Jakob Meyers (Fagott), Manuel Rettich (Schlagzeug), Katharina Ruf (Klarinette), Christoph Kaiser (Kontrabass), Laszlo Pete (Posaune), Evelyne Saad (Violine), Matthias Krebber (Trompete)

Strawinskys „Die Geschichte vom Soldaten“ im Jungen Studio
Was war, kehrt nicht zurück

Zwei besondere Werke haben die Lübecker Philharmoniker im Programm ihrer Kammermusikreihe dieser Spielzeit, zwei Werke, die für die Neue Musik des 20. Jahrhunderts sehr bedeutsam wurden.

Im Juni ist es Arnold Schönbergs „Pierrot lunaire“, jetzt war es Igor Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ (3. April 2017). Entstanden ist Strawinskys Werk 1918 kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs. Für ein Wandertheater geschaffen benutzt es nur sieben Instrumente, ein hohes und ein tiefes jeder Instrumentengruppe, dazu das Schlagzeug. Das ergibt ein herbes, sehr charakteristisches Klangbild, das durch Strawinskys eigenwillige Rhythmik, seine polytonale Gestaltung und motorische Komponente bis heute seine große Wirkung nicht verfehlt.

Igor Strawinsky 1921Igor Strawinsky 1921Das Libretto schuf, angeregt von zwei russischen Märchen, der Schweizer Charles Ferdinand Ramuz. Es wird – teils in Gedichtform – vom Vorleser rhythmisch skandiert. Der andere Teil ist dramatisch, auch pantomimisch gestaltet und auf Soldat und Teufel verteilt. Eine Tänzerin schließlich soll den Part der Prinzessin übernehmen. In der hier gezeigten Version formte Steffen Kubach den gesamten verbalen Part. Dank seines schauspielerischen Vermögens wurde es so ein Ein-Mann-Theater, das die Geschichte des Soldaten plastisch und lebhaft werden ließ. Erzählt wird vom Teufel, der dem Soldaten die Seele in Gestalt seiner Geige entlockt, ihm dafür ein Buch aufschwatzt, das Reichtum und Macht bringt. Als der Betrogene merkt, dass ihm alles genommen ist, die Bindung an die Heimat, an seine Vertrauten, selbst der Zeitsinn, entreißt er dem Teufel wieder seine Geige, kann ihr aber keine Töne mehr entlocken. Er wirft sie weg, der Teufel krallt sie sich erneut. Erst bei der nächsten Begegnung, bei der es darum geht, die Prinzessin von ihrer Schwermut durch Musik zu heilen, gewinnt er durch eine List sein Instrument noch einmal zurück. Das märchenhafte Geschehen endet allerdings tragisch, weil der Teufel am Ende wegen eines unerfüllten Vertragsteiles triumphieren kann. „Man kann zugleich nicht der sein, der man ist und der man war.“ Das ist die bittere Moral des Märchens.      

Unter der Leitung von Jan-Michael Krüger spielten Evelyne Saad (Violine), Christoph Kaiser (Kontrabass), Katharina Ruf (Klarinette), Jakob Meyers (Fagott), Matthias Krebber (Trompete), Laszlo Pete (Posaune) sowie Manuel Rettich (Schlagzeug). Die Partitur erfordert neben hoher Virtuosität ein aufmerksames Miteinander, herausragend dabei in ihrem zupackenden Spiel die Geigerin und in ihrem variationsreichen Gestalten die Klarinettistin. Es überrascht immer wieder, wie frisch und eindrucksvoll die nun schon fast 100 Jahre alte Komposition bei überzeugender Wiedergabe ist, die auch die große Sprechleistung von Steffen Kubach förderte. Überraschend im Musikalischen war das eingefügte Zitat der „Kleinen Nachtmusik“, vor allem aber die Gestaltung der die Prinzessin heilenden Musik. Hier gingen die drei Tänze Tango, Walzer und Ragtime nicht bruchlos ineinander über, wurden stattdessen deutlich voneinander abgesetzt.     

Langer Beifall war Dank für ein besonderes Erlebnis. Eine Wiederholung ist für Freitag, den 19. Mai, als Schulvorstellung geplant. 

Fotos:
1) (c) Daniela Dakaj
2) Wikipedia


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