Büchertipps
Neue Sommer-Lektüre

Holger KistenmacherVon

Endlich ist der Sommer da. Viele zieht es in die Ferne oder auch an den heimischen Baggersee. Selbst wer nur auf Balkonien weilt, hat meist viel Zeit und Muße, sich mit neuen Büchern in andere Gefilde zu träumen, neue Erkenntnisse zu erlangen oder zumindest seine erholsame Zeit vielleicht mit einem spannenden Krimi zu bereichern. Hier meine aktuellen Bücher, die ich überwiegend am Strand oder unterwegs gelesen habe.

Apropos unterwegs: Kaum ist die Corona-Epidemie einigermaßen überwunden, (auch wenn die Zahlen gerade auch in Schleswig-Holstein wieder durch die Decke gehen), werden die Leute wieder reisefreudig. Die Tourismus-Branche boomt, die Flughäfen werden überrannt, das Neun-Euro-Ticket spült die versammelte Punk-Szene auf die Insel Sylt. Warum ist uns das Reisen bloß so wichtig? Dieser Frage geht der Publizist, Philosoph und bekennende Reisende Christian Schüle in seinem großartigen Buch zwischen literarischem Roadtrip und philosophischer Suche nach dem Sinn des Reisens auf den Grund: „Vom Glück, unterwegs zu sein - Warum wir das Reisen lieben und brauchen.“

Christian Schüle ist ein weit gereister Mann. Von der mecklenburgischen Seenplatte bis in den höchsten Norden von Alaska, von den Mega-Citys wie Kairo, Lagos oder Tokyo zu den Traumstränden der Seychellen oder in die Ödnis des Donau-Deltas in Rumänien, seine Reisen haben ihn schon in die entlegensten und skurrilsten Ecken unserer Erde geführt. Wobei es ihm immer um „Selbsterkenntnis durch Welterkenntnis“ ging. Allerdings unterscheidet er dabei ganz bewußt zwischen Reisen und Urlauben, wobei beides für ihn seine Berechtigung hat. „Reisen ist immer Unterwegssein. Urlaub dagegen bedeutet immer schon angekommen sein.“

Für ihn bedeutet Reisen, sich selbst auf die Schliche zu kommen, Dinge zu erfahren über die Welt und sich selbst, die er zu Hause vermutlich nie erfahren würde. Von jeder Reise kommt er versöhnt mit sich selbst zurück, schreibt er im Vorwort. „Ich bin auf faszinierende Art verstört, weil ich jedes Mal aufs Neue das erfüllende Gefühl habe, bei einer Reise in mir unbekannte Länder und Regionen auf listige Weise geschult worden zu sein. …einer Schulung in mehreren Disziplinen des Lebens zugleich: in Sittlichkeit, Geborgenheit und Gelassenheit, im Glauben an den guten Gang der Dinge und an ein Wissen, das sich vielleicht schon im Einzugsbereich einer künftigen Weisheit befinden mag, als solche aber noch nicht erkannt ist. Ich fühle mich geschult durch die Lehre von Moral und Menschlichkeit und die Erkenntnis von Liebe, Lüge und Tragik.“

Dabei wird das Reisen in Zeiten von Google Earth und Lonely Planet immer schwieriger. Jeder Punkt auf der Erde ist irgendwie nicht mehr fremd. Allerdings sieht Schüle das pragmatischer, denn jeder der reist, empfindet die Fremdheit stets subjektiv, wenn er dort vorher noch nie war. Außerdem spielt ja auch immer noch ganz bewußt der Zufall seine gewichtige Rolle beim Reisen. Was wiederum zur bewußten Verschwendung von Zeit führen kann. „Der Verlust von Zeit ist für mich ein enorm wichtiger Faktor, den man lernt auf Reisen. Der eigentliche Luxus im Leben ist ja nicht die Verschwendung von Geld, sondern ist tatsächlich die Verschwendung von Zeit“. Aber natürlich braucht es dafür auch Geld. Die Flug-Scham durch den Klimawandel oder andere negative Auswüchse des modernen Massen-Tourismus lässt Schüle in seinen philosophischen Gedanken-Spielen jedoch nicht aus. Auch er sieht dieses moralische Dilemma. Trotzdem plädiert er für die Wichtigkeit des Reisens in Zeiten von Manipulationen der Realität und Deepfakes. Wir sollten uns lieber selbst ein Bild vom Fremden machen, denn Reisen ist in erster Linie eben auch eine Erfahrung von Realität. Und die Neugierde und das Staunen über die Welt nehmen eigentlich nie ab. Wer einmal wirklich unterwegs gewesen ist, kommt zwar meist immer wieder zurück. Trotzdem will man gleich wieder los.

