2026 feiert das Genre-übergreifende Musikfestival zwischen Klassik, Jazz, Rock, Swing und Folk-Musik bereits sein 10jähriges Jubiläum und widmet sich dieses Jahr der französischen Musikszene von der Romantik über dem Jazz bis zur aktuellen Musik des 20.Jahrhunderts. Im Mittelpunkt des aktuellen Neujahrskonzert stand dementsprechend die deutsch-französische Freundschaft.
So sprach Bernd Jorkisch, der Doyen des Konsularkorps Schleswig-Holstein in seiner Eröffnungsansprache auch besonders über die Notwendigkeit der freundschaftlichen Achse Berlin-Paris in Zeiten von geopolitischen Verwerfungen, Krisen und Kriegen in der Welt. Freundschaft und Zusammenhalt auch im sogenannten Weimarer Dreieck mit Polen müssen leitend sein, damit die europäische Idee von Freiheit, Demokratie und Grundrechten ihren Bestand hat. Gerade in Zeiten von Despoten und dem US-amerikanischen Präsidenten, der nach Grönland und Kanada schielt und dabei sein eigenes Volk bekämpfen lässt mit Menschenverachtung und Spaltung und Hass. Gelebter Internationalismus und Freiheit von Kultur und Wissenschaft, wie auch Pressefreiheit und Solidarität mit allen, die Hilfe benötigen sind heute wichtiger denn je.
Classical Beat Neujahrskonzert im Atlantic Grand Hotel Travemünde
Darauf verwies auch Teil zwei der Veranstaltung: Es wurden Ausschnitte der historischen Begegnung zwischen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle aus dem Film „An einem Tag im September“ (14.09.1958) gezeigt, die ausgehend von privaten Gesprächen über persönliche Schicksalsschläge im Privathaus des französischen Präsidenten zu einer Aussöhnung und Freundschaft zwischen den ehemaligen Erz-Feinden aus dem 2. Weltkrieg führten.
Als Gast zu diesem Programmpunkt war der Schauspieler, Regisseur und Autor Fabian Busch geladen, der im Film den persönlichen Assistenten von Konrad Adenauer, Günter Bachmann dargestellt hatte. Im Podiumsgespräch erzählte er von der Filmarbeit mit deutschen und französischen Kollegen und den sprachlichen Problemen, weil er selbst kein französisch spricht und eigentlich eher „Italophon“ sei. Trotzdem findet er Frankreich „cool“ und sei persönlich schon einmal per Fahrrad den berühmten Tour de France-Berg, den Mont Ventoux raufgefahren. Aber auch für ihn seien Freundschaft, künstlerischen Freiheit und Unabhängigkeit eine absolute Grundvoraussetzung für sein Leben und seine Arbeit.
Der Schauspieler Fabian Busch im Gespräch
Doch dann folgte endlich der Part der Veranstaltung, auf den alle gewartet hatten: Das Konzert der Freundschaft mit den jungen Musiker*innen der Classical Beat European Jazz Companions. Diesmal hatte der musikalische Leiter, der Saxophonist und Flötist Pierre Bertrand insgesamt 7 junge Musiker*innen aus Deutschland, Frankreich und Brasilien versammelt, die verstärktt wurden durch den Akkordeon-Virtuosen Christophe Lampidecchia. Beschwingt und leichtfüssig legte das Orchester los mit typisch französischen Walzerklängen aus dem Musik-Schwerpunkt „Montmartre´s Music“.
Dieser Pariser Stadtteil ist seit den 20er Jahren das Zentrum der Kultur, der Musik, des Theaters, der Malerei und des Kabaretts in der französischen Hauptstadt. Also soll auch das Verbindende dieser Musiktradition von Komponisten wie Carl Maria von Weber, Maurice Ravel oder Frédéric Chopin zelebriert werden.
Der Akkordeon-Virtuose Christophe Lampidecchia
Aber auch der französische Walzer verbindet sich im Konzert leichtfüssig mit Jazz-Einflüssen eines Stéphane Grappelli. Verträumt lässt Christophe Lampidecchia seine Finger über die unzähligen Knöpfe seines blauen Akkordeons fliegen, während Lisa Murcia jazzige Töne aus ihrer Violine beisteuert. Auch die Verbindung zwischen den eher düsteren Töne aus Chopin´s „Prelude No.4“, gekonnt von Noé Degalle am Klavier angeschlagen, wirkt elegant und stilsicher, wenn Mona Faruel am Gesang plötzlich zu einem tanzbaren Bossanova umschwenkt. So wechseln die Stücke von eher klassischen Klängen rasant zu Jazz und Chancons. Besonders die beiden Sängerinnen (Mona Faruel und Illana Bensemhoun) begeistern das Publikum mit rasantem Sprechgesang oder klaren Stimmen, wenn sie die Brücke zwischen Salon, Tanz und Konzertsaal schlagen.
Ikonen der französischen Musik wie Édith Piaf, Charles Trenet und Gus Viseur finden natürlich ebenfalls Berücksichtigung, wie auch natürlich der Akkordeonist einen musikalischen Blick auf den südamerikanischen Ausnahmemusiker Astor Piazzolla anklingen lässt. Unterstützt wird er dabei natürlich auch von einem wunderbaren Gitarrensolo des brasilianischen Gitarristen Lucas Passos Brum, der dabei völlig in seinem Element war.
Der junge Pianist Noé Degalle
So feiert ein beschwingtes Publikum wieder einmal einen grandiosen Musik-Mix, für den das Festival bekannt ist. Man darf also gespannt sein, was alles geboten wird im Juli 2026, wenn es heißt „Let`s Dance - Nächte am Montmartre“. Saal-übergreifend machte sich große Begeisterung und Freude breit, bevor es für alle wieder hieß: Hinaus in die Kälte und den beißenden Wind am Ostseestrand von Travemünde.
Foto: (c) Holger Kistenmacher











