Johanna Martini und Erik Fiebiger, Foto: Theater Partout

"Honig im Kopf" im Theater Partout
Eine wunderbare Inszenierung von Uli Sandau

„Honig im Kopf“ heißt die Geschichte um Amandus Rosenbach und seine Enkelin Tilda und sie ist sattsam bekannt. Til Schweiger lockte als Drehbuchautor (zusammen mit Hilly Martinek), Regisseur und Produzent und vor allem mit seinen Hauptdarstellern, Dieter Hallervorden als dementer Großvater Amandus und Emma Schweiger als Enkelin Tilda, sieben Millionen Besucher in die Kinos.

Ein Wagnis war es allemal, die personell üppig ausgestattete Filmgeschichte auf eine Bühne zu stellen. Vergangenes Jahr zeigte das Berliner Schlosspark Theater die Adaption von Florian Battermann als erstes Haus, am 31. März feierte die Fassung im Theater Partout Premiere – ein Fest im wahrsten Wortsinn, denn verschlankt zum Vierpersonenstück funktioniert die Tragikomödie in der Inszenierung von Uli Sandau wunderbar, vor allem, weil die Darsteller ihr ganz unprätentiös emotionale Tiefe verleihen.

Was tun, wenn die Alzheimer-Erkrankung des Großvaters das ohnehin korrodierende Familienleben mit jedem Tag stärker beeinflusst? Weil Amandus Rosenbach (Erik Fiebinger) seit dem Tod seiner Frau alleine nicht mehr klarkommt, nimmt ihn sein Sohn (Gunnar Titzmann) zu sich. So wenig begeistert Schwiegertochter (Antje Temler) über die neue Familienkonstellation ist, so herzlich begrüßt Enkelin Tilda (Johanna Martini) den Opa und sie versucht, der fortschreitenden Krankheit zu trotzen. Schließlich soll eine Reise nach Venedig glückliche Erinnerungen hervorbringen.

Johanna Martini, Erik Fiebiger, Gunnar Titzmann, Antje Temler, Foto: Theater PartoutJohanna Martini, Erik Fiebiger, Gunnar Titzmann, Antje Temler, Foto: Theater Partout

Es ist also das gleiche Gerüst wie im Kino-Hit. „Abziehbilder“ der Filmakteure werden allerdings nicht geboten. Allen vier Darstellern gelingt es, sich von der berühmten Vorlage zu emanzipieren – am staunenswertesten ist dies bei der erst 15 Jahre alten Johanna Martini zu sehen, der es gelingt, die tiefe Zuneigung der elfjährigen Tilda, ihre Fragen und ihren Kummer berührend glaubhaft zu spielen.

Wie stets braucht es auch diesmal auf der kleinen Bühne an der Königstraße nicht viel an Ausstattung, um das Publikum in neue Vorstellungsräume zu entführen. Ein Regal, ein paar Hocker und Bänke skizzieren Wohnung eins und zwei, ein Zugabteil, den Markusplatz. Man vermisst nichts, im Gegenteil: Der Umzug des Großvaters zum Sohn, für den das schwarze Regal von rechts nach links transportiert und von hoch auf quer gestellt wird, macht die Umstellung im Leben der Familie Rosenbach geradezu greifbar.

Zu erleben ist noch bis Ende Juni mit „Honig im Kopf“ die hohe Kunst, aus den Bausteinen einer berühmten Vorlage ohne Trara ein neues, packendes Kulturgut zu kreieren.

Termine: Honig im Kopf

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