Melt Trio entführen den CVJM in Klangabenteuer

Nach drei Jahren waren sie wieder da: Bernhard und Peter Meyer sowie Moritz Baumgärtner, zusammen das Melt Trio, stellten am 20. Januar 2017 dem begeisterten Publikum Fantastische Musik #019 vor.

Los gings mit Crescending, Track 1 der aktuellen CD "Stroy": Das klang noch ganz strukturiert und gesittet. Aber schnell kam das Trio Stück für Stück mehr in Fahrt: Elektronische Verfremdungen, Loops, eingebaute Soundscapes ergänzten Gitarre, E-Bass, Schlagzeug und Percussion zu einem großen, manchmal gewaltigen Klangkörper. Metren überlagern sich, verfließen und alles gerinnt zu einem Wettrennen von mehreren D-Zügen, die irgendwann sogar abzuheben scheinen. „Ja, sind wir in einem Rockkonzert gelandet?“, fragt ein begeisterter Hörer, weiß aber auch, dass es da selten so ungewöhnliche rhythmische Strukturen gibt. Moritz Baumgärtner (gefragter Schlagzeuger, u. a. beim Lisbeth-Quartett, Gabriel Coburger und Johanna Borchert) genügt sein Schlagzeug nicht. Da müssen noch viele weitere Instrumente dazu, inklusive zweier Flüstertüten. Unentwegt baut er sein Schlagwerk aus, um ihm eine Vielzahl unbekannter Töne zu entlocken. Die Stücke seien von Bernhard und Peter, berichtet er, nein, eins wäre auch von Beethoven. Zu erkennen war das aber nicht wirklich.

Joachim Lipfert erinnerte die Musik an Pink Floyd und stimmte das Publikum vor Konzertbeginn mit diversen Tracks aus seiner Sammlung ein (ganz nebenbei, Melt traut sich was, nach solch genialer Musik live zu spielen). Manchmal meinte man aber auch, John Wayne und Co. reiten zu hören und meist war es einfach nur ein großer, mehr oder weniger strukturierter, improvisierter Klangrausch, der das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss, besonders wenn dies im vertrauten 4/4-Takt den Kopf mit geschlossenen Augen mitpendeln ließ. Dann lächelte sogar der meist in sich gekehrte Peter Meyer (Gitarre) und überließ seinem Bruder Bernhard (Bass) die Leadstimme. 23:30 Uhr waren mit zwei Zugaben auch die letzten Wege durchs Klangkuriositätenkabinett geschlagen, der CD-Stand brummte und wir freuen uns auf ein nächstes Mal, vielleicht auf der großen Bühne des Trave Jazz Festivals?

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Fotos: Nicolaus Fischer-Brüggemann


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