Hai-Maske, Bidyogo, Guinea Bissau, 20. Jh, (c) Völkerkundesammlung, Lübeck, Foto: Michael Haydn

Afrika in Lübeck
Macht und Magie - Tiere in den afrikanischen Kulturen

Die Ausstellung „Macht und Magie – Tiere in den afrikanischen Kulturen“ wurde von der Völkerkundesammlung mit dem Museum für Natur und Umwelt gemeinsam erarbeitet. Das Herzstück der Ausstellung bilden Tierskulpturen aus 13 Ländern Afrikas.

Im Jahr 2022 stehen die LÜBECKER MUSEEN mit gleich drei Ausstellungen ganz im Zeichen von Afrika. Grundlage dieser Ausstellungen ist eine Auswahl der rund 3.500 Kunstwerke aus dem Nachlass des Kieler Afrika-Sammlers Bernd Muhlack, die erst vor wenigen Monaten in den Besitz der Völkerkundesammlung gelangten. Die Highlights dieser bisherigen Privatsammlung werden nun weltweit erstmalig öffentlich präsentiert. Dieser Afrika-Ausstellungszyklus ist das seit Jahrzehnten größte und ambitionierteste Projekt der Lübecker Völkerkundesammlung. Ausgehend von den Kunstwerken sollen Fragestellungen zu den Themen Natur, Religion, den historischen Verbindungen von Afrika zu Lübeck und natürlich auch rund um die viel beachtete Kolonialismusdebatte aufgegriffen werden.

Zum Auftakt präsentiert die Völkerkundesammlung gemeinsam mit dem Museum für Natur und Umwelt die Ausstellung „Macht und Magie – Tiere in den afrikanischen Kulturen“ über das Verhältnis von Mensch und Tier in Afrika. Diese ist von Freitag, 14. Januar, bis Sonntag, 29. Mai, im ersten Stock des Museums für Natur und Umwelt zu sehen. In den folgenden Ausstellungen, ab April im St. Annen Museum und ab September in der Geschichtswerkstatt Herrenwyk, geht es dann um Fragen rund um Religion und Kolonialismus. Lübecks Kultursenatorin Monika Frank freut sich, den kulturellen Jahresauftakt auf diesem hohen Niveau begehen zu können: „Es ist eine gute Gelegenheit, auch in Pandemiezeiten unser Fernweh zu stillen und unseren Blick auf Themen und Weltgegenden zu lenken, die wir aus den Augen verloren haben. Die hochwertig gearbeiteten Stücke aus der ehemaligen Privatsammlung werden die Besucher:innen begeistern. Und es ist von großer Bedeutung, dass sich die Hansestadt Lübeck im Zuge dessen auch verstärkt mit ihrer Geschichte im Zeitalter des Kolonialismus beschäftigt.“

(c) Völkerkundesammlung, Lübeck, Foto: Michael Haydn(c) Völkerkundesammlung, Lübeck, Foto: Michael Haydn

Der Leitende Direktor der LÜBECKER MUSEEN Prof. Dr. Hans Wißkirchen schätzt an diesem Ausstellungszyklus, dass durch die Kooperationen einzelner Museen der Verbundscharakter gestärkt wird: „Durch dieses Projekt wollen wir die Zusammenarbeit innerhalb der Lübecker Museumslandschaft stärken und gemeinsame Themen aus unterschiedlichen Sichtweisen beleuchten. Dies macht zugleich deutlich, wie breit unser Verbund aufgestellt ist und welche Möglichkeiten sich dadurch ergeben.“ Auch das KOLK 17 Figurentheater & Museum beteiligt sich mit Veranstaltungen und Exponaten an den Ausstellungen.

Die Kurator:innen der Ausstellung „Macht und Magie – Tiere in den afrikanischen Kultur en“sind Dr. Lars Frühsorge von der Völkerkundesammlung sowie Dr. Susanne Füting des Museums für Natur und Umwelt. Das Herzstück der Ausstellung bilden Tierskulpturen aus dreizehn Ländern Afrikas, die dazu einladen, die Tierwelt durch die Augen afrikanischer Künstler:innen neu zu entdecken und dabei auch althergebrachte europäische Vorurteile zu hinterfragen. Zudem dienen die Kunstwerke als Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit historischen und aktuellen ökologischen Problemen des Kontinents.

