Carsten Höllers Riesenpilz im Gerisch-Skulpturenpark in Neumünster

Kunstbesuch in der Herbert Gerisch-Stiftung
4 Orte – 4 Positionen

Jetzt, wo der blaue Himmel und steigende Temperaturen den beginnenden Frühling einläuten, erwacht die Lust auf Ausflüge und Touren in die Landschaft und zur Kultur. Dabei ist die alte Industriestadt Neumünster im Herzen von Schleswig-Holstein nicht unbedingt als Hotspot der aktuellen Kunstszene bekannt. Aber seit Jahren hat dort die Herbert Gerisch-Stiftung mit dem wunderbar angeschlossenen Skulpturen-Park mein Interesse geweckt.

Jetzt habe ich es endlich einmal geschafft, der großzügigen Anlage mit Wachholtz-Villa, Remise, Galerie und schickem Café Harry Maasz einen Besuch abzustatten. Zunächst fällt der Blick durch den skulpturalen Glaszaun von Olaf Nicolai auf die Jugendstil-Villa Wachtholtz und die Baumskulturen von Bogomir Ecker und Carsten Höllers Riesenpilz. Der Rundgang durch den umgebenden Park mit Wäldchen, Flüsschen, Teichen und altem Baumbestand zeigt ein vielfältiges Kunstangebot von unterschiedlichsten Skulpturen von international angesagten Künstlern aus aller Welt: Magdalena Abakanowicz, Horst Antes, Ian Hamilton Finlay, Jan Koblasa, Markus Lüpertz, Mimmo Paladino oder Tina Schwichtenberg, um nur einige zu benennen. Aktuell stehen dort auch noch diverse Arbeiten des Schweizer Bildhauers und Enfant terrible Daniel Spoerri, der 2024 verstorben ist und rostiges Eisen zu skurrilen Figuren zusammen geschweißt hat. Absolut sehenswert!

Skulpturen von Magdalena Abakanowicz im ParkSkulpturen von Magdalena Abakanowicz im Park

Dazu finden normalerweise immer wieder verschiedene aktuelle Ausstellungen in den verschiedenen Ausstellungsräumen statt: Momentan werden vier norddeutsche Künstlerinnen präsentiert: 4 Orte - 4 Positionen. So zeigt die 1958 in Lübeck geborene Malerin Inge Pries, die jetzt in Hamburg arbeitet und lebt, großformatige Malereien. Ihre Arbeiten beschäftigen sich mit Erinnerungen und Imagination. Ihre mythischen Motive wirken einerseits vertraut, aber auch fremd und befremdlich, irgendwo zwischen Traum und Realität angesiedelt. Sie zeigen meist menschliche oder menschenähnliche Motive, die um die Themen Migration, Ortlosigkeit, Verlorenheit, Realität und Jenseits kreisen. Dabei interessieren die Künstlerin weniger konkrete Abbildungen als die malerische Umsetzung von Wirklichkeit, die gespeist ist aus Albträumen und Wahnvorstellungen, Ängsten, Kunstgeschichte und filmischen Bildwelten. Alles höchst spooky und rätselhaft, aber großartig gemalt und vielseitig. Sehenswert!

In der Remise zeigt Anja Kowalik, die ursprünglich aus Polen stammt, jetzt aber in Neumünster lebt, ihre farbintensiven monochromen Bilder sowie raumgreifende Installationen. In das kleine Obergeschoss gelangt jeweils nur ein Besucher, dort befindet sich eine Art Bücherstube mit feministischer Literatur und Raum für Selbstreflexion mit Blick in den Park.

Installationen und Malerei von Anja KowalikInstallationen und Malerei von Anja Kowalik

In der Galerie, die sich an den Privat-Bungalow der Familie Gerisch anschließt, gibt es noch zwei Ausstellungsräume. Im Bungalow lebt noch die mittlerweile rührige 84jährige Witwe von Herbert Gerisch, der sein Vermögen durch Baufirmen wie der BIG im letzten Jahrhundert gemacht hat. Dabei war er als Unternehmer nicht immer unumstritten, hat aber seine Millionen später in die Kultur-Stiftung gesteckt.

In der sogenannten Galerie Gerisch stellt jetzt Kristin Grothe aus Hamburg (1972) ihre Papierarbeiten aus. Sie zeigt Radierungen auf Büttenpapier. Ihre Bildwelten thematisieren das Spannungsfeld von Architektur, Landschaft und Zeit, sowie menschliche Spuren und natürliche Prozesse. In dem Wechselspiel zwischen Raum, Zerstörung und Harmonie entstehen ihre Radierungen auf Büttenpapier. Dabei trägt sie Material ab, zerstört und erfindet neue Strukturen.

Kleinformatige Bleistiftzeichnungen von Monika RathlevKleinformatige Bleistiftzeichnungen von Monika Rathlev

Die vierte und letzte künstlerische Position wird im Souterrain gezeigt. Es handelt sich dabei um kleinformatige Bleistift-Zeichnungen von Monika Rathlev, die 1950 in Neumünster geboren wurde. Mit Hilfe ihre Computers entstehen Zeichnungen, die dann als Fine-Art-Drucke auf Büttenpapier präsentiert werden.

Nach dem ausgiebigen Kunstgenuss im Park und den Ausstellungsstätten empfiehlt sich dann noch ein Besuch des Café Harry Maasz, der ursprünglich auch das Gartengelände entworfen hat. Dort gibt es noch diverse Kunst in lichtdurchfluteten Räumen und gemütliche Kaffe-Atmosphäre mit leckerem Kuchen und feinen Damen aus der Neumünsteraner Gesellschaft. 

Also auf nach Neumünster, wo es momentan zum 25jährigen Bestehen der Stiftung auch das ganze Jahr freien Eintritt gibt. Geöffnet ist Mittwochs bis Sonntags jeweils von 12 - 18 Uhr. Brachfelder Straße 69, 24536 Neumünster.

Weitere Infos unter www.gerisch-stiftung.de


Fotos: Holger Kistenmacher


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