Im Rahmen seiner Ausstellungsreihe mit künstlerischen Doppelbegabungen wie Winston Churchill oder Bryan Adams, aber bekannterweise auch Günter Grass selbst, hat das Günter Grass-Haus jetzt eine neue Ausstellung mit Werken von Helme Heine eröffnet.
Der berühmte Kinderbuch-Autor und Zeichner, der mit seinen Bildern und Illustrationen als scharfsinniger Beobachter und Chronist gesellschaftlicher Entwicklungen galt, wird dort bis Anfang Januar 2027 mit einer umfangreichen Ausstellung unter dem Titel „Es war einmal …“ geehrt. Der viel gereiste Autor, der sowohl in Bayern, wie auch auf Island und zuletzt in Neuseeland lebte, verstarb dort, nachdem ihn Grass Haus-Leiter Dr. Jörg-Philipp Thomsa und der junge Kurator Carl Manzey noch in Prutting in Bayern zur Vorbereitung der Schau getroffen hatten.
Helme Heine vor seinem Haus in Neuseeland
Berühmt geworden war der Bilderbuchkünstler hauptsächlich durch seine wunderbaren Tierfiguren wie der kleine Drache Tabaluga (Peter Maffey) oder seine drei „Freunde“ Franz von Hahn, Johnny Mauser und der dicke Waldemar. Seine Bücher wurden über 25 Millionen Mal verkauft und in über 30 Sprachen übersetzt.
Wie mittlerweile üblich, wurde die Ausstellung mit prominenter Besetzung am Sonntag bei bestem Wetter im Garten des Grass-Hauses eröffnet. Über 200 Gäste erfreuten sich über die wunderbar bunte Ausstellung sowie die illustre Gesprächsrunde auf der Bühne. Neben den üblichen Besuchern wie Bürgermeister Lindenau und Kultursenatorin Frank waren unter anderem die Kinder des Schriftstellers, Gisela und Christoph von Radowitz, die berühmte Schriftstellerin Cornelia Funke und der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein Daniel Günther zu Gast, der übrigens zum ersten mal das Grass-Haus besuchte (Kulturbanause - wie er sich selbst bezichtigte).
Probe für ein neues Kinderstück vom jungen Schauspiel Lübeck
Bevor die beiden letztgenannten zusammen mit dem Grass-Haus-Chef Dr. Jörg-Philipp Thomsa über die Ausstellung und die Wichtigkeit des Lesens gerade auch von den jungen Leser*innen sprachen, zeigte das Junge Schauspiel Lübeck erste Einblicke zu einem Kindertheater-Stück über die Figuren von Heine, das noch im Laufe des Jahres Premiere feiern soll.
Im Plauderton wurde über die Wichtigkeit des Vorlesens und die besondere Aufmerksamkeit auf die kindlichen Besucher des Ausstellungshauses gesprochen. Daniel Günther verriet, was er selbst als Kind gelesen hatte und was er heute seinen beiden jungen Töchtern (7 und 10 Jahre) gerne vorliest oder zum Lesen empfiehlt, nämlich Astrid Lindgren oder den dunklen Roman Krabat, den er selbst geliebt hatte und deren Verfilmung ihn heute noch gruselt. Locker beantwortete der MP auch Fragen aus dem Publikum und erklärte seine musikalischen Vorlieben von Rock-Musik und Heavy Metal. In Wacken habe er schon Judas Priest gesehen und abgefeiert und sogar die „Ärzte“ beim Landesparteitag auflegen lassen. Auch wenn es sich als Ministerpräsident eigentlich nicht gehöre, lauthals „Arschloch“ zu schreien, war ihm das vor laufenden Kameras passiert, als der Song „Schrei nach Liebe“ lief, wie er grinsend erklärte.
