Die republikanischen Nationalfarben „Schwarz-Rot-Gold“ waren den Nationalsozialisten verhasst.

Für Freiheit und Republik!
Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold im Kampf für die Demokratie

Das Europäische Hansemuseum zeigt in den historischen Räumlichkeiten des Burgklosters eine Ausstellung über das Engagement des „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ für die erste Demokratie in Deutschland.

Das Reichsbanner wurde 1924 als republiktreuer, überparteilicher Veteranenverband zum Schutz der Demokratie gegründet. Nach und nach traten dem Verband über eine Million ehemalige Weltkriegssoldaten, aber auch viele andere Demokraten aus der SPD, der DDP und der Zentrumspartei bei. Oft heißt es, die Weimarer Republik sei eine »Demokratie ohne Demokraten« gewesen. Dass solche Pauschalaussagen nur einen Teil der Realität darstellen, zeigt unsere neue Sonderausstellung.

Zu seinen Mitgliedern und Unterstützer*innen gehörten unter anderem auch Persönlichkeiten wie der erste Bundespräsident Theodor Heuss, die Frauenrechtlerin Marie Elisabeth Lüders oder der Lübecker Reichstagsabgeordnete Julius Leber. Auf Themen- und Biografiebannern dokumentiert die Ausstellung mit ausdrucksstarken Fotos den umfassenden Einsatz der Mitglieder des Reichsbanners für den Schutz der demokratischen Weimarer Republik (1918–1933).

Die Wanderausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand wird im Europäischen Hansemuseum ergänzt durch einen Bezug zur Geschichte des Burgklosters sowie regionale Exponate und Biografien. In den Zellen des Untersuchungsgefängnisses im Burgkloster, die bis heute erhalten sind und besichtigt werden können, wurden ab 1933 zahlreiche Gegner der Nationalsozialisten interniert oder in den Räumen des Gerichts verurteilt.

Ein Propaganda-Auto des Reichsbanners wirbt vor der Reichstags-Wahl am 14. September 1930 in den Strassen Berlins, Foto: BundesarchivEin Propaganda-Auto des Reichsbanners wirbt vor der Reichstags-Wahl am 14. September 1930 in den Strassen Berlins, Foto: Bundesarchiv

Unter ihnen war auch der Reichstags- und Bürgerschaftsabgeordnete sowie Chefredakteur des sozialdemokratischen „Lübecker Volksboten“ Julius Leber. Als einer der prominentesten Gegner der Nationalsozialisten wurde Leber bereits am Tag nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler das erste Mal verhaftet. Nach der Haftzeit wurde er bis 1937 in den Konzentrationslagern Esterwegen und Sachsenhausen festgehalten. Danach agierte Leber, getarnt als Kohlehändler, von Berlin aus weiter gegen das Regime. 1944 wurde er erneut verhaftet, zum Tode verurteilt und wenige Monate vor Kriegsende hingerichtet. Diese und weitere Biografien mit lokalem Bezug werden auch nach der Sonderausstellung im Burgkloster zu sehen sein.

Die Ausstellung „Für Freiheit und Republik!“ zeigt, wie das Reichsbanner für einige Jahre zum wichtigen Stabilitätsfaktor der noch jungen Demokratie wurde. Eindringlich führt sie vor Augen, wie entschieden die Mitglieder sich gegen den aufkommenden Nationalsozialismus zur Wehr setzten und bis zuletzt gegen die Machtübernahme Hitlers kämpften.

 Begleitend zur Sonderausstellung findet ein vielfältiges Rahmenprogramm statt, das über die historischen Erkenntnissen hinaus einen Bezug zu heute und zur aktuellen Demokratie-Debatte schafft. Neben Führungen und Workshops zur Sonderausstellung gibt es einen Vortrag sowie eine Podiumsdiskussion über den „Umgang mit (Rechts-) Populismus“. Darüber hinaus bietet das Europäische Hansemuseum spezielle Angebote für Schulklassen an.

Ausstellungseröffnung: Die Sonderausstellung wird am Sonntag, dem 26. Mai 2019 um 11 Uhr, durch Bürgermeister Jan Lindenau eröffnet. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder telefonisch unter 0451 80 90 99 0 ist erforderlich.

Die Ausstellung im Europäischen Hansemuseum geht vom 26. Mai bis zum 7. Juli 2019. Öffnungszeiten: täglich 10-18 Uhr.

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