Dr. Lars Frühsorge in der Ausstellung "Macht und Magie", (c) Völkerkundesammlung, Lübeck, Foto: Michael HaydnDr. Lars Frühsorge in der Ausstellung "Macht und Magie", (c) Völkerkundesammlung, Lübeck, Foto: Michael Haydn

Texttafeln informieren über immer brisanter werdende ökologische Fragen wie den Zusammenhang zwischen Kolonialismus und Klimawandel, zwischen globaler Fischindustrie und der Flüchtlingskrise oder das Verhältnis von Naturschutz und Menschrechte zueinander. Es ist somit eine Ausstellung, die sowohl für Naturfans als auch für Freunde der Kunst von Interesse ist. Auch ist ein klarer Bezug zur Hansestadt herausgearbeitet, indem zum Beispiel dargestellt wird, wann der erste Löwe nach Lübeck kam. Zu den kostbarsten Stücken der Ausstellung gehört unter anderem eine Hai-Maske der Bidyogo in Guinea Bissau (Titelfoto) aus dem 20. Jahrhundert.

Anhand von Filmplakaten von Tarzan & Co werden die Afrika-Fantasien westlicher Kulturen hinterfragt, die sich oftmals nur aus Romanen, Filmen und der Werbung speisen. Häufig können in diesen Erzählungen nur Europäer die afrikanische Natur schützen und den Menschen helfen. „Während der Vorbereitung dieser Ausstellung haben wir eine Reihe faszinierender Afrikaner:innen kennengelernt, die auch ohne einen solchen „White Savior“ (Weißer Retter) bestens auskommen.

Unter ihnen sind Intellektuelle, Wissenschaftler, Künstlerinnen, Tierschützer und Klima-Aktivistinnen. Die meisten von ihnen tauchen in unseren Medien niemals auf. Und so möchten wir auch ihrer ökologischen Arbeit mit dieser Ausstellung mehr Aufmerksamkeit verschaffen.“, so Dr. Lars Frühsorge, Leiter der Lübecker Völkerkundesammlung. Dementsprechend wurde nun beispielsweise für die Ausstellung „Macht und Magie“ eine Art „Wall of Fame“ eingerichtet, auf der afrikanische Persönlichkeiten vorgestellt werden, die sich unter anderem in den Sozialen Netzwerken für Klima und Umweltschutz stark machen.

Am 22. April wird in den Räumen des St. Annen-Museum die zweite Teilausstellung mit dem Schwerpunkt religiöse Kunst aus Afrika eröffnet. Neben Ritualgegenständen wie Nagelfetischen oder Voodoo-Gottheiten wird dabei auch ein Blick auf die christlichen, jüdischen oder islamischen Traditionen in Afrika geworfen. Ab dem 2. September wird im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk unter dem Titel „Afrika in Lübeck – eine Spurensuche“ schließlich das heikle Thema des Kolonialismus aufgegriffen und welche Rolle Lübeck dabei spielte.

Begleitend zu den Ausstellungen entsteht in den kommenden Monaten unter www.afrika-in-luebeck.de zudem ein partizipatives Online-Projekt, mit dem die vielschichtigen Spuren Afrikas in Lübeck erforscht und auf einem digitalen Stadtplan gekennzeichnet werden. „So sollen unbekannte Orte und Ereignisse der gemeinsamen rund 800-jährigen Geschichte und Gegenwart sichtbar gemacht werden. Wir wollen Menschen zu Wort kommen lassen, deren Stimmen sonst ungehört bleiben und eine neue Form gemeinschaftlicher Museumsarbeit ausprobieren. Schon jetzt laden wir Lübecker:innen mit und ohne Migrationshintergrund ein, ihr Wissen und ihre persönlichen Geschichten über die Verbindungen von Afrika und Lübeck mit uns zu teilen.“, so Frühsorge.

Macht und Magie - Tiere in den afrikanischen Kulturen
Ausstellung bis zum 29. Mai 2022
Museum für Natur und Umwelt
Öffnungszeiten: Di-Fr 9-17, Sa+So 11-17
Weitere Informationen unter www.vks.die-luebecker-museen.de


Sie haben keine Berechtigung hier einen Kommentar zu schreiben.