Cat Stevens alias Yusuf Islam
Einer unserer 70er-Jahre-Helden wird schon 70

Wolfgang BremerVon

Als wir die Popmusik Anfang bis Mitte der 70er Jahre für uns entdeckten, stand er im Zenit seines Ruhms.

Seine LPs „Mona Bone Jakon“ (1970), „Tea for the Tillerman“ (1971) und „Teaser and the Firecat“ (1971) waren bereits Klassiker. Seine „Greatest Hits“-Platte aus dem Jahr 1975 steht in so ziemlich jeder Schallplatten-Sammlung dieser Jahre. Und auch späterer. Erkennt irgendjemand „Morning has broken“ nicht in den ersten Sekunden, wenn es gespielt wird?

Cat Stevens' Musik war der Soundtrack unserer Jugend. Wir sangen seine Songs zur Gitarre, wir nahmen sie mit unseren Kassettenrekordern auf und insbesondere aber spielten wir sie auf unseren Schallplattenspielern ab, bis die LPs und Singles so viele kleine Kratzer hatten wie keine andere unserer Platten.

Für einen der Filme, die wir liebten, für „Harold and Maude“ aus dem Jahr 1971, stellte er den Soundtrack. Seine Musik passte kongenial zu diesem Stoff, zu dem Skurrilen der Beziehung zwischen dem jungen todessehnsüchtigen Harold und der 80 Jahre alt werdenden Maude, die den Holocaust überlebt hat und Harold nun beibringt, was es heißt, lebendig zu sein.

Als wir selber schließlich auf unsere Führerscheine hinarbeiteten, um selbständig die Welt entdecken zu können, konvertierte Cat Stevens Ende 1977 zum Islam, nannte sich fortan Yusuf Islam und hörte auf, Musik zu machen. Und verschwand aus unserem Blickfeld. Für uns war das zum einen ziemlich unverständlich, auf der anderen Seite aber auch irgendwie konsequent.

Foto: Bryan Ledgard/WikipediaFoto: Bryan Ledgard/Wikipedia

Jeder sollte sein Leben so leben, wie er es wollte, davon waren wir überzeugt. Wir waren ihm nicht böse, wir lebten unser Leben weiter. So wie er 1966 mit seinem ersten Album „Matthew and Son“ plötzlich bekannt geworden war, so zog er sich halt auch einfach wieder zurück, lebte vor allem in London und wurde 6-facher Vater. Später trat er von Zeit zu Zeit irgendwo auf und veröffentlichte Platten unter seinem neuen Namen Yusuf.

Im Herbst 2017 kam dann die Überraschung, es war „wie früher“! Sein neues Album „The laughing Apple“ erschien. Es enthält neu arrangiert vier alte Titel seiner 1967 erfolglosen LP „New Masters“ und sieben neue Songs, alle im Folk-Rock-Stil seiner Erfolgsplatten vom Anfang der 70er Jahre aufgenommen.

Cat Stevens wurde kurz nach dem zweiten Weltkrieg 1948 als Sohn einer schwedischen Mutter und einem griechischem Vater in England geboren. Er lebt sein Leben in London, seit 40 Jahren als Moslem, und ist weltweit bekannt. Er ist eine wahrlich kosmopolitische, zukunftsweisende Mischung.

Jetzt wird er schon 70 – am Samstag, den 21. Juli 2018 – und wir stellen fest, wie untrennbar er mit unserem Leben verbunden ist. Und es bleiben wird. Herzlichen Glückwunsch, Cat!

Veranstaltungs-Hinweis: Am Mittwoch, den 1. August 2018 wiederholen wir in Lübeck im Kulturcafé SOFA (ehemaliges Marli-Café) den ausverkauften Cat Stevens Vinyl-Erinnerungsabend vom 18.07.2018. 
www.dreasstuv.de

Foto 2: Yusuf Islam/Cat Stevens, (c) Bryan Ledgard/Wikipedia

Wolfgang Bremer
Wolfgang Bremer
Wolfgang Bremer, Jahrgang 1959, Autor, Vortragskleinkünstler und Personalmanager, empfindet die 70er Jahre als ausgesprochen prägend für sich und seine Generation. Weiterer Schwerpunkt: gestaltet Abende über die 20er Jahre (Kästner, Tucholsky, Fallada, Mühsam, Ringelnatz)
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