Christian Schüle: Vom Glück, unterwegs zu sein, Siedler Verlag, München, 2022, 262 Seiten, Amazon.

Als nächstes möchte ich einen absoluten Bestseller empfehlen, einen Krimi, der wochenlang auf dem ersten Platz in den diversen Listen stand: „Müll“ von Wolf Haas. Dabei handelt es sich um den neunten Fall der Brenner-Kult-Krimi-Reihe vom „Kriminalromanrevolutionär“ Wolf Haas - wobei einige Teile dieses eigenwilligen Krimi-Genres bereits verfilmt wurden, kongenial mit Josef Hader als Brenner besetzt.

Im Mittelpunkt des aktuellen Falls steht wieder der abgehalfterte Ex-Polizist Brenner, der mittlerweile als sogenannter „Mistler“, also Müll-Arbeiter auf einem Wiener Recyclinghof arbeitet. Dort herrscht normalerweise strenge Ordnung. In unterschiedlichen Wannen, wird der Mist/Müll fachgerecht sortiert, korrekt nach Müllplatzordnung eingeworfen und wieder verwertet. Bis plötzlich in der Sperrmüllwanne ein menschliches Knie gefunden wird. Schnell tauchen weitere Körperteile in verschiedenen anderen Wannen auf, die nicht korrekt eingeworfen wurden. Nur vom Herzen des Toten fehlt jede Spur. Die etwas depperte Kripo weiß nicht weiter. Zum Glück findet der Ex-Kollege Simon Brenner nicht nur das fehlende Körperteil samt Begleitschreiben, sondern der ehemalige Kriminaler erinnert sich auch schnell wieder an die guten alten Tugenden der Arbeit eines Mordaufklärers, was ihm nicht nur einen neuen Fall beschert, sondern ihn auch bis zum Hals in neue Schwierigkeiten bringt.

Dieser Simon Brenner ist nicht nur Ex-Polizist, Ex-Privatdetektiv, Ex-Sanitäter und jetzt Mistler, sondern auch „Bettgeher“, also akut obdachlos. Das heißt, er quartiert sich dort ein, wo jemand scheinbar länger in Urlaub ist. Er repariert dabei ein paar Sachen, schleift die Messer und hinterlässt Geld in verschiedenen Währungen, bevor er weiterzieht. Eben eine richtige Randexistenz.

Verzwickt geht die Handlung ihren verworrenen Gang. Was zunächst wie eine Beziehungstat daherkommt, erscheint für die Tochter des Ermordeten eher wie eine Tat der internationalen Organhandel-Mafia. Wobei - was am Ende rauskommt, ist eh nicht so wichtig. Viel wichtiger und amüsanter ist das kunstvoll-komische Spiel des Autors mit der Sprache und seiner Abneigung gegen das Realistische und Handlungsorientierte. Mit seiner leicht durchgeknallten Erzählstimme spricht der Schriftsteller den Leser oft persönlich an. Lässt Sätze im Nichts enden oder mäandert kunstfertig im Daherreden durch die Geschichte. So entsteht eine köstlich unterhaltsame und spannende Dreieckskonstellation zwischen Leser, Erzähler und Hauptfigur.

Der Erzähler ist dem Brenner stets voraus und berichtet dem Leser in vertrauter Du-Perspektive und legerem Wiener Akzent über den Gang der Dinge. Die Kunst der Verknappung und die beiläufige Kunstfertigkeit des geistreichen Witzes machen den große Reiz der Brenner-Krimis aus. Trotz der beschriebenen Abgründe des aktuellen Falles entwickelt sich der Roman zu einer herrlichen Groteske, die abrupte Lachanfälle verursachen kann. „Man kann nicht alles gleichzeitig verstehen. Es braucht immer ein Hintereinander bei den Gedanken. Ein Hintereinander und ein Nebeneinander. Aber kein Durcheinander. Und am allerwichtigsten eine klare gedankliche Unterscheidung. Das ist mir gerade am Mistplatz so aufgegangen. Beim Müll geht es ja immer um das Trennen. Darum sag ich, Müll ist die beste Schule für das Denken“.

