Zoe Goldmann (1. Platz), Anne-Dore Bruett-Schwertfeger, Janina Beyer (2. Platz) und Anna Krisat (3. Platz), Foto: (c) Fotoagentur 54°

Tschechows „Drei Schwestern“
Plakatwettbewerb der „Gesellschaft der Theaterfreunde“

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Drei ausdrucksvolle Plakate, die für den Besuch von Anton Tschechows „Drei Schwestern“ werben sollen, wurden im diesjährigen Plakatwettbewerb der „Gesellschaft der Theaterfreunde“ für die Preise ausgewählt.

Das eine zeigt ein Frauenauge mit drei Tränen. Es fängt die Grundstimmung der „Drei Schwestern“ ein, die Tschechow in seinem Familiendrama ihren verlorenen Hoffnungen nachweinen lässt. Das zweite erfasst das Gleichförmige der Schwestern. Sie führen in dem herrschaftlichen Haus, das ihnen der Vater hinterlassen hat, ein puppenhaftes Leben, nur durch Alter und Hintergrund unterschieden. Das dritte schließlich stellt die drei Schwestern vor das verkommene Elternhaus, dessen Fassade bröckelt, dessen verschlossenes Tor ihnen keine Heimat mehr gibt. Mit seiner Aussage erfasst es nach Meinung der Jury am stärksten die Intention des Stückes, das jetzt in den Kammerspielen zu sehen ist und für das dies Plakat im öffentlichen Raum wirbt.

Zoe Goldmann, Schülerin der Baltic-Schule, gewann damit den ersten Platz, dotiert mit 250 Euro. Auch Janina Beyer und Anna Krisat, die mit 150 und 100 Euro ausgezeichnet wurden, waren Schülerinnen der gleichen Schule, die damit eindeutig in dem Wettbewerb mit 72 Arbeiten aus vier Schulen hervortrat. Ihre Preise erhielten die Schülerinnen in einem kleinen Festakt aus der Hand von Anne-Dore Brütt-Schwertfeger, der Vorsitzenden der Fördergesellschaft.

Der Wettbewerb, wie immer für die Oberstufenschüler in Lübeck und Umgebung ausgeschrieben, hatte in diesem Jahr mit dem komplexen Tschechow-Stück ein sehr anspruchsvolles Thema. Der russische Dramatiker wird wohl kaum Gegenstand im Unterricht der Schulen sein, seine Besonderheit musste also eigenständig erfasst werden. Immerhin war ein Plakat mit all den komplexen Anforderungen dieses Genres zu gestalten, das nicht für das Klassenzimmer bestimmt ist, sondern weit in die Stadt hinauswirken soll.

Die Idee ist alt, Schüler an ein Theaterstück in möglichst unterschiedlichen Fächern wie Deutsch, Musik oder Kunst heranzuführen. Hier ist das mit ersten Erfahrungen im Bereich angewandter Kunst verbunden. 1987 wurde der Wettbewerb der GTL erstmals durchgeführt, aber erst seit 2001 gibt es den regelmäßigen Wechsel zwischen Stücken aus Schauspiel und Musiktheater. Daraus entwickelte sich unter Leitung der Jugenddramaturgie (seit etlichen Jahren durch Knut Winkmann) ein großartiges Zusammenwirken von Schule, Theater und „Gesellschaft“. Die Theaterfreunde dienen damit dem Theater einerseits direkt, wenn sie bei einer Inszenierung die Kosten für die Werbung abnehmen, für den Entwurf, den Druck bis hin zum Plakatieren. Andererseits schaffen sie für Schule und Theater gleichzeitig einen Vorteil, wenn vielseitig vorbereitete junge Besucher ein Stück ansehen. In dieser Art verquicken die Theaterfreunde ihre Begeisterung für das Theater mit Jugendförderung und Außenwirkung.

Arndt Voß
Aufgewachsen in Neumünster, in Lübeck seit 1959. Studium in Kiel und Hamburg (Musik- und Literaturwissenschaft). Ständige Mitarbeit an den Lübeckischen Blättern von 1974 bis 2014, Berichte und Kritiken darüber hinaus in einigen anderen Organen. Schwerpunktthemen: Musiktheater, Schauspiel, Konzerte.
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