Alles begann am Donnerstag-Abend im wunderbar grünen Stadtpark noch recht verheißungsvoll.
Am Himmel wechselten sich Sonnenschein, blauer Himmel und Wolken ab und ein quirliges Trio rund um die brasilianische Sängerin Karen Dio überzeugten als Vorband mit einem hörenswerten Mix aus Punk, Alternative-Rock und Rock´n´Roll. Herzerfrischend sprang die dynamische Sängerin, die auch mal zu Gitarre griff über die Bühne und zeigte sportliche Karate-Dance-Moves.
Gab alles: Die Brasilianerin Karen Dio
Aber gerade als der Umbau für den Haupt-Act des Abends erledigt war, begann es zu schütten, wie aus Kübeln. Plötzlich waren Regencapes und große bunte Plastiktüten der Renner im unerschrockenen Publikum, das sich nicht unter kriegen lassen wollte. Glücklicherweise verzichtete die Alternative-Band rund um die charismatische Sängerin Shirley Manson zu Beginn des Konzerts auf einen ihrer größten Hits „Only happy when it rains“. Statt dessen gab es den Titelsong ihres neuesten Albums von 2025 (All that we Imagine be the light): „There is no future in optimism“.
Überhaupt gab es an diesem denkwürdigen Abend keine 90er-Jahre Retroshow. Geschickt mixte das Quintett alte und neue Songs aus 90er-Hits aus der Alternativ-Rock-Schublade mit Punk, Elektronik und Pop. Wobei immer noch klare Statements ihre Songs bis heute prägen.
Produzent und Schlagzeug-Legende Butch Vig
Hinter dem Schlagzeug hatte sich eine wahre Musik-Legende eingerichtet: Butch Vig, der 1991 das Album „Nevermind“ von Nirwana produziert hatte, aber auch später Bands wie Smashing Pumpkins, Sonic Youth und Foo Fighters zu Weltruhm verhalf. Dann gründete er 1994 die Band Garbage, obwohl die Grunge-Zeit langsam zu Ende ging. Mit Shirley Ann Manson, die 1966 in Edinburgh geboren wurde, kam eine charismatische schottische Sängerin dazu. Die ersten Hits wie „I think I´m paranoid“ und „Stupid girl“ ebneten den Weg zu einer der erfolgreichsten Rock-Alternativ-Bands der 90er und Nullerjahre. Natürlich gehörten beide Stücke zur Setlist am Abend.
Zwischen Nina Hagen und China-Dragon: Shirley MansonDazwischen gab es aber sehr wunderbare Liebeserklärungen an das Publikum und die Security-Männer, die als „wahre Hard-Core-Fans“ dem prasselnden Regen trotzten, tanzten und feierten: „Ohne euch würde hier nichts laufen“. Aber auch Shirley Manson schonte sich nicht. Immer wieder ging sie von der Bühne direkt zu den Fans und ließ sich ebenfalls voll regnen. Sie sah trotzdem toll aus, trotz ihres Alters: Mit ihrem blond-silbernem Pferdeschwanz statt roter Mähne sah sie aus wie eine Mischung aus Nina Hagen und einem chinesischen Drachen, wozu ihr Outfit mit Punk-Stickern und chinesischen Schriftzeichen auf ihrer schwarz-bunten Klamotte mit den Krempelstiefeln viel beitrug.
Kraftvoll und dynamisch setzten der Drummer Butch Vig und die Tour-Bassistin Nicole Fiorentino das rockige Fundament der Songs, während die beiden Gitarristen Steve Marker und Duke Erikson mit ihren harten Riffs und tollen Solis ihr Können aufblitzen ließen. Nur als es darum ging, welchen Cure-Cover-Song sie spielen sollten, gab es ein wenig so etwas wie einen Zwist zwischen dem Drummer und der Sängerin. Aber sie entschied dann, das als nächstes der „Love-Song“ gespielt wurde.
Gitarrist Steve Marker
Als der schreckliche Regen endlich etwas nachließ, wurden ausgiebig die Songs des aktuellen Albums zelebriert und die Fans pellten sich aus ihren nassen Regen-Klamotten. Allerdings hatte die schlimme Nässe der guten Laune des Publikums eh nichts anhaben können. Es wurde getanzt, geklatscht und gefeiert, auch wenn so mancher Joint nicht trocken blieb und sich so einige Bier-Becher wie von Zauberhand wieder auffüllten und der Regen den Gerstensaft verwässerte.
Und natürlich gab es am Ende doch noch - jetzt aber ohne Guss von Oben - als Zugabe den lang erwarteten 90er-Hit „Only happy when it´s rains“. Mit matschigen Schuhen, nassen Hosen und Haaren, aber sichtlich zufrieden strömte das Publikum aus dem Stadtpark-Rund gen Heimat.
Fotos: Holger Kistenmacher