Wolf Haas: Müll. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 2022, 288 Seiten, Amazon.

Um Sprache und Liebe geht es auch im äußerst kontroversen Roman von Senthuran Varatharajah: Rot (Hunger). Sein Buch bricht unsere Vorstellung von Literatur. Er übersetzt Prosa in Lyrik, Sprache in Gesang und Wirklichkeit in einen Traum, wie Karos Taha findet. Der schmale Band will einerseits eine Liebesgeschichte sein, verhandelt aber auch die durch die Medien aufgeheizte Geschichte des sogenannten „Kannibalen von Rotenburg“, der im März 2001 im gegenseitigen Einvernehmen einen Mann/Geliebten tötet, zerteilt und teilweise verspeist.

Diese gruselige Geschichte verwandelt der 1984 in Jaffna/Sri Lanka geborene Autor, studierte Philosoph und evangelische Theologe in eine einfühlsame und voller zarter Empfindsamkeit geschriebene Geschichte aus Liebe und Not, Hingabe und Schmerz. Der Autor Varatharajah findet bereits in unserer Sprache der Liebe Ansatzpunkte für seine Prosa: „Wir sagen: Ich habe dich zum Fressen gern. Wir sagen: Ich will dich auffressen.“

In seinem zweiten Roman erzählt der Schriftsteller zwei Geschichten: Die Geschichte eines Jahres, nach einer Trennung, und die Geschichte eines Tages, an dem A. in seinem Haus in Rothenburg, den über das Internet zufällig kennen gelernten B. wie vereinbart tötet, zerstückelt und Teile von ihm isst. Akribisch, wie feinfühlig, voller Poesie und teilweise in Gedichtform beschreibt der Autor die kaum zu ertragende Realität der Mordtat, die aber auch eine Liebesgeschichte war. Carolin Emcke, selbst eine sehr streitbare Autorin bescheinigt dem Roman: „Rot (Hunger) ist eine Sensation, ein grandioses Wagnis und eine Zumutung, im besten Sinne. Senthuran Varatharajah erzählt mit tiefer Klugheit und zarter Empfindsamkeit von Liebe und Not, von Hingabe und Schmerz. Dieser Roman entwickelt eine ganz eigene Poetik, eine Sprache der Einsamkeit und der Sprachlosigkeit. Ein ungeheuerliches, ein ungeheuer berührendes Buch“.

Das Buch ist sicherlich nicht jedermanns Sache, es ist hart, teilweise fast schon pornografisch, dann aber wieder wunderbar poetisch und einfühlsam. Zumindest ein sehr eigenständiger Roman, den man so noch nicht zu lesen bekommen hat. Die Liebe kennt eben nicht nur eine Sprache und läuft in bekannten Bahnen.

Senthuran Varatharajah: Rot (Hunger), S.Fischer Verlag, 2022, 115 Seiten, Amazon.

Mein nächster Buch-Tipp ist ein absolut spannender Roman, ja fast schon ein Thriller, gleichzeitig aber auch eine beängstigend realistische Gegenwarts-Geschichte vor dem Hintergrund von Willkommenskultur, Flüchtlingskrise, Islamismus und Terror, nationalsozialistischem Untergrund, aktueller MeToo-Debatte und der Kraft von Musik, die alle Grenzen sprengen kann durch Debatten und gegenseitigem Verständnis.

Geschrieben hat sie der Musikwissenschaftler, Autor und Festivalleiter Franzpeter Messmer. Inspiriert wurde der Schriftsteller mitten in der Flüchtlingskrise 2016, als er selbst das Europäische Festival für Alte Musik in Landshut zum Thema „Gerusalemme liberata“ - Brücken zwischen jüdischer, christlicher und arabischer Kultur veranstaltete. Dabei lernte er unter anderem Musiker wie die Band „Orphaned Land“ und die Tänzerin Johanna Fakhry kennen, die sich unter Lebensgefahr mit ihrer Kunst für Verständigung und Toleranz einsetzen. Die Gespräche und Konzerte mit diesen Künstler/innen waren der Ausgangspunkt für diesen Roman.

