Band aber erst, weil man sie für Filme aus Hollywood nutzte wie „Colorblind“ für „Eiskalte Engel“, „Accidentally in Love“ für „Shrek 2“ und „Big Yellow Taxi“, ursprünglich ein Cover von Joni Mitchell für „Ein Chef zum Verlieben“. Aber auch die Ehre, 1994 die Rolling Stones auf ihrer „Voodoo Lounge Tour“ als Vor-Band zu begleiten, hatte ihrer Popularität mit Sicherheit nicht geschadet.
Gitarrist David Bryson
Jetzt waren die sieben Musiker (Adam Duritz-Gesang und Klavier, David Bryson - Gitarre, Dan Vickrey - Gitarre, David Immerglück - Gitarre und Mandoline, Charles Gillingham - Keyboards und Akkordeon, Jim Boogies - Drums, Millard Powers - Bass) im Rahmen ihrer halbjährigen Welttournee in Hamburgs schönster Open-Air-Location zu Gast. Sie begannen mit „Spaceman in Tulsa“ von ihrem aktuellen Album von 2025 „Butter Miracle, The Complete Sweets“, nach dem auch die Tour benannt war. Und natürlich zur Freude aller sanges- und textsicheren Fans ging es mit „Mr. Jones“ gleich weiter. Dann folgte der sehr kommunikative und emotionale Teil des Abends, denn Sänger Duritz war in Plauderlaune.
Er sei froh, endlich wieder nach Hause zu kommen, denn Hamburg sei die vorletzte Station der ausgiebigen Tournee rund um den Globus, erklärte er den Fans. Auf die Frage eines Fans, wo denn sein Zuhause sei, antwortete er mit New York City und es entwickelte sich ein Geplänkel mit den Bandmitgliedern und den Fans. Er erzählte von seiner Frau, Zoe Mintz, die er vor 10 Jahren kennengelernt hatte und „die alles in meinem Leben verändert hat“. Vor einigen Jahren hatte er seine psychischen Probleme öffentlich gemacht, was vielleicht auch die oft depressiven Folk-Rock-Songs erklärt. Dementsprechend sind die Auftritte von Adam Duritz meist durch emotionsgeladene Gesangsdarbietungen mit viel Gefühl, Gestik und Theatralik gekennzeichnet.
Adam Duritz in Plauderlaune
Aber beim Auftritt in Hamburg war er gut drauf und in Plauderlaune. So erklärte er dem Publikum, dass seine Frau den Song „Accidentally in Love“, den er zuletzt kaum mehr spielen mochte, weil der so schwer zu singen war, weil er zwischendurch kaum atmen konnte, für die aktuelle Setliste gerettet hatte. Sie habe einfach vorgeschlagen, dass die anderen Bandmitglieder einzelne Parts singen sollten, damit er genügend Luft kriegt, was auf Anhieb im Studio klappte. Also wurde die Nummer auch in Hamburg unter dem Jubel der Fans gespielt und kurz danach, als Liebeserklärung an seine Frau, auch noch “With Love from A-Z“ vom aktuellen Album, das gewohnt den klassischen Counting Crow-Sound fröhnt - aus Blues, Country, Folk und 90er Jahre Rock.
Aber ansonsten gab es einen bunten Strauß an Nummern aus der gesamten Karriere der Band auf die Ohren, während Duritz sich auch schon einmal auf die Stufen zur Bühne setzte, um weiter mit den Fans zu kommunizieren. Der 61jährige Sänger überzeugt eben nicht nur mit seiner nach wie vor gut erhaltenen stimmlichen Kraft, sondern auch mit seiner Glaubwürdigkeit und Kommunikationsfreudigkeit mit dem Publikum und seiner Band. Zur allseitigen Überraschung setzte er sich dann auch noch an das Klavier und sang seine Version von „The 1“ von Taylor Swift. Als sie nach „Rain King“ dann die Bühne verließen, hatten die Fans, (gut 2500 von ihnen hatten es trotz Fussball-Halbfinale in den Stadtpark geschafft), aber noch lange nicht genug. Also erkämpften sie sich noch drei Zugaben: „Under the Aurora“, „Hanginaround“ und „Hollyday in Spain“.
Counting Crows im Hamburger Stadtpark Open Air
Aber am Ende bedankte sich nicht nur die Band bei dem begeisterten Publikum, sondern Adam Duritz erklärte sichtlich bewegt: „Alles, was ich als Kind wollte, war genau das hier zu tun. Uns gibt es jetzt seit 30 Jahren - das wäre ohne euch nicht möglich geworden. Es ist das Beste, was mir je passiert ist“. Und ein Wiedersehen in Hamburg versprach er außerdem.
Fotos: (c) Holger Kistenmacher

