Florian Hacke, Foto: Theater Combinale

Neu im Theater Combinale
Vater sein dagegen sehr ...

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Was macht ein Mann, der gerade keinen festen Job hat, dessen Frau nach der Geburt des ersten Babys ihr Studium beenden will? Er beschließt: Ich erziehe die kleine Tochter; ich gehe in Elternzeit. Elternzeit bei der Frau scheint normal, ist akzeptiert, wird vielleicht sogar erwartet. Ein Papa in Elternzeit – das ist  selten, gibt neue Erfahrungen und jede Menge Aufregung. Natürlich auch Spaß.

Der Schauspieler Florian Hacke – manche Theaterfreunde kennen ihn noch aus seiner Zeit als Ensemblemitglied in der Beckergrube – spielt und spricht aus eigener Erfahrung. Er hat seine Erlebnisse mit der kleinen Tochter, natürlich angereichert um erdachte Spielzüge und etliche eingängige Songs, zu einem Soloprogramm zusammengefügt. Sigrid Dettlof hat die Texte im Theater Combinale zu einer Show gestaltet. Das ergab einen äußerst unterhaltsamen, dabei nie flachen Abend in der Kategorie „Menschlich, sehr menschlich“ und deshalb sehr sympathisch. „Hasenkind, du stinkst“ heißt der Abend mit einer Frage als Untertitel: Bin ich ein guter Vater?

Manches kann man sich fast denken: Wie ist es, wenn zwischen den vielen Mamas beim Babyschwimmen ein Papa mit herumstrampelt? Ist er ein guter Vater, wenn das eigene Baby – vielleicht angelernt durch diese Umgebung – immer Mama zum Papa sagt? Oder wenn die Kursleiterinnen in Programmen zur Früherziehung sich spitze Bemerkungen nicht verkneifen können? Und zu Hause, bei den jungen Eltern: Wer ist denn heute Nacht häufiger aufgestanden, um sich ums Baby zu kümmern? Oder beim Spaziergang in der Fußgängerzone, wo jede zweite Oma ungefragt Ratschläge gibt oder entsetzt mit Blick auf das Tragetuch fragt: Kriegt das Kleine denn überhaupt Luft?! Und auch die Verwandtschaft hat Bedenken: Wie wollt ihr denn alles finanzieren? Ein arbeitsloser Schauspieler und eine Studentin!

Florian Hacke, Foto: Theater CombinaleFlorian Hacke, Foto: Theater Combinale

Eingeschoben in die Ein-Mann-Show rund um den Kinderwagen wird eine köstliche Szene in einem Pub in Liverpool, eine Bierwerbung; schließlich muss das Geld für ein großes Tauf-Fest irgendwie zusammenkommen. Es gibt viel verständnisinniges Nicken im Theater Combinale, viele Lacher. Dabei kommt Nachdenkliches nicht zu kurz. Wie groß sind denn die Gefahren von Elektrosmog, von Giftstoffen im Fensterrahmen oder von Bleirohren als Wasserleitung fürs Baby? Das eigene Gewissen meldet sich, und Dr. Google wird befragt. Florian Hacke kann nicht nur sprechen. Er kann auch Lieder schreiben und vortragen. Für Dramaturgie und Regie zeichnet Sigrid Dettlof verantwortlich. Sie weiß, wie man aus Erzählungen einen abwechslungsreichen Theaterabend auf die Bühne stellt; mit Gängen, Pausen, leisen und lauten Stellen, Temposteigerungen und besinnlicheren Momenten. Florian Hacke spielt sein „Schicksal“ charmant, jungenhaft, sympathisch. Wie erzieht man ein Kind? Am Schluss lautet die Antwort schlichtweg: Mit Humor, mit Liebe, mit Zeit! Das lässt sich sogar auf andere Formen menschlichen Miteinanders übertragen.

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