The Residents in der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel
Obsessionen, Wahnsinn und die kommende Apokalypse klangen nie besser!

Holger KistenmacherVon

Eine psychedelisch ausgeleuchtete Schwarz-Weiß-Bühne erwartet die teilweise aus ganz Deutschland angereisten Fans, die sich auf den Weg gemacht haben, einen der seltenen Auftritte der skurrilsten Bands der Musikgeschichte zu genießen: The Residents aus den USA hatten sich auf Kampnagel angekündigt. „Die Bewohner“ aus San Francisco mischen seit über 40 Jahren mit ihren extravaganten Shows aus Maskentheater, Dada-, Rock-, Avantgarde-, Kunst- und Theater-Video-Performance die Bühnen weltweit auf.

The Residents feierten vor zwei Jahren ihr 40jähriges Bühnenjubiläum. Sie waren die Erfinder der oft kopierten „Eyeballs-Masken“, mit denen sie jahrelang auftraten und brillierten. Das erste Musikvideo geht auf ihre Kappe und befindet sich neben diversen anderen Werken von ihnen im Museum für Moderne Kunst, dem MOMA in New York. Sie haben legendäre Filme gedreht, Videospiele und Comics erfunden und unzählige Museumsperformances gespielt. Und natürlich haben sie eine beeindruckende Serie von Alben eingespielt: Third Reich´n Roll, Meet the Residents, Eskimo, The Commercial Album, usw. Mit geladener Maus haben sie das letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts in vorderster Front auf den Barikaden der digitalen Revolution verbracht. Herausgekommen sind die CD-ROMs Freakshow und Bad day on the midway, die als Meilensteine der elektronischen Unterhaltung gelten. Die Residents sind Ikonen in der Welt experimenteller und performativer Musik und werden für ihre bahnbrechende Arbeit in Genres wie Trance, Fusion, Electronica, Punk und Industrial weltweit von ihren Fans verehrt. Das Rolling Stone Magazin bewertete die Band als eine von 30 Musikgruppen, die man einmal in seinem Leben gesehen haben muss! Ihre raren und spektakulären Live-Shows sind Legende, ob in Opernhäusern, Theatern, Museen, Philharmonien oder bei den angesagtesten Festivals. Jetzt also Kampnagel – genial!

 

Randy, Chuck und Bob, wie sich die drei mit Totenkopfmasken, Hörnern, Schutzbrillen und glitzernden weißen Smokings verkleideten Herren nennen, beginnen ihr Shadowland-Programm mit dem schrägen Rabbitsong. Die Show ist der dritte Teil einer Trilogie, an der die Residents seit 2010 arbeiten. Sie ist als Jubelfeier zum 40jährigen Bühnenfest, sowie als Rückblick auf ihr Leben und die Karriere gedacht, wie der exzentrische Sänger gleich am Anfang erklärt. Ging es in ersten Teil The Talking Light um Geister und Tod, wurden im zweiten Teil The Wonder and Weird Tour die Themen Liebe und Sex bearbeitet. Ihre heutige Show Shadowland verhandelt den Beginn des Lebens, Wiedergeburt und Reinkarnationen.

Die jetzige Drei-Mann-Combo aus Sänger, Keyborder und Gitarrist kann dabei aus einem unerschöpflichen Fundus aus Stücken und Videos schöpfen, die auch Nahtod-Erfahrungen beinhalten. Auf einem großen weißen Gummiball geben in Videoform jeweils mit Totenfratze maskierte „Aalschlachter, The Libertine, Der Müllmann, Die Taucherin oder The Engineer“ ihre surrealen Kommentare zum Thema ab. Dazu vollführt der hyperaktive Sänger einen grotesken Tanz auf riesigen Clownsschuhen und zelebriert mit Ganzkörperanzug aus Muskeln- und Fasern, ala Körperwelten eine dadaistische Performance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit.

Old-School-Fans der Combo kamen bei Stücken wie Blue Rosebuds, Harold and the Head, Weight lifting Lulu, Constantinople und Easter Woman voll auf ihre Kosten, obwohl die Nummern radikal neuinterpretiert wurden und selbst von den Hardcore-Fans kaum wiederzuerkennen waren. Egal, die legendären Musikern, über die man schon seit über 40 Jahren nicht genau weiss, wer sie sind, haben sich sowieso nie festlegen lassen. Jede Show ist einmalig und einzigartig. Lassen wir ihnen das Geheimnis, wer hinter den Masken versteckt ist, solange sie der Musikwelt immer noch auf´s Neue das Wunder des Wahnsinns als das große kleine Rock 'n' Roll-Welttheater der Residents präsentieren.

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Fotos (c) Holger Kistenmacher 

Holger Kistenmacher
Holger Kistenmacher
Jahrgang 1956, freischaffender Journalist seit gut 25 Jahren, studierter Realschullehrer, praktizierender psychosozialer Betreuer, ambitionierter Fotograf und Kulturschreiber mit den Fachgebieten: Moderne Gegenwartskunst, Literatur, Musik zwischen Jazz und Rock, Nordische Filme, Moderner Tanz. Weltenbummler und Reisejournalist.
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