Bernd Lutz Lange und Sascha Lange - "David gegen Goliath"
Panzer versus Gebete und Kerzen

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Wie sähe Deutschland heute aus, wenn der 9. Oktober 1989 in Leipzig blutig zu Ende gegangen wäre? Wenn Panzer die Demonstranten mit Gewalt zum Schweigen gebracht hätten?

Wenn Leipziger Pfarrer und insbesondere Pfarrer Führer aus der Nikolaikirche nicht den Mut gehabt hätten, ihre Kirchen offen zu lassen und die montäglichen Friedensgebete weiter zu führen, trotz massiver Verhaftungswellen seit Sommer 1989? Und letztendlich, wenn nicht Vertreter aus Kultur, Kirche und Parteileitung der SED den berühmten Aufruf zur Gewaltlosigkeit und zum Frieden veröffentlicht hätten.

Nach der Einsatzplanung des Volkspolizei-Kreisamtes Leipzig war unter Zustimmung des Innenministers der DDR ein unverhältnismäßiger Armeeeinsatz zur Zerschlagung „rechtswidriger Menschenansammlungen sowie die Festnahme der Rädelsführer“ geplant. Neun Kompanien der VP-Bereitschaft, eine Kompanie der Schutzpolizei für den inneren Bereich der Stadt um die Nikolaikirche, zwölf Kompnien der VP-Bereitschaft und fünf Hundertschaften der Kampfgruppen für den Bereich um den Hauptbahnhof, sowie fünf Kompanien der VP-Bereitschaft und eine Hundertschaft der Kampfgruppen um den Stadtring, zusatzlich Räumfahrzeuge, 110 Kriminalpolizisten, 145 Mitarbeiter der Feuerwehren und 95 Mitarbeiter des Betriebsschutzes. Zusätzlich wurden 65 Schilde und 800 Schlagstöcke angefordert. 1.450 NVA Soldaten waren zusätzlich als Reserve bereitgestellt. (Seite 171/172 im Buch „David gegen Goliath“)

Hier sollte wirklich Goliath alles aufkeimende neue Denken und Hoffen zerschlagen. Aber der Tag endete ganz anders. Bernd Lutz Lange beschreibt in seinem Buch diesen Tag und die Ereignisse davor, in seiner emotionalen und betroffenen Art, denn er ist einer der Sechs, die den Aufruf zur Gewaltlosigkeit und Frieden verfaßte. Als Kaberettist und Autor hat er seit seiner Studentenzeit in den 60er Jahren immer kritisch Stellung bezogen und Ungerechtigkeiten im Land angeprangert.

Am 9. Oktober 1989 aber ging es ums Ganze - David gegen Goliath. Auch er hätte verhaftet werden und damit seine Lebensgrundlage verlieren können. Bernd Lutz Lange und sein Sohn Sascha beschreiben diesen 9. Oktober 1989 in all seinen Facetten und zeigen, dass dieser Tag der eigentliche Wendepunkt in unserer deutschen Geschichte wurde.
Für mich als Leipzigerin, die damals mit dabei war, ist es wichtig, diesen Tag zu feiern.

 Gebete und Kerzen haben eine blutige Niederschlagung unseres Veränderungswillens verhindert. Die Zeitwende 1989 war dann sehr rasant, Sturz der kommunistischen Regierungen in ganz Europa, Öffnung der Grenzen, Fall der Mauer und 1990 ein wiedervereintes Deutschland.

Vergessen wir nie, dass Gewaltlosigkeit und Frieden unschätzbare Werte sind, die es immer wieder zu schützen gilt. Gerade jetzt 30 Jahre nach dem Mauerfall ist „David und Goliath“ ein Buch für alle Generationen unseres Landes.

Bernd Lutz Lange und Sascha Lange: David gegen Goliath, Aufbau-Verlag, September 2019, 221 Seiten, Amazon

Das Buch ist in den inhabergeführten Buchhandlungen BellingProsa, Buchfink, Arno Adler, Langenkamp, maKULaTUR und Buchstabe erhältlich

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