Christopher Lehmpfuhl auf Helgoland, Foto: (c) Florian Selig, VG Bild-Kunst Bonn 2021

Christopher Lehmpfuhl in der Reithalle von Schloss Gottorf
25 Jahre Farbrausch-Malerei

Die große Jahresausstellung des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums in Schleswig präsentiert den Berliner Künstler Christopher Lehmpfuhl. Der 1972 in Berlin geborene Maler ist eine Ausnahmeerscheinung unter den deutschen Künstlern der Gegenwart. Seine Kunst ist die aktuelle Freiluftmalerei, ein Maler ohne Pinsel.

Ausgebildet an der HDK in Berlin und als Meisterschüler von Klaus Fußmann schafft er seine Gemälde mit den bloßen Händen unter freiem Himmel und mit enormen Materialeinsatz. Das Ergebnis sind haptisch beeindruckende Werke, die sich förmlich auf der Leinwand auftürmen. Großzügig schichtet Lehmpfuhl immense Farbmassen mit der Hand auf die häufig riesigen Untergründe und formt sie zu fast greifbaren Motiven.

„Ich male Landschaften in Öl vor Ort. Damit ist meine Passion umschrieben und ich habe eine Ausdrucksform gefunden, die ich weltweit anwenden kann. Das ist letzten Endes auch, was ich an meinem Beruf so liebe. Unterschiedliche Landschaften, Städte und Länder zu bereisen und aus den neuen Farbklängen, Gerüchen und vor allem dem Licht eine ganz eigene Bildwelt zu kreieren.“

Christopher Lehmpfuhl:Glockner-Duett, Foto: Holger Kistenmacher Christopher Lehmpfuhl:Glockner-Duett, Foto: Holger Kistenmacher

Die Berge und das Meer sind seit langem Quelle seiner Inspiration. So bereist er regelmäßig die Steiermark, auch weil er Bergsteiger und Skifahrer ist. Malen in den Dolomiten oder im Engadin sind wichtiger Ausgleich für sein Leben in der Großstadt Berlin. Sein Monumentalwerk „Glockner-Duett“ aus dem Jahre 2013 steht exemplarisch für seine realistische Landschaftsmalerei.

Aber auch immer wieder reist er an die norddeutschen Küsten und die Inseln, wo er bei Wind und Wetter Bilder der tosenden See malt. (Stürmische See bei Fehmarn, 2010). Sein Helgoland-Bild entsteht im kalten März 2014 auf einer seiner zahlreichen Mal-Reisen. Wir blicken vom Klippenrandweg auf die Lummenfelsen und die Lange Anna - den 47m hohen Felspfeiler. Auch ein Orkan hält ihn nicht vom Malen ab. Allerdings muss er die Leinwand an einem Geländer festbinden.

Christopher Lehmpfuhl: Sturm an der langen Anna, Foto: (c) VG Bild-Kunst Bonn 2021Christopher Lehmpfuhl: Sturm an der langen Anna, Foto: (c) VG Bild-Kunst Bonn 2021

Der Künstler schont weder sich noch sein künstlerisches Material. Bei seiner 2-wöchigen Islandreise erfährt er eine Grenzerfahrung der eigenen Art: In eigener Kraftanstrengung schleppt Lehmpfuhl das immense Malmaterial über 200 Höhenmeter auf einen Kraterrand und malt dort oben bei 6 Grad Celsius stundenlang. „Island hat meine Sicht auf Landschaft stark verändert. Zum ersten Mal habe ich eine Ur-Landschaft kennengelernt - so war der Anfang, so ist die Schöpfung“.

Aber auch Städte, wie seine Heimatstadt Berlin sind Quell seiner Inspiration. Besonders sein riesiges 14 m langes Panoramabild vom Berliner Schlossplatz mit der Baustelle des Humboldt-Forums sind ein großartiger Beleg dafür. Nahe am Bild erlebt man die Leinwand als dicke Farb-Kakophonie. Tritt man aber zurück, erblickt man den riesigen Platz als urbanen Farbrausch voller Details.

Christopher Lehmpfuhl: Schlossplatz Panorama, Foto: Holger Kistenmacher Christopher Lehmpfuhl: Schlossplatz Panorama, Foto: Holger Kistenmacher

Einzig die Zeit um den Tod seiner Eltern Iris und Gunter Lehmpfuhl im Jahr 2018 erscheint in seiner Kunst völlig anders. Erstmals hat er Werke geschaffen, die er von Fotos abgemalt hat. Sie sind in Schwarz-Weiß und Grau gehalten. Der Tod der Eltern hat ihm förmlich die Farbe geraubt. Zu sehen ist ein ganzer Zyklus sehr familiärer Bilder.

Darüber hinaus zeigt die Ausstellung aber auch, dass Lehmpfuhl ebenfalls die kleinen Formate, die Aquarell-Malerei und den Druck beherrscht. Und in Zeiten von Corona-Lockdowns hat der Künstler auch ganz aktuelle Stillleben im Jahr 2021 geschaffen, die den Rundgang durch die sehr sehenswerte Schau beenden.

Die Ausstellung ist auf der Museumsinsel Schloss Gottorf in Schleswig täglich von 10 bis 17 Uhr zu besichtigen. Nähere Infos unter www.museum-fuer-kunst-und-kulturgeschichte.de

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Holger Kistenmacher
Holger Kistenmacher
Jahrgang 1956, freischaffender Journalist seit gut 25 Jahren, studierter Realschullehrer, praktizierender psychosozialer Betreuer, ambitionierter Fotograf und Kulturschreiber mit den Fachgebieten: Moderne Gegenwartskunst, Literatur, Musik zwischen Jazz und Rock, Nordische Filme, Moderner Tanz. Weltenbummler und Reisejournalist.

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