Hatte Spaß: Bestseller-Autorin Cornelia Funke
Cornelia Funke, die berühmte Kollegin von Helme Heine betonte, dass das Buch trotz Chat GPT und KI noch lange nicht tot sei. Sie arbeite aktuell an neuen Büchern und plane die Eröffnung eines „Tintenklecks-Cafés“ ganz in der Nähe des Grass-Hauses. Gemeinsam wurden die aktuellen gesellschaftlichen Krisen und Spaltungen gerügt, die wir den wahnsinnigen Leuten wie Trump und anderen zu verdanken haben. Trotzdem seien Humor und Zuversicht angesagt. Gerade Kreativität sei notwendig, um die Welt zusammenzuhalten, die momentan anscheinend aus den Fugen geraten ist, waren sich alle auf der Bühne einig.
Das sei übrigens genau das, wofür Helme Heine stehe, wie man in der bunten und fröhlichen Ausstellung anhand diverser Zeichnungen und Geschichten begutachten kann. Sein Vater war ein sehr positiver Mensch, der den Glauben an das Gute im Menschen niemals verloren hatte, erzählte sein Sohn Christoph von Radowitz, der anstatt einer Rede aus einem Brief seines Vaters zitierte. Dieser hatte seinen Kindern regelmäßig in seinen „Sonntagsbriefen“ über sein Leben und seine Weltsicht geschrieben. So schrieb er über das Stadtbild von Lübeck, das berühmte Holstentor und darüber, dass er sich Günter Grass und Thomas Mann nicht gemeinsam in einem Bild vorstellen könnte. Was er dann aber doch gezeichnet hat, wie man in der Schau sehen kann. Überhaupt sei „die Seele des Vaters wunderbar in der Ausstellung aufgegriffen worden“ befand sein Sohn.
2 Nobelpreisträger in einem Bild : Grass und Mann, (c) Helme Heine Art
Natürlich gibt es speziell auf die junge Leserschaft gestaltete Bereiche, wie das kleine Mullewapp-Dorf mit den drei Freunden als Puppenfiguren oder Stationen zum selbst kreativ werden. Aber auch ein vom Künstler selbst entworfenes Schachspiel mit kreativen Figuren in japanischer Lacktechnik ist ausgestellt. Besonders sehenswert sind vor allem seine gesellschaftskritischen Arbeiten zu allen möglichen Themen wie Klimawandel, Emanzipation, Religion, Krisen und Kriege.
Zudem werden Werke gezeigt, die Heime speziell für das Günter Grass-Haus geschaffen hat und die auf den Literatur-Nobelpreisträger und Lübeck Bezug nehmen. Mehrfach geht zum Beispiel der freche Johnny Mauser die Trommel schlagend voran, wie beim Rattenfänger von Lübeck. Aber immer wieder wird vor allem deutlich, wie wichtig dem Autor in all seinen Arbeiten Begriffe wie Freundschaft und Solidarität sind.
Entwurf für einen großen Heißluft-Ballon, der über Lübeck schweben soll
Nebenbei hatte der Karikaturist und Zeichner Malte von Tiesenhausen noch schnelle und lustige Zeichnungen mit Original-Zitaten der illustren Gäste zu Papier gebracht. Am Ende der Vernissage labten sich die ca. 200 Gäste noch an frisch Gebackenem und Kaffee im sonnigen Garten. Niederegger hatte dazu noch eine besondere Torte mit Heine-Motiven produziert. Auch konnte eine große aufgeblasene Blechtrommel begutachtet werden, die im Laufe des Jahres als riesiger Ballon über Lübeck fahren soll.
Die farbenfrohe und poetische Welt des Helme Heine ist neben dem Günter Grass-Haus auch noch in der Jugendbibliothek und in der Stadtbibliothek Lübeck bis zum 10. Januar 2027 zu sehen. Parallel zur Ausstellung ist ein wunderbarer Katalog entstanden, der dort auch gekauft werden kann.
Fotos: (c) Holger Kistenmacher




















