Die Galerie AC Noffke präsentiert Skulpturen und (gemalte) Grafik

Mit einer gut besuchten Vernissage eröffnete die kleine Galerie in der Hüxstraße 72 vergangenen Samstag, den 18.09.21, eine sehenswerte Ausstellung bestehend aus einer Vielfalt zwei- und dreidimensionaler Kunst.

Die 1967 in Konstanz geborene Beate Leonards hat zwar seit 1999 in Lübeck ihr Werkstatt-Atelier, stellte aber in den letzten Jahren selten in ihrer Wahlheimat aus. Umso schöner, dass die ausdrucksstarken Produkte der in meinen Augen in der Welt des Kunsthandwerks immer noch viel zu wenig bekannten Silberschmiedin jetzt zum Anfassen nah zugänglich sind. Alle (auch für den täglichen Gebrauch geeigneten) Objekte wurden von der Künstlerin entworfen und mit hoher handwerklicher Qualität eigenhändig hergestellt. Eine Ausnahme bildet die Vase aus Aluminium, die sie von einer Fachkraft für Metallbearbeitung aus einem Stück drehen ließ.

Die Formensprache ist einzigartig und passend zum Materialeinsatz, sie zeugt von Einfachheit, gelungenen Proportionen und spannenden Wechselspielen zwischen Symmetrie und Asymmetrie. Die Werkstoffe Silber, Bronze, Aluminium und Tombak (eine Messinglegierung) besitzen eine anziehende Haptik, die stetig reizt, mit den Fingern darüber zu gleiten.

Beate Leonards steht lieber im HintergrundBeate Leonards steht lieber im Hintergrund

Es gibt viele faszinierende Stücke, die der/ die Besucher:in gerne erwerben würde; die Wahl fällt schwer, und wenn auch mich persönlich die beiden größten Vasen aus Tombak am meisten beeindruckten, so stellt der stellvertretend für die anderen Ausstellungsgegenstände im Vergleich zu den großen Vasen kleine Silberbecher nicht weniger ein Beispiel für eine wunderschöne Umsetzung der Weiterentwicklung einer klassischen Gestalt dar, das in seiner Zeitlosigkeit die nächsten Jahrzehnte (und vielleicht mehr) im positiven Sinne modern bleiben wird.

In Flensburg hatte Beate Leonards während einer Gemeinschaftsausstellung Otto Beckmann kennengelernt, der dort aus der Not eine Tugend machte. Der 1945 in Knüppeldamm/Mecklenburg geborene Künstler hatte die Aufgabe, die Grafik der Radierung vor Publikum prozesshaft darzustellen. Da die Bearbeitung einer Metallfläche mit Kaltnadel vor Publikum in den Augen des Grafikers nicht ganz so spannend sei, entwickelte dieser einen ähnlichen Prozess, bemalte eine Leinwand mit mehreren Schichten von Acrylfarbe und kratzte dann die Struktur von Meereswellen mit einem Skalpell in fast meditativer Arbeit heraus.

Otto Beckmann erklärtOtto Beckmann erklärt

Diese in wunderschönem oszillierendem Grünblau gehaltene See hat eine fast magische Anziehungskraft trotz oder gerade wegen der (mächtigen) Wellen, die sie durchziehen. Letztere sind bei aller Eindeutigkeit der Gemalten Grafik, wie Beckmann seine eindrucksvollen Bilder nennt, so realistisch, dass der/ die Betrachter:in auf den Gedanken kommen könnte, dass da ein aufprojiziertes Foto die Grundlage gewesen sein könnte. Doch entspringen die Meeresbilder einem inneren Bild, dessen sich der in Hamburg und Neustadt i. H. lebende und arbeitende Maler und Grafiker zu Beginn des Schaffensprozesses noch gar nicht bewusst ist.

Die Seebilder, die über einen Kopf aus frei zugeordneten Objekten verfügen, sind nur die neuesten Werke der experimentierfreudigen Ergebnisse Beckmanns, der aus der bewussten Unordnung und vielfältigen Fundstücke seiner Ateliers kleine Stillleben wie humorvolle Malerei entwickelt. Kunst, die zum Staunen wie Schmunzeln animiert und die Besuchenden mit reicher Anregung der Phantasie die Galerie verlassen lässt.

Otto Beckmann: SteuererklärungOtto Beckmann: Steuererklärung

Die Ausstellung Gemalte Grafik und Objekte ist noch bis zum 30.10.2021 in der Dependance der Galerie AC Noffke in Lübeck, Hüxstraße 72 zu erleben.

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