Der junge Syrer Mehmet, eigentlich Hilfskraft in der Musik-Werkstatt des Vaters, lernt gegen dessen Willen Klavier, ist hochbegabt und studiert am Konservatorium in Damaskus. Bei seinem Lehrer lernt er nicht nur die deutsche Kultur kennen, sondern auch die Sprache. Gemeinsam mit seinem Vater und der Schwester treten sie aber trotzdem bei heimischen Hochzeiten mit traditionellen Instrumenten und Tänzen auf. Seine Schwester Amal wird in orientalischem Tanz ausgebildet und erreicht eine gewisse Berühmtheit. Als ihre Tanzvorführungen aber immer freizügiger werden, sie einen uralten Mann heiraten soll und auch noch einen jüdischen Rockmusiker kennenlernt, flieht sie nach London.

Gegen sie wird eine Fatwa verhängt, die dazu führen kann, dass sie jederzeit von einem gläubigen Moslem überall in der Welt getötet werden könnte. Daraufhin leidet ihr Bruder fortan unter dem Tourette-Syndrom. Während des arabischen Frühlings spielt er bei Demonstrationen in seiner Heimat Beethoven und wird von islamistischen Kämpfern bedroht, die sein Klavier zertrümmern. Gemeinsam mit seinem afghanischen Freund Ahmet flieht er nach Deutschland, wird als Pianist entdeckt und beginnt eine Karriere als aufstrebender Jungstar. Sein Freund bleibt allerdings in einem ungarischem Flüchtlingslager hängen. Endlich gelangt auch er nach Deutschland und beginnt eine Schneiderlehre und träumt von einer eigenen Schneiderei, einem eigenen Geschäft. Als sein Abschiebungsbescheid, trotz Foltererfahrung in Afghanistan ins Haus flattert, taucht er ab und gerät in die Fänge streng islamistischer Freunde.

Es folgen abenteuerliche Verstrickungen: Eine Bombe explodiert, Mehmet lernt eine rechtsradikale Rock-Band kennen, Amat entwickelt sich zum Selbstmord-Terroristen, während Mehmet durch den Verfassungsschutz als V-Mann rekrutiert wird, um ein rechtsradikales Netzwerk aufzudecken. Alles läuft zusammen auf einem „Brücken-Festival“, wo Musik und Kultur für Verständigung zwischen Juden, Christen und Moslems beitragen soll. Dort begegnet Mehmet seiner Schwester wieder, die mittlerweile in einer lesbischen Beziehung zu einer Frau in Frankreich lebt, aber beim Konzert trotz Fatwa als Bauchtänzerin mit einer arabisch-jüdischen Band auftreten soll. Während Mehmet Mozarts „Alla turca“ spielt, entdeckt er im Publikum Ahmet, der einen Bombengürtel trägt.

Messmer gelingt ein spannendes, hochaktuelles, stets realistisches Abbild der letzten Jahre in Deutschland. Flüchtlinge hoffen auf einen Neuanfang in Frieden und Gerechtigkeit, während Rechtsradikale Netzwerke türkische Obsthändler in den Tod bomben. Ein hoch-intellektueller Musik-Professor nutzt seine Machtposition aus, um eine angehende Star-Sängerin zu vergewaltigen, während radikale Rechts-Rocker den Umsturz planen. Der Verfassungsschutz mischt auf allen Seiten mit, wobei die Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, die Humanität und Menschlichkeit auf der Strecke bleiben. Und zwischen allen diesen Problemen sorgt die Kraft der Musik für Hoffnung und Toleranz. Ein großartiger Roman über Heimatlosigkeit, Identitätssuche, Selbstbestimmung, Verzweiflung, Menschlichkeit und Verblendung. Unbedingt zu empfehlen.

Franzpeter Messmer: Tanz auf der Brücke, Edition Moosdiele, Riedlingen, 2022, 286 Seiten, Amazon.

