Vom 19.-21 Juni '26 findet das Avantgarde Festival im lauenburgischen Schiphorst statt. Die Provinz lebt. Erneut und immer noch.
Avantgarde (frz.) heißt soviel wie Vorhut, ein militärischer Begriff für Soldaten, die Gelände im Vorfeld sichten, und in den Künsten jenseits von Uniformität und Gehorsam dafür steht, übliche Pfade zu verlassen, Bilder zu stürmen. Für Innovation letztlich.
Foto: Antye Greie-Ripatti, AGF
Nicht nur, aber auch und gerade für die Popkultur war die Avantgarde oft eine wichtige Ideengeberin. Nicht so sehr für die breite charts-orientierte Mitte des Mainstream, eher für Leute wie David Bowie; seine Zusammenarbeit mit dem definitiven Avantgardisten Brian Eno Ende der 70er in Berlin und dessen Prägung durch das deutsche Elektronik-Duo Cluster ist ein Paradebeispiel. Eins führt zum anderen.
Hotspot Schiphorst
Das Avantgarde Festival, 1996 gegründet unter dem Namen Sommersonnenwenden-Fete, findet seit 2004 im Dörfchen Schiphorst statt, 25km von Lübeck im Kreis Herzogtum Lauenburg. Um die Ecke.
Foto: (c) Kristina Zalesskaya
Eine finanzielle Zwangspause musste zwischendurch durchgestanden werden – die Familienkasse war leer, die Verluste nicht mehr zu verkraften –, wurde durchgestanden und die Unabhängigkeit im Verein Avantgarde Schiphorst e.V. wiederhergestellt.
Bekanntester Name unter unter den Machern und Gestaltern des Festivals ist Jean Hervé Péron, Gründungsmitglied der stellenweise kultisch verehrten Krautrock-Band Faust ab '71. Klang-Innovatoren zwischen Idee und konkreter Umsetzung, Urväter und Paten von Industrial Music und Elektronik. Die für die ersten zwei Alben des US-britischen Europäers Peter Blegvad und seine Band Slapp Happy als Backingband arbeiteten, damals, 1972 und '74.
Foto: (c) Laurence Louisfert
Blegvad ist ein absoluter Künstler, ein von bewunderten Musikern bewunderter Musiker vor allem als Songschreiber, Poet, auch Cartoonist, Maler, Journalist, Dozent für kreatives Schreiben z.B. am renommierten London Art College. Nun ist Blegvad beim Festival – wenn auch nicht in person, sondern in einer Ausstellung über sein umfangreiches Schaffen. Empfehlung!
Das Programm:
Anspruchsvoll, herausfordernd, eher nicht in den üblichen Allltagsbegriffen auszudrücken. An- und Entspannung. Luft und Boden. Ein zeitlich begrenzter, anderer Lebensraum für Leute mit Freude am Unerwarteten. Keine elitäre Attitüde, wie der sehr schön schlichte Name der Veranstaltung erkennen lässt.
Andromeda Mega Express Orchestra, Foto: (c) Arnaud Ele
Zu den auch außerhalb der Avantgarde und des Experiments bekannten Namen auf der Bühne zählen das Andromeda Mega Express Orchestra – Space Jazz Big Band aus Berlin mit internationalem Renommee, Kompetenz und astreiner Spielgier. Und die Kraut-Heroen und Worldmusik-Vordenker Embryo in der Generation 2.0, der Nachwuchs hat übernommen. Der Copenhagen Clarinet Choir, die italienische Feedback-Perkussionistin Luciana Rizzo. Tanzflur mit DJane Monita Wagma. FaUSt na klar. Die Dachdeckende Randgruppe aus DO mit Schmink-Couture und „Kunst Noise Schabernack“. Ein Workshop über das Hören als „radikale Aufmerksamkeit“, wie US-Avantgarde-Komponistin Pauline Oliveros das bezeichnet hat. U.v.a. unterschiedlich diverse Künstler*nnen aus Australien, den USA, Europa. Und
Foto: Luciana Rizzo
Neben dem Hauptprogramm die Annex, ein geräumiger Bühnenbereich innerhalb des Geländes für Performance und Auftritte aller Art – offen prinzipiell für jeden und jede. Keine Voranmeldung, Slots gibt es vorort.
Infos und Clips über die Künstler, zu Anfahrt, Campen, Baden, Essen etc. auf der Website: Ausgesprochen faire Ticketpreise vom 3-Tages-Päckchen bis zum einzelnen Tagesticket, Sonderkonditionen auf Vertrauensbasis können gewährt werden.
Foto: (c) Kristina_Zalesskaya
De „AGF-spirit“ in The Schip. Gut.