Zu guter Letzt habe ich noch ein kleines Schmankerl von Martin Walser: Das Traumbuch - Postkarten aus dem Schlaf mit Übermalungen von Cornelia Schleime. Der Schriftsteller Martin Walser wurde 1927 in Wasserburg geboren und gehört mit zu den renommiertesten Autoren der letzten Jahrzehnte. Er wurde mit diversen Preisen überschüttet, (Georg Büchner-Preis, Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, Orden „Pour le Merite“ und vieles mehr), obwohl er sich auch immer recht streitsam in das aktuelle politische Geschehen einmischte. Mit 95 Jahren ist er einer der Überlebenden der Gattung Großschriftsteller und wohnt mittlerweile in Überlingen am Bodensee.

Nun hat der Großmeister seine seit über 25 Jahren gesammelten Träume veröffentlicht, wunderbar aufbereitet und dekoriert von kolorierten Übermalungen von Postkarten und Collagen der Künstlerin Cornelia Schleime. Eine Auswahl der Träume, die er in seinem Tagebuch gesammelt hat, wirken wie kleine Erzählungen, poetische Perlen oder einfach „Postkarten aus dem Schlaf“, wie er sie selber nennt.

Und es ist wie so oft: Der Träumer kann fliegen, im Handumdrehen kommt er von einem Ort zum nächsten, er macht sich lächerlich und muss erkennen, dass er gerade auf einer Bühne steht, während er sich lächerlich macht. So berichtet der Autor von Witz und Schrecken, Peinlichkeiten und Rettung. Örtlichkeiten sind sein Wohnort, aber auch sein Geburtsort Wasserburg, Orte, wo er Lesungen hält oder anderweitig auftritt. Seine Malerin folgt ihm dabei kongenial.

Obwohl Walser Psychoanalyse und Traumdeutung eigentlich ablehnt, betreibt er hin und wieder ein wenig Traumforschung. Er will verstehen, wie sich das Träumen vollzieht. Als alter Erotomane sind natürlich vielerlei sexuelle Träume dabei: Angefangen mit einem Affenmännchen mit blutigem Geschlechtsteil, das zur Imitation und zur Selbstbefriedigung anregt, bis hin zur „Samenübermittlung auf vollkommen keusche, nahezu ungeschlechtliche Art“.

Stets sind körperliche zustände Auslöser seiner Träume, seien es Herzschmerz, Magenverstimmung, Atemnot oder eben Sexualbedürfnisse. Und natürlich tauchen auch viele Wegbegleiter oder Berühmtheiten in seinen Träumen auf: Thomas Mann und Rudolf Augstein, Pete Sampras und Maria Stuart oder Edgar Helge und Jürgen Habermas. Und natürlich darf auch Erzfeind und unvermeidlich Marcel Reich-Ranicki nicht fehlen, eindeutig walseresk. Aber es gibt auch fliegende Hunde, Kinder, die mit Krawatten geboren werden und der Selbstkostenpreis Gottes wird diskutiert.

Cornelia Schleime kommentiert und illustriert dazu die intimsten Traumwelten mit farbintensiven Bildern. Sie benutzt alte Postkarten vom Bodensee oder Stadtansichten von Friedrichshafen, bemalt sie mit phallischen Figuren, geisterhaften Köpfen und rätselhaften Gestalten. Text und Bilder reagieren wunderbar aufeinander und bilden neue Wirklichkeitsebenen. Ein wunderbares Buch zum
Schmökern, Träumen und Staunen, nicht nur für Walser-Fans.

Martin Walser: Das Traumbuch. Postkarten aus dem Schlaf mit Illustrationen von Cornelia Schleime, Rowohlt Verlag, Hamburg 2022, 144 Seiten, Amazon.

Die Bücher sind in den inhabergeführten Buchhandlungen BellingProsa, Buchfink, Arno Adler, Langenkamp, maKULaTUR und Buchstabe erhältlich.

Holger Kistenmacher
Holger Kistenmacher
Jahrgang 1956, freischaffender Journalist seit gut 25 Jahren, studierter Realschullehrer, praktizierender psychosozialer Betreuer, ambitionierter Fotograf und Kulturschreiber mit den Fachgebieten: Moderne Gegenwartskunst, Literatur, Musik zwischen Jazz und Rock, Nordische Filme, Moderner Tanz. Weltenbummler und Reisejournalist.
Weitere Artikel

Sie haben keine Berechtigung hier einen Kommentar zu schreiben.